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Wirtschaft
07/26/2021

Negativrekord: Rieger-Bank-Pleite nach 23 Jahren abgeschlossen

Insolvenz. Masseverwalter Dallinger: „Die Geschichte scheint sich zu wiederholen“

von Michael Bachner

Ein letztes Mal macht die Riegerbank also Schlagzeilen: Stolze 23 Jahre nach ihrer Pleite wurde jetzt das Konkursverfahren abgeschlossen.
 Die Riegerbank war in den 1990er-Jahren vor der Euro-Einführung auf das Geldwechseln spezialisiert. Hätten dann nicht irgendwann Hunderte Millionen gefehlt – damals freilich noch Schilling.

90 Prozent sind weg

Nach zwei Ausschüttungen 2000 und 2002 sehen die 1316 Gläubiger der Bank also jetzt endlich ihr Geld. Bei der Pleite ging es um 1,2 Milliarden Schilling, heute in etwa 88 Millionen Euro.
Die Quote von 9,4 Prozent, die Masseverwalter Klemens Dallinger nach langwierigen Prozessen bis zum Höchstgericht für sie erstritten hat, ist für den KSV durchaus „passabel“. Insolvenzexperte Christoph Vavrik sagte zum KURIER: „Wir sind  froh, dass dieses Kapitel endlich erledigt ist.“

Das ist auch Masseverwalter Dallinger und er lässt zwei Jahrzehnte Riegerbank im Schnelldurchlauf Revue passieren. Er klagte den damaligen Wirtschaftsprüfer mit Erfolg, er prozessierte erfolgreich gegen den seinerzeitigen Aufsichtsratspräsident. Er führte in der Anfangszeit –  bis zum Verkauf der Wechselstuben an die Deutsche Reisebank Ende 2001 – sogar selbst das Bankgeschäft. „Das war sicherlich die anstrengendste Zeit.“

Und Dallinger sieht auch Parallelen zur Gegenwart und der spektakulären Pleite der burgenländischen Commerzialbank Mattersburg.

Ein Wirtschaftskrimi

Nicht nur war Riegerbank-Gründer Wolfgang Rieger neben dem Bankgeschäft Präsident des Linzer LASK, so wie Commerzialbank-Boss Martin Pucher Präsident beim SV Mattersburg. Auch dreht sich die eine wie die andere Geschichte um offensichtlich gefälschte Bilanzen und viele verschwundene Millionen.

Mit Prüfungsversagen 

Dallinger sagt zum KURIER: „Die Geschichte scheint sich zu wiederholen. Schon wieder wurden die Bilanzen von den Prüfern nicht genau genug angesehen. Bei der Riegerbank sind die Bilanzen von der Wirklichkeit damals extrem stark abgewichen. Das war so weit auseinander, das war abenteuerlich.“

Als das Kartenhaus in sich zusammenfiel, flüchtete Wolfgang Rieger mit ein paar Millionen nach Südfrankreich, stellte sich aber drei Wochen später und wurde zu 8,5 Jahren verdonnert. Vorzeitig entlassen, brachte er das Verfahren gegen seinen früheren Aufsichtsratschef mit auf den Weg.

Durchschnittlich dauern Bank-Insolvenzen in Österreich 15 Jahre. Der Riegerbank auf den Fersen war die  ebenfalls 1998 in die Pleite geschlitterte Diskontbank. Ihr Verfahren war nach immerhin „schon“ 19 Jahren abgeschlossen.

Vor Monsterprozessen

Angesichts solcher Zeitspannen bei deutlich kleineren Konkursen, will man sich gar nicht ausmalen, wie lange die Prozesse rund um die Commerzialbank dauern werden. In Mattersburg wurden Passiva in Höhe von 623 Millionen Euro festgestellt.

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