Telekom Austria nun in der Hand von Carlos Slim
Die Übernahme der Telekom Austria durch America Movil ist so gut wie abgeschlossen: Der mexikanische Mobilfunkanbieter hat seinen Einfluss auf die Telekom Austria weiter vergrößert und ist jetzt Mehrheitseigentürmer, Milliardär Carlos Slim hält nun knapp 51 Prozent der Aktien der teilstaatlichen Telekom. America Movil habe im Rahmen des Übernahmegebots 23,5 Prozent der Anteilsscheine eingesammelt, teilte das Unternehmen am Montag laut Reuters mit.
Sperrminorität
Slims Anteil ist aber mit 51 Prozent gedeckelt. Denn Slim und der bisher größte Telekom-Aktionär, der Staat Österreich über seine Industrieholding ÖIAG, hatten vereinbart, dass zumindest 24 Prozent der Telekom-Aktien weiter als Streubesitz an der Wiener Börse notieren sollen. Die ÖIAG will zumindest ihre Sperrminorität von 25 Prozent halten.
Die Frist des Pflichtangebots war bereits am vergangenen Donnerstag ausgelaufen. Erst in der Nacht zum Dienstag gab Slim aber die neue Aktionärsstruktur bekannt. Endgültig ist der Anteil von Slim aber noch nicht. Das Übernahmegesetz schreibt bei Pflichtangeboten nämlich eine dreimonatige Nachfrist vor, in der das Angebot zu den gleichen Bedingungen immer noch angenommen werden kann. Die Nachfrist endet Mitte Oktober.
Vetorechte
America Movil will sich weniger abhängig vom südamerikanischen Heimatmarkt machen, wo eine strengere Regulierung die Erträge zu schmälern droht. Die Telekom Austria wollen die Mexikaner künftig als Plattform für weitere Zukäufe in Osteuropa nutzen. Neben dem österreichischen Konzern ist Slim auch an der niederländischen KPN beteiligt, zuletzt deutete er jedoch einen Rückzug aus dem holländischen Telekom-Konzern an.
Volksaktie
Die Telekom Austria war vor fast 15 Jahren an die Börse gegangen. Das damals als "Volksaktie" beworbene Papier musste gleich am ersten Handelstag am 21. November 2000 an der Wiener Börse deutliche Kurseinbußen einstecken. Der Kurs rutschte unter den Ausgabepreis von 9 Euro, verlor um 11,11 Prozent und erreichte mit 8,00 Euro sein Tagestief. 2006 und 2007 ging die Aktie auf Höhenflug: Der bisherige Höchststand der Telekom-Aktie wurde mit 21,35 Euro erreicht. Der tiefste Kurs lag bei 4,55 Euro, das war 2012 vor den Übernahmespekulationen, die durch Slims Einstieg genährt wurden
14 Jahre nach dem Börsengang der Telekom Austria ist von der österreichischen Telekombranche nicht mehr viel übrig. Der einstige Monopolist Telekom befindet sich nunmehr unter der Kontrolle des mexikanischen Milliardärs Carlos Slim, T-Mobile Austria gehört zu 100 Prozent der Deutschen Telekom und Hutchison ("3") befindet sich im Eigentum des chinesischen Mischkonzerns Hutchison.
Nicht anders sieht es im Festnetzbereich aus. Tele2 hat seinen Firmensitz im schwedischen Stockholm, Mitbewerber UPC befindet sich in der Hand der britischen Liberty Global.
Bedeutung der ÖIAG sinkt
Mit der 51-Prozent-Übernahme der Telekom (siehe Artikel oben) sinkt die Bedeutung der Staatsholding ÖIAG weiter. Neben der Telekom ist die ÖIAG noch für die Post und die OMV zuständig, wobei auch diese beiden Konzerne längst keine hundertprozentigen Staatsbetriebe mehr sind. An der Post hält der Staat noch 53 Prozent, von der ÖVP hat es immer wieder Signale in Richtung einer weiteren Reduktion des Staatsanteils gegeben. Am Mineralölkonzern OMV besitzt die ÖIAG noch 31,5 Prozent.
Breitbandausbau: Zukunft ungewiss
Und so verliert Österreich im internationalen Ranking weiter an Boden. Alleine im letzten Jahr fiel Österreich im Networked Readiness Index vom 19. auf den 22. Platz zurück. "Auffällig ist, dass wir in den Politik-bezogenen Indikatoren, wie "government success in ICT promotion" und "importance of ICT's to government vision of the future" schlecht abschneiden", meinte vor kurzem Jan Trionow, Chef der Internetoffensive Österreich.
Preise ziehen an
Dass die Zeiten schon mal besser waren sehen auch die Konsumenten in ihrer monatlichen Handyrechnung. Seitdem "Orange" von Hutchison übernommen wurde, haben die Preise deutlich angezogen, selbst die EU hat sich zuletzt kritisch zur Wettbewerbssituation in Österreich geäußert. Oder um es mit den Worten von Johannes Gungl, Chef der Regulierungsbehörde RTR zu sagen: "Wir sehen die mangelnde Dynamik mit Sorge."
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