Wirtschaft
12.05.2017

Österreichs erster Börsianer? Das war eine Frau

Zutritt für Frauen verboten, Gründen erlaubt: Die Wiener Börse wurde 1771 per kaiserlichem Patent geschaffen.

Schon bizarr: Anfangs war Frauen der Zutritt zur Wiener Börse untersagt - dabei wurde diese von einer Frau gegründet. Es war nämlich Maria Theresia, die am 1. August 1771 das kaiserliche Patent erließ, das zur Einrichtung des Handelsplatzes führte. Schon damals war die Absicht, dem unkontrollierten Handel mit Wertpapieren Einhalt zu gebieten. Die Wiener Börse zählt damit zu den traditionsreichsten Börsen der Welt.

Gehandelt wurde immer schon. Die Idee des Wertpapierhandels kam allerdings im ausgehenden Mittelalter auf. Den Anspruch, die ältesten Wertpapierhandelsplätze zu beherbergen, erheben mehrere Städte. Als erste Börse gilt gemeinhin jene im belgischen Brügge, die 1409 als Geburtsdatum angibt - ein eigenes Börsengebäude gab es damals noch nicht. In Deutschland zählen die Börsen in Augsburg und Nürnberg (1540) zu den frühesten Börsen. Als erstes offizielles Börsengebäude der Welt gilt jenes, das 1613 in Amsterdam eröffnet wurde.

Mit dem einstigen Handel, der von Person zu Person passierte, hat das Geschäft heute nur noch wenig gemeinsam. Die Wiener Börse ist ein vollelektronischer Handelsplatz und führt - wie betont wird - mehr Wertpapieraufträge aus denn je in ihrer bald 250-jährigen Geschichte.

Der Zutritt zur Börse war übrigens anfangs Personen jeden Standes gestattet - außer Personen, die nicht als geschäftsfähig galten. Und das betraf damals Frauen, Schwachsinnige, Bankrotteure und andere Straffällige, wie Franz Baltzarek in seiner Geschichte der Wiener Börse schreibt. Am 13. Mai vor 300 Jahren wurde Maria Theresia geboren.