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Energiepolitik
09/20/2019

OMV-Chef Seele: „Gaslieferungen nach Europa werden steigen“

Seit 60 Jahren ist Baumgarten ein wichtiges Zentrum für die Gasversorgung von Teilen der EU.

von Andreas Anzenberger

Das dumpfe Dröhnen der großen Transformatoren ist noch leise beim Festzelt am großen Parkplatz zu hören. So lange, bis die Blasmusikkapelle anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Erdgasstation Baumgarten im östlichen Marchfeld (NÖ) zu spielen beginnt. Der Strom der Trafos wird für die Verdichtung und Weiterleitung des aus Russland importierten Erdgases benötigt.

Das Gasverteilungszentrum Baumgarten garantieren den Weitertransport des Erdgases nach Österreich, Italien, Deutschland, Ungarn, Kroatien oder in die Slowakei.

80 Prozent Export

Nur etwa 20 Prozent der gesamten Kapazität von 40 Milliarden Kubikmeter pro Jahr bleiben in Österreich. Vor allem Italien importiert große Mengen über Baumgarten.

Das soll auch Zukunft so bleiben. Zwar gelten fossile Energieträger als dem Weltklima abträglich, aber die Umweltbilanz von Gas ist besser als die von Kohle. Länder wie Deutschland oder Polen betreiben nach wie vor Kohlekraftwerke.

Der Kohleausstieg in der EU werde dazu führen, dass „die Gaslieferungen nach Europa steigen werden“, ist OMV-Chef Rainer Seele überzeugt. Zumal die Eigenproduktion von Erdgas in Europa deutlich zurückgeht.

Es wird wohl nicht möglich sein, die Energieerzeugung nach dem Kohleausstieg allein über neuerbare Energieträger sicherzustellen. Eine moderne Gasinfrastruktur sei daher „unverzichtbar“, sind Daniele Gamba und Rudolf Starzer, Geschäftsführer der Trans Austria Gasleitung, überzeugt. Zumal Gas in Pipelines viel einfacher über weite Strecken transportiert werden könne als Strom in Hochspannungsleitungen.

Seele sieht auch beim Verkehr ein deutliches Wachstumspotenzial für Gas. Man habe sich bisher nicht sehr intensiv um den Verkauf von gasbetriebenen Autos gekümmert.

Grünes Gas

Natürlich war bei Jubiläum auch Green Gas ein Thema. Durch überschüssige Elektrizität aus Sonnen- und Windenergie wird mittels Elektrolyse Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff aufgespalten. Der Wasserstoff kann direkt verwendet werden, oder es wird Methan erzeugt. Allerdings sind die Kosten noch viel zu hoch für eine massentaugliche Umsetzung. Die stellvertretende Vorsitzende des Gazprom Management, Elena Burmistrova, macht sich daher keine Sorgen, dass wegen dem Grünen Gas Importe aus Russland nicht mehr notwendig sein könnten.

Generell scheint in Russland die Bedeutsamkeit der Gasstation Baumgarten höher eingeschätzt zu werden als hierzulande. Vor einigen Jahren gab es Anfragen, ob auch Direktflüge von Moskau nach Baumgarten möglich sind. Da die Gasstation für die Energieversorgung der EU wichtig sei, werde es ja wohl auch einen eigenen Flughafen geben.

1959 wurde die Gasstation Baumgarten zur Sammlung von Erdgas aus dem Feld Zwerndorf  im Marchfeld   errichtet.  Die ersten Gaslieferungen aus Russland kamen 1968. Sechs Jahre später wurde die Trans Austria Gasleitung  gebaut (TAG). Wegen des steigenden Gasbedarfs in Europa wurde die Gasverteilerstation   Baumgarten ebenso ausgebaut wie das Pipelinenetz. 1978 kam die Süd Ost Leitung dazu und  1980 die West Austria Gasleitung. Mittlerweile ist das österreichische Fernleitungsnetz etwa 2000 Kilometer lang. Beliefert werden unter anderen  sowohl Deutschland (Ost-West) als auch Italien (Nord-Süd). Es gibt umfangreiche Gasspeicher in Österreich und eine direkte Verbindung  zum slowakischen Erdgasspeicher LAB.