SPS-Chef Thomas Brauner in der  Produktionshalle in Wien-Favoriten, wo seit 65 Jahren Philips-Diktiergeräte entwickelt werden.

© Philips Speech

Wirtschaft
06/11/2020

Dank Corona: Sprachtechnologie aus Wien-Favoriten heiß begehrt

Die Sprache-in-Text-Umwandlung von Philips Speech hilft vor allem Ärzten und Juristen, Zeit zu sparen

von Anita Staudacher

Die plötzliche Verlagerung der Büroarbeit ins Homeoffice während des Lockdowns hat viele Betriebe auf dem falschen Fuß erwischt. „Unternehmen mussten sehr rasch auf Homeoffice umstellen und konnten plötzlich nicht mehr auf die gewohnten Büroabläufe zurückgreifen“, berichtet Thomas Brauner, Vorstandschef der Speech Processing Solutions Gmbh (SPS) in Wien.

Vor acht Jahren aus dem Philips-Konzern herausgekauft, ist SPS auf professionelle Sprache-zu-Text-Lösungen spezialisiert, die in den vergangenen Monaten stärker nachgefragt waren als sonst. „Es ging uns wirklich sehr gut in der Krise, wir hatten eines der erfolgreichsten ersten Quartale überhaupt“, erzählt Brauner dem KURIER. Das Unternehmen kam ohne Kurzarbeit und ohne Kündigungen aus und blickt optimistisch in die Zukunft. Denn die rasche und fehlerfreie Umwandlung von Sprache in Text ohne großen Hardware-Aufwand liegt voll im Trend. Kernzielgruppe der SPS sind Ärzte – Stichwort Telemedizin – Juristen sowie Behörden. So gut wie alle Spitäler in Österreich, allen voran das AKH, setzen auf Sprachtechnologie-Lösungen, die nach wie vor unter der Marke Philips verkauft werden.

Dokumentationswahn

„Immer mehr Branchen müssen immer mehr dokumentieren“, weiß Brauner. Schon jetzt gehe ein Viertel der Arbeitszeit eines Arztes für das Dokumentieren drauf, Tendenz steigend. Die Datenschutzgrundverordnung hat den Bedarf an Dokumentation weiter ansteigen lassen. „Die Sprache ist das einfachste Eingabemedium, vor allem von unterwegs“, sagt Brauner und ist überzeugt, dass in Zukunft niemand mehr in die Tasten hauen wird, um ein Gespräch zu verschriftlichen. „Die Tastatur wird im Museum der ausgestorbenen Technik-Hilfsmittel landen“.

Künstliche Intelligenz werde künftig dafür sorgen, dass nicht nur der Text eines Sprechers, sondern ganze Gesprächsrunden mit mehreren Teilnehmern zuverlässig vertextet werden. Wenn Personen gleichzeitig sprechen, funktioniert die Dokumentation derzeit noch nicht einwandfrei. Sogenannte Multi-Speaker-Lösungen dürften aber schon bald auf den Markt kommen.

Die Firmengeschichte von Philips Speech reicht 65 Jahre zurück, als die ersten analogen Diktiergeräte in Wien entwickelt und hergestellt wurden. Auch heute gibt es dafür noch einen Markt, nicht immer muss es digital sein.  2012 spaltete sich die Sparte im Zuge eines Management-Buy-outs unter Beteiligung der Invest AG von Philips ab. Seit dem Vorjahr ist das Unternehmen mehrheitlich im Besitz der Industriellen-Familie Constantia.

Exportkaiser

Die SPS zählt rund fünf Millionen Kunden in 40 Ländern und beschäftigt aktuell 170 Mitarbeiter in acht Niederlassungen, davon 100 in Wien-Favoriten. 95 Prozent des Umsatzes wird im Ausland erwirtschaftet. Wichtigste Märkte sind Deutschland, die USA und China. „Wir haben während der Corona-Krise auch einige chinesische Spitäler beliefert“, erzählt Brauner. Die europäische Marke Philips habe in China einen guten Namen.

In Wien gibt es nach wie vor eine kleine, hochautomatisierte Produktion von Geräten und Headsets mit rund 20 Mitarbeitern. Weil das Geschäft brummt, wird auch wieder investiert und neue Mitarbeiter, vor allem Software-Entwickler, eingestellt.

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