Wirtschaft
08.05.2018

Millionengeschäft Abwasser: Viele Städte leiten Dreck in Flüsse

Viel zu wenige Städte haben gut funktionierende Kläranlagen, sagt die EVN. Sie sieht einen großen Markt für ihre Tochter WTE.

Ein Blick auf Google Earth offenbart manchmal Schauriges: „Hinter Bukarest sehen Sie eine schwarze Fahne die Donau runterziehen“, sagt Felix Sawerthal, Generalsekretär des niederösterreichischen Energieversorgers EVN. Der Grund: Die Abwässer der Stadt fließen fast ungeklärt in den Fluss.

Ähnlich schlecht sei die Situation hinter Sofia und in vielen italienischen Städten. Für den Wasser- und Kläranlagenspezialisten WTE, deutsche Tochter der EVN, tut sich damit ein riesiger Markt auf. Rund 100 Kläranlagen hat das Unternehmen in Europa bereits errichtet und damit gutes Geld verdient. Etwa acht Prozent steuert die WTE zu Gewinn und Umsatz der EVN bei.

Begrünte Kläranlage

Aktuell ist die WTE an einem technisch besonders anspruchsvollem Projekt engagiert. Die Errichtung der zentralen Kläranlage der Stadt Prag auf engstem Raum und im Hochwassergebiet der Moldau. Die 250 Millionen Euro teure Anlage, die die WTE mit Partnern errichtet, entsteht auf einer Flussinsel. Und damit auch bei Überschwemmungen kein ungeklärtes Wasser in die Moldau fließt, wird die gesamte Kläranlage mit einer Betondecke dicht abgeschlossen. Darüber soll ein Freizeitpark entstehen – die Moldauinsel von Prag.

„Das ist ein sehr wichtiges Referenzprojekt für uns“, betont Ralf Schröder, Geschäftsführer der WTE. Die Hightech-Anlage soll dem Unternehmen Türöffner für ähnliche Aufträge sein. Für Istanbul etwa: Die Stadt plant eine Kläranlage, auf der Tennisplätze errichtet werden sollen. Die WTE will sich um den Auftrag bemühen.

Dass in Europa noch viele moderne Kläranlagen fehlen, liegt meist am Geldmangel der öffentlichen Hand oder an politischem Einfluss, der die Auftragsvergabe an technisch auf dem letzten Stand stehende Auslandsunternehmen verhindert. „Aus Italien etwa haben wir uns vor fünf Jahren zurückgezogen“, sagt Sawerthal. Der Markt sei zu schwierig.

Mit den 100 Kläranlagen in Europa hat die WTE bisher gut verdient. Nur eine macht Probleme: Die bereits fertig gestellte Anlage in Budva, Montenegro. Die Stadt verweigert die Zahlung und hat jetzt das Ultimatum ablaufen lassen, zu dem sie die erste Rate von 20 Millionen Euro (ein Drittel des Gesamtbetrags) hätte überweisen müssen. Die WTE hat den Vertrag mit der Stadt nun gekündigt, zieht qualifiziertes Personal ab und geht im Notfall vor Gericht. Das Geschäft ist allerdings über Garantien von Montenegro und Deutschland besichert.

Neuaufträge erhofft sich WTE-Chef Schröder aber von Städten, die gut funktionierende Kläranlagen haben. Die EU plant eine Verordnung, wonach Medikamentenrückstände aus dem Wasser entfernt werden müssen. Dann müssen Kläranlagen mit neuen Membranen nachgerüstet werden.

Hinweis: Der Prag-Besuch erfolgte auf Einladung der EVN.