Neuer Siemens-Chef setzt auf Software als Wachstumstreiber

Siemens Annual Shareholders Meeting in Munich
Neuer Siemens-Chef Busch schraubt das Umsatzziel nach oben und schließt größere Übernahmen nicht aus.

Der neue Siemens-Chef Roland Busch will mit einer stärkeren Ausrichtung auf Software-Technologien das Wachstum des deutschen Konzerns beschleunigen. Der Umsatz soll vom kommenden Geschäftsjahr 2021/22 (Ende September) an jährlich um fünf bis sieben Prozent zulegen, wie Siemens auf einem Investorentag am Donnerstag ankündigte. Bisher hatte sich der Technologiekonzern vier bis fünf Prozent vorgenommen.

"Unsere Wachstumsmotoren sind Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit", erklärte Busch. "Dabei verstärken sich unser Kerngeschäft und unser Digitalgeschäft gegenseitig." Letzteres macht mit 5,3 Milliarden Euro knapp ein Zehntel des Konzernumsatzes aus, soll aber bis 2025 um jährlich zehn Prozent wachsen.

Der Konzerngewinn soll dabei stärker zulegen als der Umsatz. Siemens hat sich ein Wachstum des Ergebnisses je Aktie "im hohen einstelligen Prozentbereich" - um acht bis knapp zehn Prozent - vorgenommen. Abschreibungen auf die Kaufpreise für Übernahmen (PPA) sind dabei ausgeklammert. Eine Kapitalrendite von 15 bis 20 Prozent bleibt das Ziel - erreicht hatte Siemens sie in den vergangenen Jahren nie.

Die neue Strategie ist die erste nach der Abspaltung des Energietechnik-Geschäfts Siemens Energy und die erste, die die Handschrift des vorherigen Technologiechefs Busch trägt. Er hatte im Februar den Posten des langjährigen Siemens-Chefs Joe Kaeser übernommen und sieht die Verbindung von Maschinen und Anlagen mit Software - also der realen und der digitalen Welt - als größte Stärke von Siemens. Dabei verspricht Software deutlich höhere Renditen.

Akquisitionen nicht ausgeschlossen

Ergänzende Zukäufe sind neben Eigenentwicklungen Teil der Strategie, mit der Busch angrenzende Märkte erschließen will. Auch große Übernahmen - wie zuletzt der 14 Milliarden Euro teure Kauf des US-Krebstherapie-Spezialisten Varian durch die Tochter Siemens Healthineers - schließt der 56-Jährige nicht aus. Das Kreditrating dürfe dabei aber nicht gefährdet werden, betonte Finanzchef Ralf Thomas. Für das laufende Geschäftsjahr bleibt Siemens beim Ziel eines Nettogewinns von 5,7 bis 6,2 Milliarden Euro. Die Belastungen durch die Varian-Übernahme, die bisher nicht in die Prognose einkalkuliert waren, könne Siemens ohne Weiteres wegstecken, hieß es. "Im laufenden Quartal setzt sich die günstige Geschäftsentwicklung fort."

Thomas und Busch versprachen den Aktionären künftig eine jährlich steigende, zumindest aber stabile Dividende, nachdem sie im Coronajahr 2019/20 zum ersten Mal seit Jahrzehnten gesenkt worden war. Bei Aktienrückkäufen drückt Thomas dagegen auf die Bremse: Er will dafür bis 2026 insgesamt drei Milliarden Euro ausgeben, halb so viel wie in den vergangenen fünf Jahren.

Die Automatisierungssparte Digital Industries (DI) soll mit einer operativen Marge von 17 bis 23 Prozent das Aushängeschild bleiben, obwohl Busch ab 2022 das Geschäftsmodell umbauen will: Statt Lizenzen zu erwerben und Software zu installieren, sollen die Kunden diese über die Cloud nutzen ("Software as a Service", SaaS) können. Das könne vor allem das Geschäft mit dem Mittelstand treiben, hofft Busch. Für die anderen Kern-Sparten hebt Siemens die Ziele leicht an: Von der Gebäudetechnik-Sparte Smart Infrastructure (SI) erwartet Siemens nun eine operative Rendite von 11 bis 16 (bisher 10 bis 15) Prozent, im Geschäft mit Verkehrstechnik und Zügen (Mobility) 10 bis 13 (bisher 9 bis 12) Prozent.

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