CO2-Zertifikate
02/19/2013

Kritik an EU-Entscheid über Emissionshandel

Ein "völlig unzureichender Schritt", kritisiert Global 2000. Auch die Industrie ist unzufrieden. Wer in Österreich vom ETS-Handel profitiert.

Ein Durchbruch sieht anders aus: Die Entscheidung des Umweltausschusses des EU-Parlaments zum Handel mit CO2-Rechten stößt sowohl Industrie als auch Klimaschützern sauer auf - jedoch aus unterschiedlichen Gründen.

Der EU-Umweltausschuss hat in Brüssel dem Vorschlag der EU-Kommission zugestimmt, vorübergehend einen Teil der gehandelten Emissionsrechte aus dem Markt zu nehmen, um den Preisverfall bei den CO2-Zertifikaten zu stoppen. Weil man sich aber nicht durchringen konnte, sofort mit Verhandlungen zur Umsetzung des Vorhabens zu beginnen, wurde zunächst das Gegenteil erreicht: Der Kurs der gehandelten Zertifikate brach um bis zu 20 Prozent ein.

Wie funktioniert der CO2-Handel?

Die Idee des europäischen Emissionshandels ETS (Emisson Trading System) ist es, die Verursacher von klimaschädlichen Abgasen zur Kasse zu bitten. Das System, das seit 2005 für die Industrie gilt, setzt auf die Kräfte des freien Markts: Erlaubnisscheine für die Abgase können verkauft werden, wenn die eigenen Abgase gedrosselt werden, und müssen bei Erhöhung erworben werden.

Der Preis pro Tonne CO2-Verschmutzung hatte kurz nach Einführung des Emissionshandels für den Klimaschutz 2005 rund 30 Euro ausgemacht. 2009 betrug er knapp 14 Euro, heute liegt er bei 4,70 Euro.

Unterschiedliche Reaktionen

Die Industrie warnt nun vor Belastungen für die Betriebe, die Wirtschaftskammer vor einer Verteuerung von Strom für Endverbraucher.

"Völlig unzureichender Schritt"

Kritik auf anderer Ebene kommt von Umweltschützern. "Ein völlig unzureichender Schritt," kritisiert etwa Johannes Wahlmüller von Global 2000 die jüngste Entscheidung des EU-Parlaments. Das größte Problem sei derzeit die gewaltige Menge an Überschusszertifikaten, die den CO2-Preis in den Keller drückte - zuletzt kostete die Emission einer Tonne CO2 nur noch knapp über 4 Euro. Das "nimmt jeden Anreiz", Klimaschutzmaßnahmen zu setzen.

Die Folge: In Europa laufen Kohlekraftwerke auf Hochtouren, während Alternativen unattraktiv bleiben. Ein Preis von 30 Euro pro Tonne wäre notwendig, damit Kohlekraftwerke beginnen an Wettbewerbsfähigkeit zu verlieren.

Hauptprofiteure in Österreich

Bereits Ende November 2012 kritisierte Global 2000 das ETS-System und stützte sich dabei auf Daten des Umweltbundesamtes. So würden 77 von 95 österreichischen Unternehmen im ETS Überschüsse aus der Gratiszuteilung von CO2-Zertifikaten halten. "4,6 Mio. CO2-Zertifikate sind bis heute zugeteilt, die nicht benötigt werden", errechnete die NGO.

So führt die Wien Energie die "Hitliste" mit 2,3 Mio. Überschusszertifikaten an, es folgen die Linz AG und die Energie AG. Eine Schelte im Bericht gibt es vor allem für den Verbund, der "trotz großzügiger Verteilung von Gratiszertifikaten" nicht mit seinem Emissionsbudget auskomme.

Links

Zur BUND-Studie "Der Klimagoldesel 2013"

Zur Global 2000-Website

EU gegen den Rest der Welt

Der europäische Emissionshandel ETS gilt seit dem 1. Jänner 2012 auch für die Luftfahrt. Demnach müssen alle Airlines mit Start- oder Landeort in der EU Verschmutzungszertifikate pro Tonne ausgestoßenen Klimagases für ihre Flüge vorweisen. Die Unternehmen bekommen einen großen Teil der Verschmutzungsrechte dabei kostenlos zugeteilt, müssen für die darüber hinaus gehenden Emissionen aber Zertifikate kaufen. Dazu sind die Fluggesellschaften seit heuer verpflichtet. Weigern sie sich, drohen Strafzahlungen und als letzte Konsequenz sogar ein Start- und Landeverbot in Europa. Soweit der Plan.

Doch die USA, China, Russland, Brasilien und andere Staaten machen schon länger mobil gegen die EU-Klimavorschriften. Erst im September 2012 verabschiedete der US-Senat eine Gesetzesvorlage, die US-Fluggesellschaften davor schützen soll, CO2-Verschmutzungsrechte erwerben zu müssen.

Damit steigt der Druck auf die EU, die auch von anderen Ländern wie China oder Indien heftig kritisierte Regelung zu überdenken.

Zum Artikel Airlines tricksen bei Emissionshandel

Smog in Peking als Weckruf

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