Ökonom Gabriel Felbermayr.

© APA/AFP/TOBIAS SCHWARZ

Wirtschaft
04/21/2020

Kaufanreize für Autos: "Teuer und unangemessen"

Eine Abwrack- oder Innovationsprämie für den Autokauf ist entbehrlich, findet Ökonom Gabriel Felbermayr.

Eine staatliche Kaufprämie für die von der Corona-Pandemie schwer betroffene deutsche Autoindustrie stößt bei Top-Ökonomen auf wenig Gegenliebe. „Ich halte die Subventionierung der Automobilbranche durch Kaufanreize für Autos, sei es über eine Abwrackprämie oder eine
besser klingende Innovationsprämie, für entbehrlich“, sagte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Gabriel Felbermayr, am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Nicht angemessen

„Sie ist sehr teuer, der aktuellen Situation nicht angemessen und ordnungspolitisch problematisch.“ Vertreter der kriselnden Branche hatten sich zuletzt für staatliche Kaufanreize nach dem Vorbild der Finanzkrise ausgesprochen.

Genug Liquidität

Anders als 2009 - als die deutsche Bundesregierung eine „Abwrackprämie“ für alte Autos einführte - gebe es diesmal aber kein Problem bei der Finanzierung von Autokäufen, betonte der Ökonom. „Die Menschen haben viel Liquidität und kommen leicht an Kredite mit sehr guten Konditionen“, sagte Felbermayr. „Es gibt keinen Grund, warum die Autohäuser nach der Lockerung des Lockdown jetzt nicht langsam wieder voller werden.“

Lieferketten

Viele Hersteller hätten diesmal Probleme mit ihren Lieferketten. Diese seien durch Schließungen von Fabriken im In- und Ausland, Grenzkontrollen und das Wegbrechen von Flugfrachtkapazität unter Stress. „Diese Probleme müssen so schnell wie möglich beseitigt werden - eine Kaufprämie hilft hier indes nicht“, sagte der Ökonom.

Neutralität

Zudem befinde sich die deutsche Autobranche diesmal in einem technologischen Umbau. „Es herrscht noch große Unsicherheit, welche Technologie sich am Ende durchsetzen wird“, sagte Felbermayr. „Werden nur bestimmte Modelle gefördert, gibt die Politik die notwendige
Technologieneutralität auf. Fördert sie alle Modelle, hält sie den Wandel auf.“

Die deutsche Importquote bei Autos sei seit 2009 gestiegen. „Das bedeutet, dass die Subventionierung der heimischen Nachfrage stärker als früher ausländischen Anbietern hilft“, sagte Felbermayr.

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