Wirtschaft
09.06.2018

ÖBB-Weichenstellungen: Management wird blau umgefärbt

Generalumbau im Management der Staatsbahn ist angelaufen. Starke Dominanz der FPÖ

Der Abgang kommt selbst für Insider überraschend. Josef Halbmayr, Finanzvorstand der ÖBB-Holding, verabschiedet sich vorzeitig mit Jahresende 2018. Er wird die Staatsbahn noch bei der Bilanzerstellung bis zum Frühjahr 2019 unterstützen, aber nicht mehr als Vorstand. Der abrupte Rückzug des ÖVP-nahen Managers hat ausschließlich private Gründe und kommt zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

In Österreichs größtem Unternehmen läuft gerade der ganz große Umbau an. Etliche Vorstandsposten in den Tochter-Konzernen laufen aus, bis Anfang 2019 sollen alle Managementstrukturen neu aufgestellt sein. Gerade jetzt tut sich auf oberster Ebene, in der Holding, die das mehr als 40.000 Mitarbeiter große Unternehmen steuert, diese nicht einkalkulierte Lücke auf.

Glück für die FPÖ, dass die Blauen einen Manager in Reserve haben, dessen Bahn-Expertise selbst SPÖ-Chef Christian Kern anerkannte. Und den der blaue Verkehrsminister Norbert Hofer gleich nach Amtsantritt an die Spitze des ÖBB-Aufsichtsrates hievte. Arnold Schiefer, ehemaliger Bahn-Manager und derzeit noch Vorstand der Hypo-Abbaubank Heta, gilt als der logische Kandidat für die Halbmayr-Nachfolge. Offiziell ausgeschrieben wird im August, der Job ist mit rund einer halben Million Euro Jahressalär dotiert.

Ursprünglich sollte Schiefers Heta-Mandat, das heuer ausläuft, noch um ein Jahr verlängert werden. Das hat sich hiermit erledigt. Hofer hat noch nicht entschieden, hört man aus dem Ministerium, aber mit der Bestellung von Schiefer dürfe fix gerechnet werden.

Schiefer wurde auch als Kandidat für den neuen Verbund-Vorstand gehandelt, hat sich aber, wie man dort hört, nicht beworben. In einem zur AG umgebauten ORF hätte Schiefer wie berichtet der Finanzvorstand interessiert, doch die Reform des Staatsrundfunks lässt noch länger auf sich warten.

Schiefer ist Mitglied der schlagenden, als rechtsextrem eingestuften Burschenschaft Teutonia. Doch Kenner des kernigen Oberösterreichers versichern, dass er sich absolut glaubwürdig von Rechtsextremismus distanziert.

Fragt sich, ob sich Schiefer auf Dauer neben dem SPÖ-nahen Bahn-Boss Andreas Matthä mit der Rolle der Nummer zwei zufrieden gibt. Schiefer und Matthä haben bereits in der ÖBB-Infrastruktur AG gut zusammengearbeitet. Wäre möglich, dass der uneitle Matthä, dem allseits gute Arbeit attestiert wird, nach Auslaufen seines Vorstandsvertrages zur Jahresmitte 2021 wieder an die Spitze der Infrastruktur-Tochter zurück geht. Doch das ist Zukunftsmusik.

Jetzt gilt es zu klären, wer Schiefer als Chef des Aufsichtsrates beerbt. Wieder könnte die FPÖ zum Zug kommen. Der Wettbewerbsexperte und ehemalige blaue Politiker Norbert Gugerbauer trat Ende März nach nur einer Sitzung als ÖBB-Aufsichtsrat zurück. Ebenfalls aus privaten Gründen. Für ihn ist der ehemalige FPÖ-Nationalrat Gilbert Trattner im Aufsichtsrat. Der 68-Jährige kennt die Bahn von diversen Management-Stationen, zuletzt bei der Infrastruktur AG.

Die ÖVP ginge bei diesen Rochaden auf der obersten Ebene leer aus. Eigentlich haben sich Türkis und Blau die Verantwortung für die Staatsunternehmen aufgeteilt – ÖBB und Asfinag zur FPÖ, die ÖBIB zur ÖVP. Doch so gar kein Posten für die Wahlgewinner? Eine Aufstockung des Holding-Vorstandes auf drei Mitglieder schließen Insider aus. Man darf gespannt sein, ob die ÖVP stattdessen Jobs in den Teilkonzernen für sich reklamiert.

Oberste Priorität für die Zukunft der Bahn hat die Personenverkehr AG. Die Verträge der Vorstandsdirektorinnen Valerie Hackl (ehemalige Kern-Assistentin) und Evelyn Palla enden im Spätherbst. Bis Ende nächster Woche soll der neue Vorstand stehen. Die Hearings mit den rund 30 Bewerbern laufen auch am Wochenende. Mit dabei ist Headhunter Walter Becvar (Odgers Berndtson), der zusätzlich in Deutschland sondiert.

An der Gerüchtebörse wird seit Längerem der ehemalige AUA-Vorstand und Lufthansa-Manager Karsten Benz gehandelt. Mit ihm habe niemand gesprochen, er habe sich nicht beworben, sagt Benz. Sollte er noch gefragt werden, „schaue ich mir das gerne an“.

Wie zu hören ist, hat sich die ehemalige OMV-Kommunikationschefin und Nachhaltigkeits-Managerin Michaela Huber beworben. Insider meinen jedoch, für Huber käme eher ein Vorstandsjob beim Postbus in Frage. Ob Hackl wieder bestellt wird, ist äußerst fraglich.

Vermutlich wird es ein Team aus etablierten und neuen Vorständen. Joker im Spiel könnte der dritte Vorstand sein, der Vertrag von Siegfried Stumpf läuft noch nicht aus.

Der Personenverkehr muss wettbewerbsfit gemacht werden, um in der Liberalisierung in fünf bis sieben Jahren (EU-Eisenbahnpaket) gegen internationale Konkurrenz bestehen zu können. Dann ist es vorbei mit den komfortablen Strecken-Bestellungen von Bund und Ländern. Die Staatsbahnen von Deutschland, Italien und Tschechien haben für die Liberalisierung bereits kostengünstige Tochtergesellschaften gegründet.

Verlieren die ÖBB den Personenverkehr an ausländische Konkurrenten, löst sich die Bahn als Gesamtkonzern auf. Dann bräuchte man nur noch die Rail Cargo, der Güterverkehr steht schon voll im Wettbewerb. Plus die für den Bahnausbau und -betrieb zuständige Infrastruktur AG.

Deren Vorstand Franz Seiser (SPÖ-nahe) geht voraussichtlich nächstes Jahr in die Eisenbahner-Pension. Als Favorit für seine Nachfolge wird Johann Pluy gehandelt, derzeit Chef der Dienstleistungsgesellschaft ÖBB Business Competence Center. Seinen Job wiederum könnte Noch-Personenverkehr-Managerin Palla bekommen.

Auch noch ausgeschrieben wird das Management der Produktion. Die 5500 Mitarbeiter große Tochter ist für die Zugvorbereitung zuständig (Loks und Werkstätten).andrea.hodoschek