Wirtschaft
27.03.2018

Nationalbank macht mehr Gewinn: Bund bekommt 246 Millionen Euro

Die Oesterreichische Nationalbank machte im vergangenen Jahr um sieben Prozent mehr Gewinn als 2016.

Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) hat im Vorjahr ihr geschäftliches Ergebnis um 7 Prozent auf 286 (2016: 268) Mio. Euro verbessert. An den Bund werden vom Gewinn inklusive Körperschaftsteuer 246 (230) Mio. Euro ausgeschüttet. Aufgrund der Anleihenkäufe hat sich die Bilanzsumme um 17 Prozent auf 143,7 (122,6) Mrd. Euro ausgeweitet.

Die Nationalbank habe in einem verbesserten wirtschaftlichen Umfeld trotz niedriger Zinsen ein gutes Ergebnis erzielt, sagte OeNB-Präsident Claus Raidl nach der Generalversammlung am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Die Haupteinnahmequelle, das Nettozinsergebnis, stieg leicht von 650 auf 664 Mio. Euro. Der Gehaltsaufwand blieb im Vergleich mit dem Vorjahr mit 121 Mio. Euro unverändert, die Sachaufwendungen gingen von 84 auf 81 Mio. Euro zurück. Die Risikovorsorgen und Mittel zur Verlustabdeckung wurden von 7,3 auf 7,6 Mio. Euro aufgestockt. In den letzten zehn Jahren habe die Nationalbank 2,9 Mrd. Euro an den Bund überwiesen, betonte Raidl.

Gute Zeiten

"Wir sind jetzt in guten Zeiten", so OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny. Es sei wichtig, diese guten Zeiten zu nutzen, etwa zur Stärkung der Stabilität der Banken und Unternehmen, zur Eigenkapitalstärkung und zur Stärkung der Stabilität in den öffentlichen Haushalten. Das Ziel eines Null-Defizites sei aber nicht das einzige Budgetziel, so Nowotny, auch soziale Ziele seien wichtig, wie etwa die Ausbildung oder das Gesundheitswesen. Auch den Schwächeren müsste der Aufschwung zugute kommen und speziell für Integration seien gute Schulen wichtig. "Es geht nicht um einen Saldo, sondern um Strukturen", so der OeNB-Gouverneur.

PK ÖSTERREICHISCHE NATIONALBANK (OENB): RAIDL  /NOWOTNY / ITTNER

Nowonty sprach sich gegen ein abruptes Ende der geldpolitischen Maßnahmen der EZB aus, deren Erfolg es war, dass es nach der Krise zu keiner Deflation gekommen ist. Tendenziell sollte es in Richtung Reduktion der Expansion gehen. Erste Schritte seien mit der Halbierung des Ankaufsvolumens von Staatsanleihen schon gesetzt worden. Dieses Programm laufe noch bis Ende September. "Wir werden im Sommer zu entscheiden haben, wie es weitergeht. Es dürfte dann schon die Möglichkeit geben, das Programm deutlich in Richtung Beendigung des Programmes zu reduzieren."

Die OeNB hat im Rahmen der expansiven geldpolitischen Maßnahme des Eurosystems 53 Mrd. Euro an Staatspapieren aufgekauft, im gesamten Eurosystem sind es 2.366 Mrd. Euro. Insgesamt wurden 20 Prozent der ausstehenden österreichischen Staatspapiere aufgekauft.

"Wir stehen zum Bargeld"

Die Euroländer hätten die Finanzkrise gut überstanden, zehn Jahre nach dem Ausbruch der Krise hätten mit Ausnahme von Italien und Griechenland alle Euroländer mit ihrer Wirtschaftsleistung (BIP) das Vorkrisenniveau aus dem Jahr 2007 wieder überschritten. Die Geldpolitik habe gewirkt, das Kreditwachstum für Unternehmen beschleunige sich. Die österreichischen Banken hätten vom günstigen Umfeld und den Anpassungen ihrer Geschäftsmodelle profitiert. Die Größe des Bankensektors im Verhältnis zum BIP sei auf ein akzeptables Niveau gesunken. Der Anteil der notleidenden Kredite sei auf 3,8 Prozent gesunken. Weitere Schritte seien aber noch notwendig.

Die Rückführung der Goldbestände will die Nationalbank bereits in diesem Jahr abschließen. Dann sollen 50 Prozent der 280 Tonnen in Österreich, 30 Prozent in London und 20 Prozent in Zürich lagern.

"Wir stehen zum Bargeld", betonte Nowotny. In Österreich sei Bargeld weiterhin das beliebteste Zahlungsmittel am Point of Sale. 85 Prozent der Transaktionen werden bar abgewickelt.

Nur noch bis 20. April können die letzten vor der Euro-Einführung ausgelaufenen Schilling-Banknoten umgetauscht werden, nämlich der Otto Wagner-500er und der Schrödinger-1.000er. Von der 500er-Note befinden sich noch fast 660.000 Stück im Wert von 24,0 Mio. Euro im Umlauf, vom 1.000er sogar 1,16 Mio. Stück im Wert von 84,5 Mio. Euro. Das sind insgesamt 108,5 Mio. Euro.

Zu der noch immer nicht abgeschlossenen Diskussion um eine mögliche Zusammenführung von FMA und OeNB meinte Nowotny, die OeNB sei bereit, Verantwortung zu übernehmen. In der entstehenden europäischen Bankenaufsicht sei "eine gewisse Rationalisierung sicher sinnvoll".