Ingo Kramer, deutscher Arbeitgeber-Präsident.

© REUTERS/FABRIZIO BENSCH

Deutschland
06/10/2015

Kramer warnt: Deutschland wird "Streikland"

Der Arbeitgeber-Präsident sieht den Ruf der deutschen Wirtschaft in Gefahr. Post-Streiks werden ausgeweitet.

Arbeitgeber-Präsident Ingo Kramer sieht den Ruf der deutschen Wirtschaft durch die vielen Streiks in Gefahr. Vor allem in ehemaligen Staatsbetrieben oder früher öffentlich finanzierten Unternehmen wie der Post seien die Gewerkschaften oft gar nicht an einer raschen Lösung von Tarifkonflikten interessiert, sagte der Chef der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).

"In diesen Bereichen gibt es leider aufseiten der Gewerkschaften immer noch keine ausgeprägte Verhandlungskultur", so Kramer zur "Passauer Neuen Presse" (Mittwoch). Zum laufenden Post-Streik und zum inzwischen in die Schlichtung eingetretenen Tarifstreit zwischen der Deutschen Bahn und der Lokführergewerkschaft GDL sagte er: "Es ist fatal, wenn die Zuverlässigkeit der deutschen Wirtschaft von unseren Kunden zukünftig schlechter bewertet wird. Deutschland wird plötzlich als Streikland wahrgenommen." Es gebe außerdem die Tendenz, dass Tarifverhandlungen instrumentalisiert werden, um andere Ziele als Lohnerhöhungen zu erreichen. Dies wird etwa der GDL in ihrer Abgrenzung zur größeren, konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft vorgeworfen.

Im Tarifstreit bei der Post hatte die Gewerkschaft ver.di am Dienstag angekündigt, den zum Wochenbeginn gestarteten regulären Streik stark auszuweiten. Post-Chef Frank Appel hatte in der "Bild"-Zeitung die Frage gestellt, ob ver.di mit den Streiks "vorrangig Eigeninteressen oder die wirklichen Interessen der Arbeitnehmer" verfolgt. Andrea Kocsis, ver.di-Verhandlungsführerin und Vize-Chefaufseherin des Bonner Konzerns, sagte der Oldenburger "Nordwest-Zeitung", der Ausstand werde fortgesetzt, solange sich das Unternehmen nicht bewege.

Streiks ausgeweitet

Die deutsche Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat ihren Streik bei der Deutschen Post ausgeweitet. Im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen seien nun auch Brief- und Paketzusteller zu einem unbefristeten Streik aufgerufen, teilte ver.di am Mittwoch in Düsseldorf mit. Betroffen seien ausgesuchte Orte der Niederlassungen Köln, Düsseldorf, Dortmund, Herford, Bonn, Duisburg, Münster, Essen, Hagen und Siegen, wo rund tausend Zusteller die Arbeit niederlegen sollten.

Dadurch könnten voraussichtlich Millionen Sendungen nicht bearbeitet und zugestellt werden. Weiter hieß es, der "rücksichtslose Umgang der Konzernleitung mit den Beschäftigten" führe zu einem erheblichen Imageverlust der Post AG, den wiederum die Beschäftigten bei ihren Kundenkontakten auszubaden hätten.

Auch in mehreren hessischen Regionen wurden die Brief- und Paketzusteller zum Streik aufgerufen. Betroffen sind unter anderem Frankfurt am Main, Kassel und Fulda, wie ver.di-Hessen mitteilte.

Die Post-Beschäftigten hatten am Montag mit einem unbefristeten Streik begonnen und zunächst in den deutschlandweit 83 Briefverteilzentren die Arbeit niedergelegt. Knackpunkt in dem festgefahrenen Tarifkonflikt ist vor allem die schlechtere Bezahlung bei den umstrittenen neuen Regionalgesellschaften der Post. Die Mitarbeiter dort werden nicht nach dem Haustarifvertrag der Deutschen Post bezahlt, sondern nach den niedrigeren Tarifregelungen der Speditions- und Logistikbranche. Ver.di lehnt dies strikt ab und sieht darin einen Bruch früherer Vereinbarungen.

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