Wirtschaft 05.12.2011

Leerverkäufe: Verkaufen, was einem gar nicht gehört

Leerverkäufe werden für das Chaos der vergangenen Tage an den Finanzmärkten mitverantwortlich gemacht.

An der Wiener Börse sind sogenannte ungedeckte Leerverkäufe bereits seit mehr als zwei Jahren untersagt, auch in Deutschland und in Athen besteht ein teilweises Verbot. Nun ziehen Frankreich, Italien, Spanien und Belgien mit einem vorübergehenden Verbot nach. Leerverkäufe (oder auch Short Selling) werden für das Chaos der vergangenen Tage an den Finanzmärkten mitverantwortlich gemacht.

Aber was sind diese Leerverkäufe? Kurz gesagt - ein spekulatives Handelsinstrument, mit dem man auch bei fallenden Kursen Geld verdienen kann. Ein Leerverkäufer leiht sich Aktien, Devisen, Anleihen, etc. in der Hoffnung auf fallende Kurse aus und verkauft sie (beispielsweise zu einem Wert von 100). Geht diese Wette auf, kauft er die Papiere später zu einem niedrigeren Kurs (z.B. 90) und gibt sie dem Verleiher zum Lieferdatum zurück. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufpreis (also 10) steckt er in die eigene Tasche (abzüglich einer kleinen Leih-Gebühr). Geht die Wette verloren, also steigt der Preis, erleidet der Investor Verluste.

Ungedeckt

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© Bild: ap

Diese klassische Art von Leerverkauf ist nicht verpönt, da sie eine durchaus legitime Möglichkeit für Marktteilnehmer ist, sich gegen Verluste, die sie bei anderen Geschäften machen, abzusichern ("Hedging" ). Im Visier der Aufsichtsbehörden sind vielmehr die sogenannten "ungedeckten Leerverkäufe". Bei derartigen Geschäften haben sich Investoren die verkauften Papiere noch nicht einmal geliehen, was die Risiken noch erhöht.

Mit dem neuen Verbot (auf 15 Tage beschränkt) wollen die Behörden weitere Kursverluste an den Märkten verhindern. Denn mit Leerverkäufen können Kursausschläge einer Aktie drastisch beschleunigt werden. Ob ein Verbot die Märkte tatsächlich beruhigen kann, ist unter Experten umstritten. Am Freitag gelang es jedenfalls.

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( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011