Wirtschaft 15.05.2018

Lufthansa-Chef lässt Zukunft der AUA-Langstrecke offen

© Bild: REUTERS / HEINZ-PETER BADER

Lufthansa-Chef Spohr: AUA muss sich neue Jets erst verdienen. AUA-Chef Kratky: 150 Mio. Euro Gewinn sind das "Mindestmaß".

Zuerst verteilte Carsten Spohr zum 60er Streicheleinheiten. Die AUA habe gezeigt, dass sie heute eine Rolle in der europäischen Luftfahrt spielen könne, vor zehn Jahren hätte er noch ein großes Fragezeichen über die Zukunft der AUA gemacht, sagte der Chef des Lufthansa-Konzerns am Dienstag. 

Dann aber sprach Spohr, der zum Jubiläum der Tochter AUA durch Wien tourte, vor Journalisten sehr schnell Klartext: „Die AUA hat Potenzial, das sie heute nicht voll entfaltet.“  Das Wachstum in Europas größtem Luftfahrtkonzern  mit 130.000 Mitarbeitern und 36 Milliarden Euro Umsatz liege nicht mehr in Frankfurt, sondern auf den kleineren Drehkreuzen München, Zürich und Wien. Frankfurt ist der Lufthansa zu teuer, außerdem passe die Qualität nicht mehr. Spohr ließ  bereits fünf Airbus A380 von Frankfurt nach München überstellen.
Um überproportional Luftverkehr nach Österreich zu holen, müsse die AUA aber einen Kostenvorteil haben. Da sei noch Potenzial, „da kann die AUA noch besser werden“. 

Die Rendite der AUA auf das eingesetzte Kapital betrage lediglich ein Drittel des Vergleichswertes der anderen Drehkreuze, rechnete Spohr vor. Die Österreich-Tochter habe zehn Prozent der Flugzeuge in der gesamten Gruppe, bringe aber nur vier Prozent des Konzernergebnisses. Das ist der Mutter Lufthansa zu wenig,  „die AUA hat noch einen langen Weg vor sich“.
Die Langstrecke steht wieder auf dem Prüfstand. Derzeit sei die Profitabilität der AUA zu niedrig, um die Langstrecken-Flotte zu erneuern. Dafür müsse die AUA operativ einen Gewinn von mindestens 150 Millionen Euro einfliegen, rechnete Spohr vor. Da das heuer nicht der Fall sein dürfte, wird die Entscheidung über die Modernisierung der Flotte in diesem Jahr nicht mehr fallen. Die elf Boeing 767 und 777 sind zum Teil am Alterslimit, am Dienstag wurde eine gebrauchte Maschine in den Dienst gestellt.

Für die Schwester Swiss dagegen wurden kürzlich um 600 Millionen Dollar zwei fabriksneue Langstrecken-Boeings bestellt.
Möglich, dass die Boeing-Flotte nochmals generalüberholt werde, sagte der scheidende AUA-Chef Kay Kratky. Damit könnte die Entscheidung um drei bis vier Jahre hinausgezögert werden.

Derzeit stehen wieder alle Ferndestinationen auf dem Prüfstand. Die Langstrecke müsse so optimiert werden, „dass sich zwölf Flugzeuge rechnen“ (Kratky). Welche Destinationen eingestellt und welche forciert werden, wollte Kratky noch nicht verraten.

Kostenschraube

Die Kosten müssten noch weiter gesenkt werden, betonten Spohr und Kratky. Der neue Kollektivvertrag koste zwar um 15 bis 20 Millionen Euro mehr, die Arbeitszeitflexibilisierung ermögliche aber eine Erhöhung der Produktivität. Billiger sollte es die Flugsicherung Austro Control geben. Die An- und Abfluggebühren für einen Airbus A320 seien in Wien um 60 Prozent höher als in Deutschland. Auch am Flughafen Wien sei „noch Potenzial auszuloten“. Alle Lieferanten stehen ebenfalls unter Preisdruck. Außerdem wird überprüft, welche Dienstleistungen im Konzern kostengünstig gebündelt werden können.

Mit einer Entscheidung über die Zukunft der Iran-Flüge will die AUA noch einige Tage abwarten.

Piloten der Brussels Airlines streiken am Mittwoch wieder

Nach ergebnislosen Verhandlungen im Tarifkonflikt bei der Lufthansa-Tochter Brussels Airlines wollen die Piloten der belgischen Fluggesellschaft am Mittwoch erneut streiken. Es sollen nur rund 65 Flüge der üblichen rund 250 täglichen Flüge stattfinden, wie aus einer Online-Übersicht des Betreibers vom Dienstag hervorging.

Gewerkschaft und Airline hatten am Montag keine Einigung erzielt, wollen sich aber am Mittwoch erneut zu Verhandlungen treffen. "Wir hoffen, dass wir bald zu einer Einigung kommen", sagte eine Sprecherin. Die Piloten fordern höhere Gehälter und Renten sowie einen besseren Ausgleich zwischen Freizeit und Arbeitszeit. Die Gewerkschaft kritisiert unsichere Arbeitsbedingungen und verlangt von der deutschen Muttergesellschaft Klarheit über die Zukunftspläne.

( Agenturen ) Erstellt am 15.05.2018