Markus Wahl, Vorstandsmitglied der Pilotenvereinigung Cockpit: "Piloten m├╝ssen Teamplayer sein."

┬ę APA/dpa

Deutschland

Piloten-Ausbildung bei Lufthansa wird umgekrempelt

Der Konzernumbau bei der AUA-Mutter wirbelt auch Ausbildung und Training durcheinander.

09/04/2015, 09:48 AM

Im Zuge ihres Konzernumbaus reformiert die AUA-Mutter Lufthansa auch Ausbildung und Training ihrer Piloten. Dabei ist durchaus offen, ob die traditionsreiche Verkehrsfliegerschule in Bremen tats├Ąchlich viel ├Ąlter wird als 60 Jahre - ein Jubil├Ąum, das im kommenden Jahr ansteht. Mitten im heftigen Tarifstreit sollen die Ausbildungskapazit├Ąten im Konzern zusammengefasst werden.

Kosteng├╝nstige Piloten statt Elite

Wurde bei der Lufthansa bisher eine zuvor mit strengen Tests handverlesene Elite auf ihre Jobs vorbereitet, sollen k├╝nftig m├Âglichst kosteng├╝nstig Piloten f├╝r vielf├Ąltige Einsatzm├Âglichkeiten ausgebildet werden. Der Nachwuchs wird in den zahlreichen Fluggesellschaften des gr├Â├čten Luftverkehrskonzerns Europas gebraucht, ob sie nun Swiss, AUA, Eurowings oder Aerologic hei├čen. Nur bei der Lufthansa-Mutter bleiben derzeit die T├╝ren zu, weil sich Unternehmen und die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit nicht ├╝ber Kostenreduzierungen im Konzerntarifvertrag einigen k├Ânnen.

Konzept soll bis Herbst vorliegen

Der Vorstand um Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat eine Arbeitsgruppe beauftragt, bis zum Herbst ein Konzept vorzulegen. Klar ist nach einem internen Papier, dass die Flugschulen der Swiss und Lufthansa zusammengefasst werden und kommerziell ├╝ber den eigenen Bedarf hinaus ausbilden sollen. Man werde sicher nicht alles Vorhandene abrei├čen, ist aus Konzernkreisen zu h├Âren, denn schlie├člich m├╝ssen die Trainingssimulatoren weiterhin dort stehen, wo viele Piloten zusammenkommen - etwa an den Drehkreuzen wie M├╝nchen, Frankfurt oder Wien. Auch die vorhandene Infrastruktur der Flugschule in Bremen ist ein Argument, das die Arbeitsgruppe ber├╝cksichtigen muss.

Lufthansa selbst warnt Berufsinteressenten, dass sich die Ausbildung wie vieles andere im Konzern im Umbruch befinde. Die Darstellungen zum "Traumjob Pilotin/Pilot" zeigten nur die "alte Welt", hei├čt es auf der offiziellen Website. Die Ausbildung in Bremen und Phoenix (Arizona) wird dort von ehemaligen Teilnehmern in leuchtenden Farben geschildert: "Man geht als Team gemeinsam durch die H├Âhen und Tiefen der Ausbildung", schreibt etwa die Flugsch├╝lerin Julia Wittke.

Gewerkschaft skeptisch

Die deutsche Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) verfolgt die Reformpl├Ąne kritisch. In Sicherheitsfragen d├╝rften keinerlei Abstriche gemacht werden, verlangt Sprecher Markus Wahl. Die VC bef├╝rchtet einen heftigen Konkurrenzkampf der Flugsch├╝ler untereinander, weil erst nach erfolgreicher Pr├╝fung Entscheidungen ├╝ber eine Anstellung fielen. "Piloten m├╝ssen Teamplayer sein. Ellenbogen und Konkurrenzdenken sind da weniger gefragt", sagt Wahl.

Bis vor wenigen Jahren stellte sich die Situation f├╝r angehende Flugsch├╝ler tats├Ąchlich noch ganz anders dar. Wer zu den Gl├╝cklichen geh├Ârte, die den strengen DLR-Test vor Ausbildungsbeginn ├╝berstanden, konnte fast sicher sein, in absehbarer Zeit in einem Lufthansa-Cockpit zu sitzen. Gepolstert mit allen Wohltaten des Konzerntarifvertrags (KTV) mit Grundgeh├Ąltern in der Endstufe von bis zu 250.000 Euro pro Jahr, Vorruhestand und ├╝ppigen Betriebspensionen.

In diesen deutschen Kollektivvertrag will Lufthansa allerdings schon seit 2014 keinen einzigen Piloten mehr einstellen, hat Spohr unmissverst├Ąndlich klargemacht. Da trotzdem in Bremen munter weiter ausgebildet wurde, gibt es nun rund 850 fast fertig ausgebildete Jungpiloten, die sich um die Perspektiven gebracht sehen, zu denen sie eingestellt wurden.

Schuldenberg

Die meisten sitzen auf einem Schuldenberg von mindestens 70.000 Euro - ihrem Eigenanteil an den rund dreimal so hohen Ausbildungskosten. Wegen einiger noch fehlender Qualifikationen k├Ânnen sie zudem nicht ohne weiteres bei einer anderen Gesellschaft anfangen. Nicht wenige haben f├╝r die Ausbildung ein Studium abgebrochen oder einen bereits erlernten Beruf aufgegeben. "Jetzt bin ich ein Abiturient mit F├╝hrerschein und hohen Schulden", klagt ein 30 Jahre alter Betroffener. "Ich bin v├Âllig davon abh├Ąngig, was mir von dem Laden angeboten wird."

In etwa dieses: F├╝r das kommende Jahr sucht der Konzern f├╝r die neue Gesellschaft Eurowings Europe 120 Piloten und Co-Piloten, interne Bewerbungen w├╝rden bevorzugt. Einen Kollektivvertrag (KV) gibt es bei dem in ├ľsterreich angesiedelten Unternehmen nicht, daf├╝r deutlich niedrigere Geh├Ąlter und mehr Arbeitstage, nicht betroffen davon sind die vorerst zwei Eurowings-Maschinen, die in Wien stationiert werden, hier stellt die AUA das Personal, wo es seit dem Vorjahr einen neuen Konzernkollektivvertrag gibt.

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