A woman fixes the ring on a high end 'Behike 56' cigar at the Cohiba factory 'El Laguito' in Havana September 10, 2012. REUTERS/Desmond Boylan (CUBA - Tags: SOCIETY BUSINESS COMMODITIES)

© Reuters/DESMOND BOYLAN

lectora de tabaquería
08/14/2013

Die "Tabak-Vorleserin": Kubas schönster Fabrikjob

Während des Drehens von Havanna-Zigarren wird Arbeitern aus Büchern oder Zeitungen vorgelesen.

Im sozialistischen Kuba sind die "lectora de tabaquería" ein richtiger Beruf. Seit Dezember 2012 ist er sogar als nationales Kulturerbe anerkannt. Die Aufgabe: Arbeitern in der Tabakfabrik aus Büchern oder Zeitungen vorzulesen.

Alles begann 1865, so ist es überliefert, als ein engagierter Fabrikarbeiter es sich zur Gewohnheit machte, seinen Kollegen während der Arbeit aus einer neuen proletarischen Zeitung vorzulesen. Inzwischen gibt es mehr als 100 "lectores" auf der Karibikinsel.

Shakespeares "Romeo und Julia", Romane des kolumbianischen Nobelpreisträgers Gabriel Garcia Marquez oder ausgewählte Artikel aus der sozialistischen Parteizeitung "Granma" werden den Arbeitern vorgetragen. Pro Acht-Stunden-Schicht gibt es drei Durchgänge von etwa 30 Minuten.

"Es ist ein Mittel, um das kulturelle Niveau der Tabakarbeiter zu verbessern."

Die Lektüre soll zur Bildung der Arbeiterklasse beitragen. "Es ist ein Mittel, um das kulturelle Niveau der Tabakarbeiter zu verbessern", heißt es in der kubanischen alternativen Online-EnzyklopädieEcured.

Die Idee scheint zu funktionieren. "Es ist etwas Notwendiges für uns Tabakarbeiter", sagt die 40-jährige Yamile Piz. Seit 20 Jahren ist sie "torcedora", wie in Kuba die Arbeiter genannt werden, die die heiß begehrten Havanna-Zigarren in mühseliger, stundenlanger Handarbeit drehen. "Wenn es die "lectora" nicht gäbe, wären wir nicht informiert."

Die 47-jährige Odalys Lara liest seit nunmehr 18 Jahren die Zeitung ebenso wie einfache Lebensweisheiten vor, sie erteilt auch gerne Ratschläge für private Probleme. Sie sei eine Art Seelsorger, erzählt sie. Bevor sie am Vormittag mit der Lektüre beginnt, liest sie kurz Anweisungen von der Betriebsleitung vor. Lara sitzt vor einem Mikrofon auf einem etwas höher gelegenen Podium, vor ihr das laute Stimmengewirr der rund 360 Arbeiter.

Limitierte Auswahl

Zurzeit liest Lara aus dem Roman eines kubanischen Autors mit dem Titel "Stadt in Panik". Der Betrieb kümmert sich immer um die Bücherauswahl. So wird vermutlich sichergestellt, dass keine sozialismuskritischen Autoren ihren Weg zum Publikum finden.

Eine spezielle Ausbildung ist nicht Voraussetzung für den Job als Vorleser. Lara ist eigentlich studierte Diplomtechnikerin. In der Fabrik sind gerade Krimis besonders beliebt, erzählt sie. Aber auch lange, anspruchsvolle Werke würden dankbare Zuhörer finden. Sie habe zum Beispiel schon "Paradiso", das Meisterwerk von Nationaldichter Jose Lezama Lima, vorgelesen. Das Buch habe mehr als 600 Seiten, erinnert sie sich. "Das dauerte fast fünf Monate.

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