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Wirtschaft
07/10/2019

Österreich will ausländische Fachkräfte ins Land holen

Die Betriebsansiedlungsgesellschaft ABA soll im Kampf gegen den Fachkräftemangel helfen.

Die Ansiedlungsagentur ABA will ab sofort auch Fachkräfte aus anderen EU-Staaten nach Österreich lotsen. Dafür wird das ABA-Budget von aktuell 4,3 Mio. Euro auf 7 Mio. Euro erhöht. Österreich könne den Fachkräfte-Bedarf "nicht alleine aus dem Inland decken, deshalb brauchen wir hier einen qualifizierten Zuzug", so Wirtschaftsministerin Elisabeth Udolf-Strobl am Mittwoch bei einer Pressekonferenz.

Die Austrian Business Agency (ABA) soll in Zukunft nicht nur für den Investitionsstandort, sondern auch für den Arbeitsmarkt Österreich werben. Die vormalige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) hatte im vergangenen Jahr die Reform der Ansiedlungsagentur hin zu einer Standortagentur angestoßen, die neue Wirtschaftsministerin Udolf-Strobl führt die Initiative fort. Angesichts des Fachkräftemangels in Österreich müsse man bei "den besten Fachkräften Europas punkten", so Udolf-Strobl.

Die ABA fokussiert sich in einer ersten Phase auf IT-, Metall-, Elektro-Fachkräfte aus Polen, Rumänien und Bulgarien. Später sollen auch Kroatien und Griechenland stärker in den Fokus rücken. Man werde in den nächsten Monaten auf polnischen Jobmessen um Technikabsolventen werben und einen Hackathon in Bukarest veranstalten, kündigte ABA-Geschäftsführer Rene Siegl bei der Präsentation des neuen Schwerpunkts "Work in Austria" an.

Die Wirtschaftsministerin erwartet keine Verdrängung von heimischen Arbeitskräften durch ausländische Beschäftigte, weil der Fachkräftemangel in Österreich bereits relativ hoch sei. Aktuell mangelt es in Österreich an 162.000 Fachkräften, meldete zuletzt die Wirtschaftskammer. Mehr als die Hälfte der neu ausgeschriebenen Fachkräfte-Stellen könnte laut WKÖ nicht innerhalb von sechs Monaten besetzt werden. Weiters haben 83 Prozent der österreichischen Mittelstandsunternehmen Schwierigkeiten Fachkräfte zu finden, für 40 Prozent davon ergeben sich daraus Umsatzeinbußen, wie aus eine Untersuchung des Unternehmensberaters Ernest & Young hervorgeht. Derzeit stammen die meisten ausländischen Fachkräfte in Österreich aus Deutschland, gefolgt von Serbien, der Türkei und Rumänien.