Rubble-Master-Chef Gerald Hanisch

© Rubble Master

Wirtschaft
03/25/2019

Österreicher in Nordirland: „Schon ganz schwindlig vom Brexit“

Der Maschinenbauer Rubble Master übernahm ein Werk in Belfast und hat dort Großes vor. Das Brexit-Chaos bremst die Pläne.

von Anita Staudacher

Andere Firmen siedeln aus Brexit-Angst von der grünen Insel ab, ein Oberösterreicher ist gerade erst angekommen: Rubble Master, der Linzer Weltmarktführer für mobiles Bauschutt-Recycling („Compact Crushing“), übernahm im Vorjahr das Unternehmen Maximus mit Sitz in Belfast/Nordirland.

Der Hersteller von raupenmobilen Sieben mit 130 Mitarbeitern ergänzt das Produktportfolio perfekt. Rubble-Master-Chef Gerald Hanisch will das sanierungsbedürftige Unternehmen möglichst rasch wieder auf Vordermann bringen und plant dafür größere Investitionen. „Wir haben eine ganz klare Vision für den Standort, wollen hier investieren und stärker mit den Universitäten kooperieren“, erzählt Hanisch dem KURIER.

Das Chaos rund um den Austritt der Briten aus der EU macht vielen Plänen derzeit einen Strich durch die Rechnung – und strapaziert die Nerven. „Es ist wirklich unerträglich, was sich hier gerade abspielt. Wenn man die Tagespolitik mitverfolgt, wird einem ja ganz schwindlig“, schildert Hanisch die Stimmungslage in Belfast. „Das Nervigste ist, dass wir gar nicht wissen, worauf wir uns vorbereiten sollen.“

Unvorstellbare Grenze

Eine neue Grenze zwischen Irland und Nordirland könne sich hier niemand vorstellen, berichtet Hanisch: „ Ich habe in Belfast noch keinen getroffen, der den Brexit wirklich will. Alle wissen doch, wie schlimm es damals im Bürgerkrieg war.“ Sollte tatsächlich eine neue EU-Außengrenze entstehen, würden Arbeitsvisa oder Zölle zusätzliche Kosten und Mehraufwand verursachen.

Der Rubble-Master-Chef bleibt dennoch optimistisch und hofft, dass die EU und Großbritannien „allein aus Vernunft“ weiterhin wirtschaftlich eng verbunden bleiben. Großbritannien sei für Rubble Master insgesamt ein sehr wichtiger Markt mit treuen Kunden. Für die Sieb-Produktion selbst könnte es durch den Brexit und damit wohl niedrigeren Pfund-Kurs durchaus auch Standort-Vorteile geben. Ein Rückzug aus Nordirland ist für den Oberösterreicher jedenfalls kein Thema. „Ich habe großes Vertrauen in den Standort Belfast. Es gibt hier einen neuen Gründergeist. Da ist eine große Dynamik drin.“

Exportkaiser

Auch dank der Übernahme von Maximus konnte Rubble Master im Vorjahr den Umsatz um 38 Prozent auf 152 Mio. Euro steigern. Die Exportquote liegt bei 95 Prozent. Die Zahl der Mitarbeiter hat sich auf 331 verdoppelt. Die selbst entwickelten und hergestellten Brecheranlagen von Rubble Master werden über Vertragshändler in 110 Ländern verkauft oder vermietet. Sie kommen bei Gebäudeabrissen und Straßensanierungen ebenso zum Einsatz wie in der Natursteinindustrie. Dabei werden Bauschutt, Asphalt, Beton oder Ziegelreste in ein kubisches Wertkorn zerkleinert, das anschließend als Baustoff, Füllmaterial, ungebundene Tragschicht oder Tennisplatzbelag wiederverwendet wird.

Der internationale Durchbruch gelang Rubble Master vor Jahren als Bauschutt-Recycler auf der wohl bekanntesten Baustelle der Welt am Ground Zero in New York. Nordamerika ist heute ein wichtiger Markt mit eigener Niederlassung. Auch in China ist die Firma präsent.

Für heuer erwartet sich Hanisch erneut eine positive Entwicklung. Von Auftragsrückgängen sei noch nichts zu spüren, auch das Vermieten der Anlagen laufe ausgezeichnet. Der Umsatz soll um 22 Prozent auf 185 Mio. Euro zulegen.

Mitarbeiter gesucht

Für das Wachstum werden noch zusätzliche Mitarbeiter und Lehrlinge gesucht. „Die Personalsuche war noch nie so schwierig wie jetzt“, stöhnt Hanisch. Mit der „Dualen Akademie“ sollen auch AHS-Maturanten für eine (verkürzte und bezahlte) Lehrausbildung gewonnen werden.

Punkten will das Unternehmen heuer auch mit einer besonders energiesparenden Produktneuheit, einem vollintegrierten Hybridantrieb für Brecher samt Sieb. Der Brecher fungiert dabei mit seiner Steckdose als Stromquelle für das Sieb, der Generator des Brechers stellt die Stromversorgung sicher, ohne dass ein weiterer Dieselantrieb erforderlich ist. „Treibstoff, Lärm und Wartung können dadurch reduziert werden“, so Hanisch. Nicht zuletzt wegen strenger Umweltauflagen in vielen Ländern stehe Nachhaltigkeit ganz oben auf der Agenda.

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