Hypo kostet "null bis vier Milliarden"
In der Affäre um die Hypo Alpe Adria kam es Dienstagabend zu höchst widersprüchlichen Vorfällen.
Der Chef der notverstaatlichten Pleitebank, Alexander Picker, sprach im ORF-Report davon, dass es "null bis maximal vier Milliarden" Verlust geben werde (siehe unten).
Gleichzeitig mit dieser Beruhigungsmeldung schaltete die Ratingagentur Moody’s auf Alarm und stufte die Bonität von staatlich garantierten Anleihen um zwei Stufen mit negativem Ausblick herab. Davon betroffen sind die von den Ländern Tirol, Vorarlberg und Wien garantierten Anleihen für deren Landes-Hypos bzw. die Bank Austria. Die genannten Bundesländer und die Banken selbst sind von der Herabstufung nicht betroffen.
Herabgestuft wurde außerdem die Pfandbriefstelle des Hypothekenverbandes.
Der Report berichtete weiters, dass die Kärntner FPÖ-Politiker, Ex-Landeshauptmann Gerhard Dörfler und Ex-Landesfinanzreferent Harald Dobernig, der Bayrischen Landesbank eine Aufstockung der Landesgarantien für Hypo-Anleihen angeboten haben, nachdem die Hypo bereits an die Bayern verkauft war.
Die exorbitanten Kärntner Landesgarantien waren der Grund für die Notverstaatlichung der Hypo 2009, sie überstiegen das Zehnfache des Landesbudgets. Sie sind auch der Grund, warum es riskant ist, die Hypo jetzt in den Konkurs zu schicken, weil – siehe Moody’s – eine Ansteckungsgefahr für andere Banken und Bundesländer besteht.
Die politische Debatte drehte sich gestern erneut um die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Die Opposition fordert die Aufklärung der Affäre. "Wenn sich die Regierung weiter keinen Millimeter bewegt, kann ich mir auch vorstellen, wöchentlich eine Sondersitzung einzuberufen", sagte Grünen-Finanzsprecher Werner Kogler. Die ÖVP blockt einen U-Ausschuss ab, Sozialminister Rudolf Hundstorfer deponiert hingegen kein kategorisches Nein: "Darüber reden wir im Herbst weiter."
Im ORF-Report sagte Alexander Picker, seit Anfang Jänner amtierender Vorstandschef der staatlichen Problembank Hypo Alpe Adria, dass die Bank noch "null bis maximal vier Milliarden" kosten würde. Wobei: Vier Milliarden seien "noch hochgegriffen". Man habe ja schon "über die letzten Jahre" diese Summe (der faulen Kredite) reduziert - und: "Wir wollen das weiter reduzieren, um aus dieser Misere rauszukommen."
Auf die Frage, ob also null bis vier Mrd. Euro "stehen bleiben" könnte, meinte Picker: "Im besten Fall: Nichts mehr. Im schlimmsten Fall würde ich einmal sagen, die Range ist von null bis vier, aber wie gesagt: Seriös lässt sich das nicht sagen."
Im Detail
Die Hypo hatte in ihren Büchern 13,5 Mrd. Euro an Krediten, davon 5 Mrd., bei deren Bedienung es keine größeren Probleme gibt und 8,5 Mrd. "faule Kredite". Von letzteren wurden bisher schon 3,5 Mrd. Euro abgeschrieben, womit die gesamte Kreditbelastung nun 10 Mrd. Euro beträgt, je zur Hälfte faule und "gute" Außenstände, heißt es aus der Bank.
Dem stehen Sicherheiten von unter 9,3 Mrd. Euro nach dem Marktwert berechnet gegenüber. Etwa 800 Mio. Euro an Krediten sind also nicht abgesichert. Wenn man die Hälfte der Sicherheiten den faulen Krediten zuschreibt und dann davon ausgeht, dass sie nur zur Hälfte des von der Hypo erhobenen Marktwertes versilbert werden können, dann würde eine weitere Lücke von gut 2 Mrd. Euro entstehen. Dazu hat die Hypo noch einen Zusatzpuffer von 1 Mrd. Euro angenommen - etwa für den Fall, dass die Balkan-Töchter nicht zum Buchwert verkauft werden können.
So kommt die Bank zu maximalen Kosten für die Republik von vier Mrd. Euro - wenn alle faulen Kredite ausfallen und die Sicherheiten dafür nur halb so viel Wert sind wie angenommen und weitere Abschreibungen beim Verkauf der Tochter des aktiven Teils der Bank fällig werden. Auf dieser Basis spricht Hypo-Chef Alexander Picker von jetzt noch auf die Steuerzahler zukommenden Kosten von "null bis vier" Mrd. Euro.
Davon unabhängig sind allerdings bereits 3,5 Mrd. Euro an Krediten abgeschrieben und verloren. Der Staat hat bereits 3,6 Mrd. Euro an Kapital in das Institut eingeschossen und 1,2 Mrd. Euro an Garantien übernommen (ein anderes Kapitel sind die Garantien des Landes Kärnten für die Anleihen der Bank). Die EU-Kommission erlaubt der Republik weitere 3,6 Mrd. Euro an Kapitalhilfen (Cash) und 3,3 Mrd. Euro Liquiditätshilfen. Damit sieht die Bank ihren Bedarf gut abgedeckt.
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