Wirtschaft
23.05.2018

Nur mehr Bio-Landwirtschaft in Österreich

Laut einer neuen Studie sind 100 Prozent bioloische Ladnwirtschaft möglich. Doch die Rahmenbedingungen sind unrealistisch.

Das Forschungsinstitut für biologischen Landbau und das Zentrum für Globalen Wandel und Nachhaltigkeit haben eine Studie vorgestellt, nach der „100 Prozent Biolandbau in Österreich“ möglich ist. Für den Landwirtschaftssprecher von Greenpeace, Sebastian Theissing-Matei, ist die Studie eine Anleitung: „Die Politik muss es möglich machen.“

Wie wurde in der Studie gerechnet?

Es wurde der Kalorienverbrauch der Bevölkerung ermittelt und mit dem Nährwert der Nahrungsmittel gegengerechnet.

Ist das eine sinnvolle Methode?

Es ist die übliche Methode für solche Studien. Es gibt allerdings Probleme. Die Flächen werden für den Anbau von bestimmten Feldfrüchten verwendet, weil sie dort besonders gut gedeihen. Andere Flächen eignen sich besser für die Weidewirtschaft. Wenn man die Flächennutzung ändert, kann das zu deutlichen Einkommensverlusten für die Bauern führen.

Warum wird Getreide an Tiere verfüttert?

Etwa 22 Prozent des Getreides, das in Österreich verarbeitet wird, dient der Produktion von Mehl. Das ist die beste Qualität. Ein ähnlicher Anteil wird an Tiere verfüttert und aus dem Rest wird Stärke erzeugt. Das sind schlechte Qualitäten, die sich wegen des geringen Eiweißgehaltes nicht für die Lebensmittelproduktion eignen.

Sind die Erträge in der Biolandwirtschaft geringer?

Man ging davon aus, dass Biolandbau um rund 20 Prozent geringere Erträge bringt. Für die aktuelle Studie wurden ein um durchschnittlich 34 Prozent geringerer Ertrag angenommen. Der Biobauer und Leiter der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft, Thomas Resl, hat Daten für Österreich gesammelt. Bei Biogetreide war die Erntemenge im Schnitt um 35 Prozent geringer und bei Kartoffeln um 49 Prozent.

Wenn weniger Lebensmittel erzeugt werden, wie kann Versorgungssicherheit sichergestellt werden?

Laut Studie entweder durch eine Verringerung des Fleischkonsums oder durch die Verringerung der Verschwendung von Lebensmitteln.

Ist das realistisch?

Nein. Der Fleischkonsum sinkt in Europa nur leicht. Weltweit wird laut mehreren Prognosen mit einer deutlichen Zunahme des Fleischverbrauchs gerechnet. Es werden im Lebensmitteleinzelhandel immer mehr Produkte wie frische Salate oder Sandwiches angeboten. Was nicht verkauft werden kann, wird weggeworfen oder für soziale Zwecke verwendet. Da sind größere Einsparungen nicht realistisch.

Sind Bioprodukte teurer?

Ja. Ein Kilo Biozucker kostet etwa das Dreifache von konventionellem Zucker. Bio-Rübenbauern bekommen eine um bis zu 85 Prozent höhere Flächenprämie. 100 Prozent Bio würde bedeuten, dass die Lebensmittelpreise deutlich steigen und deutlich höhere Subventionen für die Landwirtschaft notwendig wären.