Wirtschaft
05.09.2018

Logistiker: EU fehlt beim Projekt Seidenstraße die Orientierung

Österreich hat international einen Top-Platz errungen. Dennoch rumort es in der Branche.

Österreichs Spediteure und Logistiker hätten eigentlich Grund zum Feiern: Zum ersten Mal ist Österreich unter den Top Fünf des weltweiten Logistik-Rankings der Weltbank, konkret auf Platz vier. Die Freude ist aber getrübt, zu viele Baustellen plagen die heimischen Unternehmen, klagt der Zentralverband Spedition & Logistik.

„Die Platzierung ist auf die gute Infrastruktur und die guten Betriebe zurückzuführen“, sagt Verbandspräsident Wolfram Senger-Weiss. Trotz oft nicht einfacher Rahmenbedingungen würden diese eine hervorragende Leistung erbringen. Doch in vielen Punkten sei die Politik untätig.

Keine Strategie

Eines der Hauptanliegen ist die neue Seidenstraße. Es entstehe gerade eines der weltweit größten Infrastrukturprojekte – eine Zugverbindung von China nach Europa –, in die Milliarden gepumpt würden und wo sich Österreich durch eine Verlängerung der Breitspurbahn vom Osten der Slowakei bis in den Wiener Raum gut positionieren könnte.

Doch: „Die ganze EU hat hier leider keine Strategie“, sagt Senger-Weiss. Der Brennerbasistunnel koste zehn Milliarden Euro und bringe keine Wertschöpfung. Die Verlängerung der Breitspur würde 6,5 Milliarden Euro kosten und eine enorme Wertschöpfung bringen. ÖBB-Chef Andreas Matthä sieht das übrigens genauso: „Die Anbindung Österreichs an das Breitspur-Netz bietet eine Fülle von Chancen.“ Die Ostregion des Landes könnte als zentraler Logistik-Hub in Richtung Asien etabliert und damit Tausende Jobs geschaffen werden.

Zollprobleme bei Brexit

Senger-Weiss kritisiert auch Versäumnisse beim E-Commerce. „Dieser sollte mehr Wertschöpfung nach Österreich holen, das Gegenteil ist der Fall.“ Österreich sei Schlusslicht beim Einkauf österreichischer Kunden bei österreichischen Unternehmen. Konsumenten sollten den Zusteller bei Bestellungen selber wählen können. Viele Online-Händler würden preisgünstige Produkte anbieten und sich die Marge über Aufschläge auf den Transportpreis auffetten.

Spannend wird es auch im Falle eines harten Brexits. In diesem Falle müssten Zollkompetenzen neu aufgebaut werden. Es sei allerdings die Frage, ob die bestehenden Softwarelösungen das bewältigen könnten und es genügend Personal für die Abwicklung gebe.