Verhandlungspoker um Air Berlin: Lufthansa will sich Niki sichern

© dpa/Andreas Gebert

Luftfahrt
07/17/2015

Air Berlin trennt sich von 200 Piloten

Air Berlin flog in den vergangenen vier Jahren mehr als eine Milliarde Euro Verlust ein.

Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin trennt sich zufolge voraussichtlich von etwa 200 Piloten. Es gebe einen Personalüberhang, berichtete das deutsche Nachrichtenmagazin „Focus“ am Freitag vorab. Die nach der Lufthansa zweitgrößte deutsche Fluglinie sondiert derzeit, wie sie die Kosten senken kann. Es soll geklärt werden, welche Teile des Unternehmens ausgegliedert oder mit einem Partner zusammengelegt werden können.

"Ich bitte ich um Verständnis, dass wir uns gerade in einer Phase der strukturellen Neuausrichtung befinden und zu Detailfragen oder Timelines keine weiteren Aussagen treffen können", erklärt Air Berlin-Sprecher Tobias Spaeing dem KURIER. „Ob wir die Anzahl der Flüge noch einmal in diesem Jahr reduzieren werden, entscheiden wir erst in Kürze“, sagte der seit Februar amtierende Konzern-Chef Stefan Pichler dem„Focus“. Air Berlin flog in den vergangenen vier Jahren operativ mehr als eine Milliarde Euro Verlust ein. Die schnell wachsende Fluglinie Etihad aus dem Golf-Emirat Abu Dhabi hält seit 2011 knapp 30 Prozent der Air-Berlin-Aktien und bewahrte das Unternehmen wiederholt mit Geldspritzen vor dem Aus. Für nächstes Jahr peilt Air Berlin operativ schwarze Zahlen an.

Seit 2014 Sanierungsfall

"Beginnend mit dem zweiten Quartal 2014 wurde daher ein umfassendes Restrukturierungsprogramm für die airberlin group konzipiert. Es zielt darauf ab, die Plattformen der airberlin group,airberlin, NikiI, belair und LGW, sowie die drei Geschäftssegmente Europaverkehr, Touristik und Langstrecke effizienter und damit nachhaltig wettbewerbsfähig zu machen", heißt es im Air Berlin-Geschäftsbericht 2014. "Insbesondere sollen die Plattformen mit Unterstützung durch neueste Technologien in die Lage versetzt werden, Yield und Auslastung der Flüge optimal zu gestalten. Dieses wird durch eine Straffung und Fokussierung des angebotenen Netzes weiter unterstützt." Nachsatz: "Das neue Restrukturierungsprogramm wird in einem mehrstufigen Prozess in den Geschäftsjahren 2014 bis 2016 umgesetzt." Wichtige Elemente sollen bereits 2014 implementiert worden sein. "Hierzu gehören die Optimierung und Fokussierung des Streckennetzes sowie ein neues, IT-gestütztes Revenue-Management-System", so die Fluggesellschaft. "Verlustquellen wurden hierdurch eliminiert und Saisonalitäts-Effekte vermindert."

376,7 Millionen Verlust

Im Geschäftsjahr 2014 betrug der Umsatz rund 4,16 Milliarden Euro, und der Verlust rund 376,7 Millionen Euro. Air Berlin beschäftigte im Vorjahr 8440 Mitarbeiter und verfügte über 149 Flugzeuge der Hersteller Airbus und Boeing. Die Auslastung betrug im Vorjahr 83,5 Prozent. Air Berlin transportierte 31,71 Millionen Euro Passagiere zu 147 Destinationen, das waren 24 Zielorte weniger als 2013.

Tochter Niki

Die Österreich-Tochter, die Niki Luftfahrt GmbH, hat laut Firmenkompass im Geschäftsjahr 2013 rund 457,15 Millionen Euro umgesetzt, das Ergebnis aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) betrug 2,64 Millionen Euro, der operative Gewinn nach Steuern rund 1,22 Millionen Euro. Aufgrund von Gewinnvorträgen aus den Vorjahren beträgt der Bilanzgewinn 27,35 Millionen Euro.

Laut früheren Aussagen von Pichler dürfte Niki nicht betroffen sein, der neue Konzernchef lobte die Kostenstruktur der österreichischen Tochter-Airline mehrfach. Im Preiskampf mit Ryanair und Easyjet will der Manager das billigere Personal von Niki und der Luftfahrtgesellschaft Walter stärker nutzen, um Flüge anzubieten.

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