OMV-Chef Gerhard Roiss will Gas-Vorstand Hans-Peter Floren entmachten.

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Wirtschaft von innen
09/13/2014

OMV lässt die Nerven flattern

Diskussionen im ÖIAG-Aufsichtsrat - Spitzt Kemler auf den Job von Konzernchef Roiss?

Ausgerechnet OMV-Boss Gerhard Roiss war nicht anwesend. Der Chef des heimischen Öl- und Gaskonzerns traf sich mit dem rumänischen Ministerpräsidenten Victor Ponta. So ein Termin lässt sich nicht verschieben. Also mussten die OMV-Vorstände gestern, Freitag, ohne ihren Vorsitzenden vor dem Aufsichtsrat der ÖIAG antreten. Die Staatsholding hält 31,5 Prozent am wichtigsten Energieversorger des Landes und ist mit dem Staatsfonds von Abu Dhabi (IPIC, 24,9 Prozent) syndiziert.

Die Aufsichtsräte der ÖIAG sind alarmiert. Bei der OMV, dem wichtigsten Dividendenbringer der Staatsholding, läuft einiges unrund. Das Betriebsergebnis brach im ersten Halbjahr um die Hälfte ein. Stimmt schon, 2013 war ein Rekordjahr. Doch die nicht vorhersehbare Marktentwicklung und die politischen Krisen setzen dem Konzern heftig zu. Sinkender Gaspreis, rückläufiger Gas-Absatz, praktisch Stillstand der Ölförderung im wichtigsten Herkunftsmarkt Libyen.

Die Aufsichtsräte der Staatsholding können für die OMV keine Beschlüsse treffen, wollen aber wissen, ob das Großunternehmen strategisch noch richtig auf Kurs ist. In der mehrstündigen Sitzung wurde dann auch heftig diskutiert. Der Aufsichtsrat der OMV hat heuer bereits McKinsey angeheuert, ein langfristiges Konzept zu erstellen. Die Berater präsentieren ihr Papier voraussichtlich bei der nächsten OMV-Aufsichtsratssitzung.

Als ob die OMV nicht schon genug Probleme hätte, wird hinter den Kulissen auch noch auf Teufel komm raus intrigiert. In Insiderkreisen hält sich hartnäckig das Gerücht, ÖIAG-VorstandRudolf Kemlerhabe es auf den Job von Roiss abgesehen. Als ÖIAG-Vorstand verdient Kemler im Jahr rund 500.000 Euro, Roiss ist mit 3,4 Millionen Euro in einer anderen Dimension.

Eigentümervertreter wunderten sich sehr, dass Kemler im Sommer in einem KURIER-Interview als Nachfolger von Roiss dessen Vorstandskollegen Jaap Huijskes ins Spiel brachte. Kemler ist in seiner Funktion als ÖIAG-Vorstand nämlich auch Aufsichtsratsvorsitzender der OMV. "Absolut unüblich, sich so zu äußern", heißt es. Umso erstaunlicher, dass Huijskes vor den ÖIAG-Aufsichtsräten nicht wie ein potenzieller neuer OMV-Boss auftrat. Die anderen Vorstände übrigens auch nicht.

Der Vertrag von Roiss ist mit Ende März 2017 befristet, die Entscheidung über seine Nachfolge muss 2016 getroffen werden. Kemler war für eine Stellungnahme nicht erreichbar, im ÖIAG-Aufsichtsrat wurde das Thema nicht angeschnitten.

Durchaus möglich, dass sich Kemler den OMV-Job tatsächlich zutraut. Damit dürfte er der Einzige sein. Womit sich das nächste Gerücht von selbst erledigt: ÖIAG-Aufsichtsratschef Siegfried Wolf habe Intentionen, Roiss durch Kemler zu ersetzen. Damit er leichter in die OMV hinein regieren könne. Wolf würde mit Sicherheit keinen schwachen Manager an die OMV-Spitze setzen, schon gar nicht in einer Situation wie dieser. Sitzungsteilnehmern fiel übrigens auf, dass das Verhältnis zwischen Kemler und Wolf nicht gerade herzlich war. Kemler wurde noch von Wolfs Vorgänger Peter Mitterbauer bestellt.

Wenig Freude haben die Kontrollore der Staatsholding mit dem Schlagabtausch zwischen Roiss und Gas-Vorstand Hans-Peter Floren. Roiss will Floren los werden und dessen Bereich "Gas und Power" (Gasvertrieb und Stromerzeugung) aufteilen. Mit der Begründung, dass dieser Bereich immer kleiner werde und keinen Vorstand benötige. Könnte aber auch andere Gründe haben. Floren bietet als einziger Vorstandskollege dem sehr selbstbewussten Roiss, der manchmal recht laut werden kann, die Stirn. "Ein Streit im Vorstand ist das Letzte, was die OMV jetzt braucht", drängen Aufsichtsräte auf eine Befriedung.

Beim Heurigen: Fluchtachterl für Aufsichtsräte

Die Stimmung war gelöst und harmonisch, auch die überraschend zurück getretene Brigitte Ederer war gekommen. Die ÖIAG hatte zur Verabschiedung ihres langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Mitterbauer zum Heurigen "Mayer am Pfarrplatz" geladen. Ein Achterl zum Abschied bekam auch die Auto-Industrielle Maria-Elisabeth Schaeffler, die schon im Frühjahr zurück trat. Sowie der Papier-Industrielle Wolfgang Pfarl und der Kfz-Zulieferer Alexander Riklin, deren Mandate im Juli ausliefen. ÖVP-Chef und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner stieß ebenfalls an, Finanzminister Hans Jörg Schelling blieb nur kurz. Er musste nach Mailand zum Ecofin.

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