Wirtschaft
22.10.2018

OMV-Chef: Ölpreis steigt durch geopolitische Risiken und Sanktionen

Auch durch die angekündigten Sanktionen gegen den Iran sei es zu einem Förderrückgang gekommen.

Die Entwicklung des Ölpreises sei heuer vor allem von geopolitischen Risiken und die Sanktionspolitik getrieben gewesen und weniger durch die Entwicklung von Angebot, Nachfrage und Ölbeständen, sagt OMV-Chef Rainer Seele - und es spreche derzeit mehr für einen weiteren Preisanstieg als für eine Verbilligung, betonte der Konzernlenker am Montag im Wirtschaftsforum der Führungskräfte (WdF) in Wien.

"Es hat eine Politisierung des Geschäftes stattgefunden auf einem Niveau, wie wir es früher eigentlich nicht gesehen haben", sagte Seele in seinem Vortrag. "Insbesondere die Sanktionspolitik hat dazu geführt, dass die Angebotsseite sehr, sehr stark zurückgegangen ist." So hätten die Sanktionen gegen Venezuela zur Folge gehabt, dass die Produktion dort fast als Ausfall zu werten sei. Auch durch die angekündigten Sanktionen gegen den Iran sei es zu einem Förderrückgang gekommen und in den nächsten zwei Wochen werde sich zeigen, ob es durch die Sanktionen zu einer weiteren Verknappung des Angebots kommen werde. Zudem "bahnt sich ein Konflikt mit einem der größten Produzenten, Saudi-Arabien, an, der ein weiteres Absacken des Angebots zur Folge haben kann."

Kleines Korrektiv

Ein "kleines Korrektiv" dazu gebe es auf der Verbraucherseite, weil die Handelskonflikte dazu geführt hätten, dass auch die Wachstumsprognosen für die Weltwirtschaft zurückgenommen worden seien. Nach Ansicht von Analysten sei aber ein rascher Rückgang der Nachfrage nicht zu erwarten, sagte der OMV-Chef.

Seine Freude über einen hohen Ölpreis sei aber nur auf den ersten Blick ungetrübt, denn bei einem Ölpreis über 80 Dollar beobachte man erstmals auch eine Veränderung des Verbraucherverhaltens. Die Raffineriemargen seien bereits deutlich unter Druck gekommen, weil man die gestiegenen Rohölpreise nicht mehr an den Tankstellen weitergeben könne. "Wenn der Preis 1,50 Euro erreicht, dann wird man preissensitiv."

Strategisch will Seele die OMV künftig stärker als Chemiekonzern positionieren und nicht in erster Linie ein Energieproduzent sein - "weniger verbrennen, mehr veredeln", lautet das Motto. Geographisch sehe man in Asien das größte Wachstumspotenzial. "Als nächster strategischer Schritt werden wir uns nach Asien bewegen, wo wir sowohl in die Produktion einsteigen als auch in die Vermarktung unserer höher veredelten Produkte auf Basis von Öl und Gas."

Nord Stream 2 "gut unterwegs"

Künftig will die OMV viel stärker auf Gas setzen als auf Öl, weil die Eigenproduktion von Erdgas in Europa stark rückläufig sei und für die Produktion von Schiefergas der Zug in Europa schon abgefahren sei. Aus politischen Gründen habe man hier die technologische Lernkurve der USA nicht mitgemacht und könnte daher Schiefergas in Europa nicht so günstig fördern wie es in den USA der Fall sei. Man werde sich aber dagegen wehren, dass amerikanisches Schiefergas durch eine Sanktionspolitik als teures LNG auf den europäischen Markt komme "und letztendlich die Wettbewerbsfähigkeit des Investitionsstandorts Europa schwächt". Die Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 sei gut unterwegs, man habe schon über 100 km dieser Pipeline verlegt, berichtete Seele.

Den OMV-Aktionären stellte Seele "neben einer Weiterentwicklung des OMV-Geschäftes auch eine Weiterentwicklung der Dividendenpolitik" in Aussicht. "Wir stellen uns auf einen steigenden Aktienkurs ein, und wenn wir einen steigenden Aktienkurs haben, müssen wir auch die Dividende steigen lassen, damit die Dividendenrendite nicht beschädigt wird."