Wirtschaft
12.02.2019

Künftige Finanzierung des Bio-Booms offen

Die aktuellen Kürzungspläne für den Agrarsektor der Europäischen Union könnten auch die heimischen Biobauern treffen

Erfolgsmeldungen werden gerne kommuniziert. Die Fläche für biologischen Anbau ist in Österreich von 2017 auf 2018 um 17.000 Hektar gewachsen. Die in Österreich hergestellten Bioprodukte erfreuen sich auch im Ausland hoher Beliebtheit. Etwa 50 Prozent davon werden exportiert. Das betrifft vor allem Milch, Käse und Gemüse.

Ein wichtiger Grund für den Exporterfolg ist laut der Obfrau von Bio-Austria, Gertraud Grabmann, die „Differenzierung über die Qualität“. Die verglichen mit anderen EU-Staaten höheren Standards bei der Lebensmittelproduktion seien ein Grund für die starke Nachfrage im Ausland.

Allerdings benötigen Biobetriebe höhere Subventionen als die konventionelle Landwirtschaft, weil die Erträge geringer sind. Das könne einige wenige Prozent Ertragseinbuße sein, oder auch abhängig von der angebauten Pflanzenart 40 Prozent oder mehr.

Mehr Förderungen

Doch nicht nur in Österreich wächst der Anteil an Bioflächen, sondern in der gesamten EU. Von 2012 bis 2017 gab es dort einen Zuwachs um 25 Prozent. Das bedeutet gleichzeitig einen deutlich höheren Förderungsbedarf.

Allerdings sinkt wegen des Brexit des Nettozahlers Großbritannien das EU-Budget. Es wurde bereits laut darüber nachgedacht, wo im Agrarbereich gespart werden könnte. Vorgeschlagen wurden jene Töpfe, über die auch Förderungen für Umweltschutzmaßnahmen abgerechnet werden.

Grabmann hat dafür kein Verständnis. „Wir wollen, dass alle bäuerlichen Betriebe für die Leistungen, die sie für die Gesellschaft erbringen, eine entsprechende Abgeltung aus öffentlichen Mitteln bekommen. Das ist für Leistungen notwendig, die am Markt nicht über den Preis lukriert werden können.“

Sie hat konkrete Vorstellungen. Nach den bisherigen Vorschlägen für die künftigen Förderungen im Agrarbereich der EU wären laut Bio Austria nur acht Prozent für Umwelt, Klima und Tierwohl reserviert. Die Bio-Austria-Chefin verlangt allerdings eine Aufstockung auf 50 Prozent.

Doch die Interessen der EU-Länder sind nicht so einfach zu koordinieren. Vor allem EU-Staaten aus Osteuropa haben ein Geschäftsmodell, das auf Großbetriebe mit möglichst niedrigen Produktions-Standards und sehr niedrigen Preisen aufbaut. Andere Staaten wie Österreich produzieren schon alleine wegen Geografie und Klima teurer und setzen auf höhere Qualitätsstandards. In Irland zum Beispiel steht eine Kuh 300 Tage im Jahr auf der Weide. Das ist in Österreichs wegen des Klimas nicht möglich.

Absatzprobleme bei Bioware gibt es bei Lebensmitteln mit einem deutlichen Preisunterschied zu konventioneller Produktion. Das ist etwa bei Fleisch der Fall. Nur drei von 100 Schweinen werden in Österreich biologisch gefüttert. Bei den Rindern sind es 22 Prozent. Die gesamte EU importiert über 90 Prozent des für die Tiere notwendigen Futters. Fast das gesamte importierte Soja ist gentechnisch verändert.