Wirtschaft
30.10.2017

Gewerkschaft: "Fass zum überlaufen gebracht"

Metaller-KV: Bereits morgen starten österreichweit Betriebsversammlungen, die bis zum Montag nächster Woche andauern werden.

Nach dem Scheitern der 4. Verhandlungsrunde für die Kollektivverträge der Metalltechnischen Industrie reagierten die Gewerkschaften massiv verärgert. "Wir haben bisher 40 Stunden verhandelt und noch immer liegt kein Angebot der Arbeitgeber auf dem Tisch. Das ist eine riesige Provokation", kritisierte Pro-Ge-Verhandlungsführer Rainer Wimmer nach der Vertagung der Gespräche auf kommenden Montag.

Bereits morgen starten österreichweit Betriebsversammlungen, die bis zum Montag nächster Woche andauern werden. Gibt es auch dann in der 5. KV-Runde keinen Kompromiss, würden weitere Kampfmaßnahmen beschlossen, die bis hin zu einem Streik gehen könnten. Von den Betriebsversammlungen werden nicht nur die Betriebe der Metalltechnischen Industrie betroffen sein, sondern sämtliche Metallerverbände, die insgesamt gut 180.000 Arbeitnehmer beschäftigen.

"Fass zum überlaufen gebracht"

Dass die Arbeitgeber statt eines konkreten Lohnangebotes - die Arbeitnehmer fordern vier Prozent mehr Lohn und Gehalt - über die Inflationsrate reden wollen, habe "das Fass zum überlaufen gebracht", so Wimmer. Hintergrund dazu: Als Basis für das Feilschen um den Lohnabschluss dient neben dem Produktionszuwachs die Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate. Diese lag in Österreich bei 1,8 Prozent.

Heute haben die Arbeitgeber aber eine alte Forderung aus vergangenen Jahren wieder aufgegriffen und verlangt, dass die europäische statt die österreichische Teuerungsrate herangezogen wird - die niedriger ist. "Wir verdienen acht von zehn Euro im Export", begründet Arbeitgeber-Verhandlungsführer Veit Schmid-Schmidsfelden den Wunsch der Industrie.

Industrie: Gewerkschaft im Kampfmodus

Er warf den Gewerkschaften vor, Zeit zu vergeuden und lieber auf Eskalation zu setzen. "Die Gewerkschaft ist nach wie vor im Kampfmodus", sagte Schmid-Schmidsfelden nach der Vertagung am Montagabend vor Journalisten.

GPA-Chefverhandler Karl Dürtscher wiederum vermisste bei den Arbeitgebern jegliche Bereitschaft zu einem fairen Lohnabschluss. Statt Verbesserungen hätte die Industrie sogar Verschlechterungen bei den Ruhenszeiten und den Diäten gefordert.