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Wirtschaft
12/05/2011

OMV: Weniger Sprit, mehr Gas

Die Ertragslage bei Tankstellen und Raffinerien ist schlecht. Die OMV stutzt diesen Bereich um die Hälfte.

Rund 5500 Öltanker durchfahren pro Jahr den Bosporus, jene Meerenge, die das Schwarze Meer und das Marmarameer verbindet. Am Ufer des Bosporus, in Istanbul, stellte Gerhard Roiss, der im April Wolfgang Ruttenstorfer als OMV-Chef abgelöst hat, seine neue Strategie für das Unternehmen vor: Ein Rahmen, der sich für einen Öl- und Gaskonzern mehr als andient - zumal die OMV erst vor wenigen Monaten die Mehrheit am führenden türkischen Tankstellenbetreiber Petrol Ofisi übernommen hat. "Die Türkei ist da, wo Wachstum ist", huldigte Roiss den neben Österreich und Rumänien, dritten Kernmarkt der OMV.

Hinsichtlich der künftigen Ausrichtung des Konzerns überraschte Roiss wenig. Der Fokus soll noch stärker auf die lukrative Suche und Förderung von Öl und insbesondere Gas gelegt werden. Bereits jetzt verdient die OMV in diesem Segment mit Abstand am meisten. Zwei Drittel der künftigen Konzern-Investitionen, die Roiss im Durchschnitt mit 2,4 Milliarden Euro pro Jahr bezifferte, sollen in diesen Bereich fließen (derzeit sind es 50 Prozent).

Auch die Nabucco-Pipeline, mit der Gas aus der Kaspischen Region nach Europa befördert werden soll, bleibt weiter ein Schlüsselprojekt für die OMV. "Sie wird gebaut", sagte Roiss mit Nachdruck. Einen genauen Zeitplan konnte und wollte der OMV-Chef nicht geben.

Eine Milliarde Deinvestments

Aufhorchen ließ Roiss'' Plan, das Tankstellen- und Raffineriegeschäft auf die Hälfte zu beschneiden. Bis 2014 sollen Vermögenswerte in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro verkauft werden. Hintergrund sind die seit Jahren rückläufigen Margen in diesen Bereichen.

Über die Details schwieg sich der OMV-Boss aus. Derzeit ist die OMV mit rund 4700 Tankstellen (410 in Österreich) in 13 Ländern Marktführer in Mittel- und Südosteuropa. "Es gibt keinen Tankstellen-Schließungsplan im Zuge der neuen Strategie", sagte Roiss. Dass immer wieder Standorte geschlossen werden können, stellte er aber freilich nicht in Abrede.
"Neue können aber auch dazu kommen." Ein Komplett-Rückzug aus unrentablen Ländern in Südosteuropa werde grundsätzlich geprüft. Auf der Liste weit oben dürften Bosnien, Serbien, Kroatien und Slowenien, aber auch Italien stehen. In Österreich will Roiss das Premiumsegment und die Diskontschiene (Avanti) forcieren. Die 140 Standorte ohne VIVA-Shop müssen wohl bangen.

Den größeren Brocken der Deinvestments wird aber der Verkauf von Raffinerien ausmachen. Schwechat, Burghausen (Deutschland) und Petrobrazi (Rumänien) werden laut Roiss nicht angetastet. Bleiben die 45-Prozent-Beteiligung an der Bayernoil und die bereits stillgelegte Raffinerie in Arpechim (Rumänien). Bei Letzterer gebe es bereits Interessenten, bestätigte Roiss.

Libyen: Ölgeschäft läuft langsam wieder an
Die OMV bekommt wieder Öl aus Libyen. Die Hafeninfrastruktur dürfte nicht komplett zerstört sein, denn ein Tanker, der Öl für die OMV reserviert habe, werde dieser Tage auslaufen, bestätigte OMV-Boss Gerhard Roiss. Noch sei es kein Öl aus Eigenproduktion, die liege nach wie vor brach. Allerdings habe die OMV nun damit begonnen, wieder Mitarbeiter zu den OMV-Produktionsstätten zurückzubringen.

Über das Ausmaß etwaiger Schäden habe man aber noch immer keine Kenntnis. Ob es deshalb ein halbes oder eineinhalb Jahre dauern werde, um die Ölförderung wieder auf 100 Prozent hochzufahren, sei zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation.
Im Jemen sei die Produktion laut Roiss wieder "On-Stream", aber noch nicht auf dem Niveau vor dem Ausbruch der Krise.

Durch die Unruhen in den beiden arabischen Ländern werde die OMV-Ölproduktion heuer auf unter 300.000 Barrel (zu je 159 Liter) sinken, konstatierte der Konzern-Chef.

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