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Wirtschaft
12/05/2011

Lebensversicherung: Ruf nach Reformen

Die Raiffeisen Versicherung will die genaue Höhe der Zusatzpension erst am Ende der Vertragslaufzeit berechnen.

Die Zukunft ist unbekannt, es kommt wie es kommt", sagt der Philosoph Konrad Paul Liessmann. Diese Ungewissheit könnte auch bald für Kunden von Lebensversicherungen Realität werden. Statt wie bisher bei Vertragsabschluss, soll künftig die Zusatzpension erst am Ende der Laufzeit auf Basis der dann geltenden Lebenserwartung berechnet werden, schlägt Klaus Pekarek, Vorstandschef der Raiffeisen Versicherung, vor.

Vor allem der Garantie-Baustein, der den Kunden bereits bei Vertragsabschluss eine bestimmte Höhe der Versicherungssumme garantiert, komme den Versicherungen sehr teuer, so Pekarek. Die Folge für die Versicherungskunden: Sie erhalten eine geringere monatliche Auszahlung ihrer Lebensversicherung.

Hintergrund der Reformüberlegungen sind nicht nur die geplanten schärferen Eigenmittelvorschriften ("Solvency II"), sondern auch die Tatsache, dass die Finanzierbarkeit der staatliche Altersvorsorge wackelt. Die Geburtenrate sinkt, die Lebenserwartung steigt. Diese Entwicklung erfordert Reformen des Pensionssystems, wie längerer Lebensarbeitszeit. Damit die Menschen länger arbeiten, sollen Anreize geschaffen werden.

Finnland

Das ist den Finnen bereits gelungen. Das staatliche finnische Pensionssystem ist 2005 umfassend reformiert worden. Die Finnen zahlen ab dem 18. Lebensjahr ins Pensionssystem ein und gehen im Durchschnitt mir 62 Jahren in Pension, erklärt Leo Suomaa, Leiter des finnischen Rentenzentrums. Arbeiten sie über das Pensionsantrittsalter hinaus, erhöht sich ihre Pension um bis zu 4,5 Prozent. Kindererziehungs- und Studienzeiten werden angerechnet.
Die tatsächliche Höhe der staatlichen Pensionszahlungen wird seit 2010 mit der jeweiligen Lebenserwartung verknüpft.

EU-Vergleich

In Österreich fehlt es im Vergleich zu Finnland am gesellschaftlichen Grundkonsens, dass neben der staatliche Pension auch privat und betrieblich vorgesorgt wird. Während im europäischen Durchschnitt 52 Prozent der Beschäftigten Anspruch auf eine betriebliche Pension haben, sorgt in Österreich nur ein Viertel der Betriebe für ihre Mitarbeiter vor.

Im Bereich der privaten Vorsorge schaut es ähnlich aus. Die Österreicher geben monatlich im Durchschnitt 143 Euro für ihre private Pensionsvorsorge aus, in der EU sind es fast ein Drittel mehr, nämlich durchschnittlich 199 Euro.

Die Lebenserwartung steigt - in vielen Ländern steigt die Lebensarbeitszeit mit. Nicht so in Österreich, dem Land der Frühpensionisten. Nur ein gutes Drittel (35 Prozent) der Österreicher zwischen 55 und 64 Jahren zählt zu der Gruppe der unselbstständig Erwerbstätigen. Im EU-Durchschnitt sind es 53 Prozent.

Auszahlungen

Wer heute ins Pensionsalter kommt, zieht die Auszahlung der Lebensversicherung als Einmalbetrag einer lebenslangen, zusätzlichen Rente vor. Nur fünf Prozent optieren für die lebenslange Rente. Anders die jüngere Generation: 60 Prozent würden die Auszahlung als monatliche Zusatzpension bevorzugen. Werden die Vorschläge der Raiffeisen-Versicherung in die Tat umgesetzt, müssen Pensionisten - bei steigender Lebenserwartung - mit einer niedrigeren, monatlichen Zusatzrente rechnen.

Finnland: Kalt, dunkel, fortschrittlich

Bildung In Finnland wird mit vielen sensiblen Themen unaufgeregt umgegangen. Das betrifft die Aus- und Weiterbildung, die in Finnland ein Grundrecht ist, ebenso wie die Kinderbetreuungseinrichtungen: Je nach Bedarf sind die Kommunen verpflichtet, ausreichend Kindergärten zur Verfügung zu stellen.

Arbeit Finnische Frauen sind im Durchschnitt besser ausgebildet als finnische Männer. Sie können gleichzeitig einen Vollzeit-Beruf ausüben und ihre Kinder betreuen. Das gesellschaftliche Klima macht möglich, dass die Betreuung von Kindern kein Hindernis für berufliche Ambitionen und Karriere ist.

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