Wirtschaft 17.05.2018

Österreichischer Stevia-Pionier bäckt zuckerfreie Torten

© Bild: hanskrist

Wie der Unternehmer Franz Reisenberger um das Patent für den Zuckerersatz kämpfte und womit er bisher Geld verdiente.

Zucker-Ersatz. Schon die Ureinwohner Paraguays nutzten das Süßkraut Stevia. Doch sein Weg in die westliche Welt war dornig. Das aus der Pflanze gewonnenen Süßungsmittel ist in der EU noch nicht lange zugelassen. Weder passte der – leicht metallische – Geschmack, noch ließen sich die europäischen Behörden von der Ungefährlichkeit überzeugen.

Franz Reisenberger blieb hartnäckig und zählt zu den „Stevia“-Pionieren in Europa. Sein 33 Jahre altes Familienunternehmen „Reisenberger GmbH“ mit Sitz in Perchtoldsdorf (und Tochterfirmen in Tschechien, der Slowakei und Polen) hatte sich schon davor mit Zusatzstoffen für Tiernahrung einen Namen gemacht. „Es waren viele Produkte am Markt, die nicht gepasst haben“, sagt er rückblickend. In die Entwicklung eines Süßungsmittels aus Stevia, das tatsächlich wie Zucker schmecken, aber kalorienlos sein sollte, steckte er viel Geld, in die Registrierung auch einige Nerven. 2011 bekam er sie schlussendlich.

400-fache Süßkraft

Anbauen lässt sich die Pflanze hierzulande nur schwer, weil sie viel Wärme braucht. Dennoch investierte Reisenberger in ein Forschungsprojekt mit der Universität für Bodenkultur, um die Pflanze in Bioqualität produzieren zu können und experimentierte mit einer Partnerfirma an einer kristallinen Struktur, die sich 1:1 wie Zucker verwenden lässt. Steviolglykoside besitzen übrigens die 400-fache Süßkraft von Zucker.

Heute finden sich Reisenbergers Produkte mit dem Label „natusweet“ im Supermarktregal. Unter „natuworld“ bietet er außerdem individuelle Gesamtlösungen für die Lebensmittel- und Getränkeindustrie in der EU, Schweiz und Kanada an. Aber ohne die Finanzkraft aus seiner Tiernahrungsfirma hätte er das neue Produkt nicht stemmen können, gibt er im KURIER-Gespräch unumwunden zu. Mittlerweile hat sich der Umtriebige bei einem Patisserie-Unternehmen beteiligt und lässt handgemachte, zuckerfreie Torten backen. Sie sollen bald in einer Handelskette angeboten werden.

Damit nicht genug, entwickelt er mit dem burgenländischen Winzer Oppitz einen „österreichischen“ Champagner (natürlich mit Trauben aus der Champagne) namens 49°04‘ (die geografischen Koordinaten des Anbaugebiets). Wahrscheinlich die wesentlich „leichtere Übung“ als die Einführung eines Zuckerersatzstoffes.

( kurier.at ) Erstellt am 17.05.2018