Eingang der Monte dei Paschi di Siena in der toskanischen Stadt Siena

© REUTERS/STEFANO RELLANDINI

Bankensektor
12/22/2016

Ältestes Bankhaus der Welt in argen Nöten

Monte dei Paschi di Siena braucht einen Geldgeber zwecks Kapitalerhöhung. Gelingt dies nicht, muss wohl der Staat einspringen.

Sie gilt als das älteste noch operierende Geldhaus der Welt, gegründet 1472. Das Bankhaus Monte dei Paschi di Siena. Nun läuft der Bank auf der Suche nach frischem Kapital die Zeit davon. Das Traditionshaus erklärte am späten Mittwochabend in Siena, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der laufenden Kapitalerhöhung schultert. Damit wird immer wahrscheinlicher, dass der Staat rettend eingreifen muss.

Der Chef des Konkurrenten Unicredit, Jean-Pierre Mustier, rechnet indes mit einem guten Ende. Die Krise hänge auch damit zusammen, dass die Regierung den Instituten anders als in Spanien und in Portugal nicht unter die Arme gegriffen habe. „Aber ich bin extrem zuversichtlich, dass es eine Lösung für Italiens Banken gibt“, sagte Mustier dem „Handelsblatt“ (Donnerstag). Mustier, der seiner Bank erst vor kurzem eine Rosskur verordnet hatte, nannte keine weiteren Details, geht aber von einer „konstruktiven Lösung im besten Sinne der gesamten Bankbranche“ aus.

Faule Kredite

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestoßen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Ein Umtausch von Anleihen in Aktien steuert nach Angaben von Monte dei Paschi 2,06 Milliarden Euro an Kapital zu dem Rettungspaket bei. Zudem werden neue Aktien an Investoren verkauft. Diese Kapitalerhöhung sollte an diesem Donnerstag enden. Experten rechnen nicht damit, dass Monte dei Paschi die nötige Summe zusammenbekommt.

Am Mittwoch hatte die Bank erklärt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es in einer Kapitalmarkt-Mitteilung. Bislang hatte das schwer angeschlagene Geldhaus aus Siena angegeben, dass das Geld noch für elf Monate ausreiche. Zum Stichtag 16. Dezember hatte Monte dei Paschi 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Kursverluste

Am Mittwoch war die Aktie der Bank um zwölf Prozent abgesackt. Im gesamten Jahr ist das Papier damit 87 Prozent abgestürzt - die Bank ist damit an der Börse keine halbe Milliarde Euro mehr wert. Nach einem neuerlichen Kurseinbruch von fast sieben Prozent wurde der Handel mit den MPS-Aktien am Donnerstag abermals ausgesetzt.

Bei der Suche nach einem Ankerinvestor hatten die Hoffnungen auf Katars Staatsfonds gelegen. Dieser habe jedoch keine Aktien abgenommen, schrieb die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Andere Investoren hätten ihre Investition davon abhängig gemacht, dass es einen Ankerinvestor gebe.

Die italienische Zeitung La Stampa schrieb, das Kabinett könnte schon am Donnerstagabend tagen, um die Bank zu retten. Erst am Vortag hatte das Parlament die Aufnahme neuer Staatsschulden in Höhe von 20 Milliarden Euro gebilligt, um Monte dei Paschi und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können.

UNICREDIT: Der Mutterkonzern der Bank Austria und der deutschen HypoVereinsbank hat allein faule Kredite von fast 77 Mrd. Euro angehäuft. Das heißt, bei knapp 15 Prozent ist die Rückzahlung gestört. Um Verluste bei einer Bereinigung abzupuffern, braucht UniCredit frisches Geld. Mit Stellenstreichungen und einer Kapitalerhöhung versucht die Großbank nun ein Rettungsmanöver. Insgesamt sollen bis Ende 2019 rund 14.000 Stellen wegfallen. Die Ausgabe neuer Aktien soll 13 Mrd. frisches Kapital bringen. Die Bank will zudem faule Kredite im Wert von fast 18 Mrd. Euro an Finanzinvestoren verkaufen.

INTESA SANPAOLO: Die zweitgrößte Bank des Landes ist der Stabilitätsanker der Branche. Sie hat sich schon vor einigen Jahren mit einer großen Kapitalerhöhung Luft für umfangreiche Abschreibungen verschafft. Die faulen Kredite in der Bilanz beliefen sich zuletzt auf für italienische Verhältnisse überschaubare 8,5 Prozent.

KLEINE BANKEN: Das italienische Bankensystem ist weiter sehr kleinteilig. Viele Sparkassen haben ebenfalls jede Menge fauler Kredite in den Bilanzen. Häufig scheuen sie sich davor, diese Darlehen auf einen realistischen Wert abzuschreiben. Doch darunter leidet zugleich die Vergabe neuer Kredite. Die Regierung hat in der Vergangenheit versucht, viele dieser Banken zusammenzuschließen und zu Sparprogrammen zu drängen. Doch dagegen gab es oft Widerstand.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.

Kommentare