Wirtschaft
13.04.2017

37 "Milchrebellen" noch ohne Liefervertrag

Milchbauern bangen um ihre Existenz. Ohne Molkereiabnahme muss Milch weggeschüttet werden.

Die von "Milchrebellen" rund um die IG-Milch im Jahr 2008 ins Leben gerufene alternative Milchhandelsgesellschaft "Freie Milch Austria" (Alpenmilch Logistik GmbH) stellt aus wirtschaftlichen Gründen per Ende April ihren Betrieb endgültig ein. 37 Milchbauern stehen ohne Liefervertrag da und bangen um ihre Existenz. Bisher wurden rund 130 Alpenmilch-Lieferanten von anderen Molkereien übernommen.

Die "Freie Milch Austria" wanderte im Frühjahr 2016 unter das Dach der Bio-Molkerei Lembach, die dann im Oktober 2016 ihren Betrieb einstellte. Die "Freie Milch Austria" wollte eigentlich einen besseren Milchpreis bieten als die genossenschaftlich geführten Molkereien in Österreich, zahlte aber dann zum Teil wegen wirtschaftlicher Turbulenzen in ihrem Hauptabsatzgebiet Italien niedrigere Milchpreise aus. In ihrer Hochzeit zählte die "Freie Milch" rund 600 Milchlieferanten. Als Freie-Milch-Geschäftsführer und Eigentümer fungierte vor der Übernahme der ehemalige IG-Milch-Chef Ernst Halbmayr.

Molkereien verweigern die Abnahme

Die Alpenmilch Logistik hatte im September 2016 die Milchlieferanten informiert, dass der Betrieb mit Ende März 2017 eingestellt wird. Seitdem versuchen die betroffenen Milchbauern einen Abnahmevertrag mit in der Region tätigen Molkereien zu bekommen. Im April lief bisher ein Notbetrieb zur Milchabholung. Die NÖM hat ehemalige Lieferanten zu schlechteren Konditionen (drei Cent weniger pro Kilogramm) im Vergleich zu bestehenden Milchlieferanten aufgenommen. Die Berglandmilch habe nur ausgewählten Milchbauern einen Liefervertrag angeboten, sagte Johann Furtmüller, Geschäftsführer der Alpenmilch Logistik, am Mittwoch vor Journalisten in Wien.

27 Milchbauern befinden sich laut Furtmüller im Abholgebiet der Berglandmilch, acht Bauern im Gebiet der Gmundner Milch und zwei Milchlieferanten im Sammelgebiet der NÖM. Die Molkerei-Lkw müssten für die 37 Alpenmilch-Lieferanten nur wenige Kilometer mehr fahren. Die Entfernung zur bestehenden Molkereisammeltour beträgt laut Furtmüller insgesamt nur 15 Kilometer. Derzeit müssen Alpenmilch-Tankwägen mehr als 1.000 Kilometer abfahren, um die Milch einzusammeln. Sollten die Alpenmilch-Bauern bis Ende April keine Molkerei finden, müssen sie ihre Milch dann wegschütten oder ihre Kühe verkaufen.

Furtmüller: "Ein Exempel"

"Man hat den Eindruck, dass an den 37 Bauern ein Exempel statuiert werden soll", kritisierte der Alpenmilch-Logistik-Chef die Geschäftspolitik der Molkereien. Die größte österreichische Molkerei Berglandmilch sei nicht an Gesprächen interessiert gewesen, obwohl die zusätzliche Milchmenge weniger als die Anliefer-Tagesschwankung ausmache.

Furtmüller hat am Donnerstag einen Brief an Landwirtschaftskammer Präsident Hermann Schultes und Bauernbund-Chef Jakob Auer geschickt. "Trotz monatelanger Verhandlungen und auch Zusagen mir gegenüber, wurde es im Endeffekt 37 Betrieben verwehrt einen neuen Vertrag abzuschließen", schreibt der Alpenmilch-Logistik-Chef. "Als höchster Repräsentant der gesetzlichen Interessensvertretung mit Pflichtmitgliedsbeiträgen, ersuche ich Sie auf Ihre ebenfalls in der Landwirtschaftskammer organisierten Genossenschaften einzuwirken, einen neuen Liefervertrag abzuschließen. "

Die betroffenen Milchbauern wollen noch nicht aufgeben: "Wir sind nächste Woche noch zu Verhandlungen und konstruktiven Gesprächen bereit. Sollten diese keine brauchbaren Ergebnisse im Sinne der vor dem Ruin stehenden Familien bringen, werden wir uns öffentlichkeitswirksame Aktionen vorbehalten", so der ehemalige Geschäftsführer der Freie Milch Austria Ernst Halbmayr.