Weiterhin der starke Mann am Bosporus: Präsident Erdogan

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Wirtschaftsleistung rückläufig
01/05/2017

Krisen setzen türkische Wirtschaft unter Druck

Die Wirtschaftsleistung der Türkei ist rückläufig. Doch die Annäherung an Russland lässt die gebeutelte Tourismusbranche hoffen.

Anschläge, Kriegswirren im Nachbarland, Massenverhaftungen von angeblichen Putsch-Sympathisanten und Oppositionellen - in und um die Türkei regiert Unsicherheit. Das zieht die Wirtschaft des Landes, das noch vor wenigen Jahren als einer der vielversprechendsten Boom-Märkte weltweit galt, immer tiefer nach unten.

Den Beleg dafür lieferte das Statistikamt des Landes Mitte Dezember: Erstmals seit dem Krisenjahr 2009 ging die Wirtschaftsleistung im dritten Quartal 2016 zurück. Dabei fiel die Schrumpfung mit 1,8 Prozent noch deutlich höher aus als von Experten vorausgesagt. Inzwischen, versichert das Wirtschaftsministerium, gehe es aber wieder aufwärts.

Denoch: Die Türkei gilt mittlerweile bei Wirtschaftsexperten und Investoren als Risiko-Partner. Auch die Touristen, für das Land eine unverzichtbare Einnahmequelle, reagieren: In den ersten elf Monaten 2016 kamen nach amtlichen Zahlen mit gut 24 Millionen Reisenden knapp ein Drittel weniger Ausländer ins Land als im Vorjahr.

Streit mit Russland beigelegt

Es gibt aber einen Hoffnungsschimmer. Nachdem Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan und sein russischer Kollege Wladimir Putin ihren Streit nach dem Abschuss einer russischen Militärmaschine im Grenzgebiet zu Syrien beigelegt hatten, schnellte das Interesse von Russen am Reiseziel Türkei wieder hoch. Das ist wichtig, waren die Russen doch vor nicht allzu langer Zeit mit rund viereinhalb Millionen Besuchern im Jahr die zweitgrößte Touristengruppe - hinter den Deutschen. Und bei denen zeichnet sich ebenso ein Minus ab: Reisten 2015 noch 5,6 Millionen Deutsche in die Türkei, waren es in den ersten elf Monaten 2016 nur 3,76 Millionen.

"Die größten Risiken für die türkische Wirtschaft sind derzeit politischer Natur", urteilt aktuell die deutsche Investitionsagentur GTAI. Dazu zählt auch der Streit mit dem wichtigsten Handelspartner, den EU-Ländern, über den Umgang mit der Opposition und Rechtstaatsfragen. Zu den Schwächen zählt zudem eine wenig effiziente, schwerfällige Bürokratie sowie die hohe Importabhängigkeit der Industrie und Probleme auf den regionalen Exportmärkten. Die künftige Entwicklung der türkischen Wirtschaft bleibt damit unsicher.

Deutsche Projekte gestoppt

Auf gut drei Prozent, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren, veranschlagen internationale Experten das Wachstum für 2017. Die türkische Regierung hofft, schon im kommenden Jahr wieder bei fünf Prozent Zuwachs zu landen. Viele Unternehmen, vor allem aus Deutschland, haben Projekte auf Eis gelegt.

Dass die Türkei ihr ehrgeiziges Ziel erreicht, bis 2023 zu den weltweit zehn größten Volkswirtschaften aufzusteigen, ist eher fraglich. Aktuell die größten Sorgen bereitet der Regierung der drastische Kursverfall der heimischen Währung Lira. Präsident Erdogan hat schon an seine Landsleute appelliert, Fremdwährungen zu verkaufen, um den Wertverfall stoppen.

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