Das Porsche-Stammwerk in Stuttgart.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
03/19/2021

Porsche-Führung hätte nichts gegen einen Börsengang

Finanzchef betont Vorteile eines Börsengangs. Entscheidung liegt aber beim VW-Konzern. Klimaschutz und Digitalisierung im Fokus.

Die Gedankenspiele im Volkswagen-Konzern über einen Börsengang der Tochter Porsche stoßen bei der Sportwagenschmiede aus Stuttgart auf offene Ohren. Die Entscheidung darüber liege beim VW-Konzern, erklärte Porsche-Finanzchef Lutz Meschke am Freitag bei der Jahrespressekonferenz. "Wir haben ja weitgehend die Vorteile eines solchen Börsengangs oder einer Notierung schon besprochen", ergänzte er aber mit Verweis auf sein jüngstes Interview mit der "Stuttgarter Zeitung".

Darin hatte er die Börsennotierung als Vorteil für den abgebenden Konzern bezeichnet, weil dadurch der Wert der Marke sichtbar werde, während die Börsenbewertung des Multi-Marken-Konzerns sie nicht widerspiegle. Porsche selbst könne aber "nur dazu beitragen, die Argumente zu liefern." Porsche-Vorstandschef Oliver Blume äußerte sich zurückhaltender, betonte zu dem Thema aber, der Unternehmenswert von Porsche werde durch die Strategie zur CO2-Neutralität bis 2030 noch steigen.

Teilbörsengang in Betracht gezogen

Insidern zufolge zieht der VW-Konzern einen Teilbörsengang von Porsche in Betracht, um bei Anlegern Milliarden für die hohen Investitionen in die Elektromobilität einzusammeln. VW-Chef Herbert Diess bestätigte das bisher nicht offiziell, legte auf der Bilanzpressekonferenz des Konzerns in dieser Woche aber Vor- und Nachteile der Idee dar. So sagte er, die Ertragsperle des Konzerns sei mit rund 15 Prozent Umsatzrendite in einer überlegenen Ertragssituation und gewinne weiter an Wert. Allerdings sei die Rendite so hoch, weil Porsche auf Ressourcen von Audi und VW im Konzernverbund zurückgreifen könne. Porsche leiste zudem einen guten Beitrag zum Konzern. Aufgrund der Schwäche der anderen Marken waren es heuer mit einem operativen Gewinn von 4,2 Milliarden Euro sogar rund 40 Prozent des Konzernbetriebsergebnisses.

Synergieeffekte im Konzern oder Gewinnbeiträge sind Meschke zufolge aber kein Hemmnis für eine Börsennotierung. Um die Kostenvorteile zu behalten, müsse Porsche keine 100-prozentige Tochter sein. Und der VW-Konzern würde als Investor künftig eine Dividende anstelle des Ergebnisbeitrags bekommen.

CO2-Neutralität in Wertschöpfungskette angestrebt

Die Präsentation der Jahresbilanz und der neuen CO2-Strategie 2030 glich einer Roadshow vor potenziellen Anlegern. So legte Blume ein Ergebnis vor, das nahezu keinen Kratzer durch die Coronakrise mit ihren Produktionspausen und Schließungen des Autohandels aufwies. Porsche fuhr bei einem Rekordumsatz von 28,7 Milliarden Euro mit 14,6 Prozent eine Umsatzrendite ein, die nur knapp einen Prozentpunkt hinter der des Vorjahres zurückblieb. Der Absatz schrumpfte um drei Prozent auf 272.000 Fahrzeuge. Heuer gebe es eine gute Chance, die Marke von 300.000 Pkw erstmals zu knacken, erklärte Blume. Das traditionelle Ziel einer Rendite von 15 Prozent ist gesetzt.

Der Porsche-Chef informierte über den Plan, bis 2030 mit einer Milliarde Euro Ausgaben zu erreichen, dass die gesamte Wertschöpfungskette des Automobilherstellers CO2-neutral wird. Mehr als 80 Prozent der verkauften Wagen sollen dann voll- oder teilelektrisch unterwegs sein bei einem Großteil reiner Batterieautos. "Wir übernehmen damit eine Vorreiterrolle in der Autoindustrie", sagte Blume.

Digitale Dienste

Meschke erklärte, wie Porsche künftig auch mit digitalen Diensten Geld verdienen will. "Strategisch haben wir uns sehr breit aufgestellt", betonte Meschke. "Bis 2025 wollen wir einen zweistelligen Gesamtumsatz mit digitalen Diensten erwirtschaften und damit natürlich auch Geld verdienen." Der Autobauer wolle sich an zahlreichen Startups beteiligen, um der zahlungskräftigen Kundschaft Angebote wie einen interaktiven Fitnessspiegel für Sporttraining zu Hause oder Soundsysteme für das Auto zu machen.

Auch die Kostenseite will das Porsche-Management im Griff behalten und verschärfte deshalb sein Spar- und Effizienzprogramm. In den nächsten fünf Jahren sollen zehn Milliarden Euro statt der bisher geplanten sechs Milliarden Euro gehoben werden. Ab 2025 sollen es drei Milliarden Euro jährlich sein. Die Zahl der Beschäftigten von gut 36.000 soll dennoch nicht schrumpfen, es gibt eine Jobgarantie bis 2030. "Wir bauen keine Jobs ab und trennen uns von keiner Tochtergesellschaft", sagte Meschke.

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