Wer sich beim Shoppen in London einen neuen Slip zulegen möchte, sollte nicht überrascht sein, wenn der Verkäufer mit einem "Unterkleid", "Unterrock", vielleicht auch mit einem "Formular" in der Hand zurückkommt. Seien Sie lieber froh sein, wenn ihm dieser kleine "Ausrutscher" verziehen wird. Was Sie nämlich eigentlich suchen, sind "panties".

© APA TATYANA ZENKOVICH

Kaufanreiz
09/28/2012

Aloe Vera in der Unterhose

Steigende Rohstoffpreise machen Wäscheherstellern zu schaffen. Um das Geschäft anzukurbeln setzen diese nun auf gewisse Extras.

Cellulite bekämpfen, die Haut pflegen oder an heißen Tagen Erfrischung verschaffen: Um das Geschäft mit Höschen und BH anzukurbeln, setzen Wäschehersteller verstärkt auf Stoffe mit gewissen Extras. Zwar fiel der Umsatz der deutschen Wäsche- und Miederhersteller im vergangenen Jahr mit rund 1,06 Milliarden Euro etwas höher aus als noch im Vorjahr. Doch: "Ein Durchschnittsprodukt hat es immer schwerer, Käufer zu finden", erklärt Rolf Boje, Marketing-Vorstand des Wäscheherstellers Triumph.

Auch lassen steigende Rohstoffpreise die Margen der Hersteller schwinden: "Wir kämpfen weiter mit steigenden Kosten bei Material, Logistik und Energie", sagt Silvia Jungbauer, stellvertretende Vorsitzende des Gesamtverbandes der Maschenindustrie. In Folge wurden etwa die Preise bei Triumph erhöht: "Die Spanne reicht von weniger als ein Prozent bis sieben Prozent", so Vorstand Boje. Jedoch: "Die vollen Rohstoffpreise konnten wir nicht weitergeben."

Weg von Geiz ist geil

Nun soll der Verkauf angekurbelt werden, dem Kunden sollen auch höhere Dessous-Preise schmackhaft gemacht werden. "Der Verbraucher ist jahrzehntelang in einer Geiz-ist-geil-Mentalität erzogen worden - jetzt kann er nur schwer nachvollziehen, warum er mehr bezahlen soll", so Jungbauer.

Und dabei setzt man auf Exotisches: So wird Triumph bald Unterwäsche verkaufen, die "über 100 Wäschen" lang Aloe-Vera abgibt. Ebenfalls geplant: figurformende Unterhosen mit kühlendem Effekt oder solche, die fettverbrennendes Koffein enthalten und so Cellulite bekämpfen sollen. Der deutsche Wäschehersteller Mey aus Albstadt bietet seit Neustem Unterwäsche mit Milchproteinen an, die dem natürlichen pH-Wert der Haut entspricht.

Shaping

Kombiniert werden solche Extras oft noch mit einer figurformenden Funktion: "Das muss man als Megatrend bezeichnen", sagt Boje. Bei den sogenannten "Shaping"-Produkten verzeichnete Triumph zuletzt zweistellige Wachstumsraten und rechnet damit auch 2012. "Die Frau hat etwas lieben gelernt, was sie von ihrer Mutter oder Großmutter noch von der reinen Ansicht des Produkts kannte, aber gescheut hat, weil es fürchterlich unbequem war." Das sei nun anders.

Überhaupt setzen Hersteller verstärkt auf den Wohlfühleffekt: "Wir setzen auf Top-Qualität in Stoff, Passform und Verarbeitung", betont etwa Schiesser-Vorstandschef Rudolf Bündgen. Das Traditionsunternehmen aus Radolfzell am Bodensee hatte 2011 nach der Insolvenz erstmals wieder Gewinn erwirtschaftet. Schiesser brachte jüngst eine neue Serie mit 95 Prozent Baumwollanteil auf den Markt.

Der Mann

Einen Kunden könne man mit besonderen Inhaltsstoffen nur schwer in Kauflaune versetzen: den Mann. "Der modische Anspruch ist da überschaubar", sagt Boje. In Deutschland machten Männer nur ein Viertel des Triumph-Umsatzes aus, sagt Boje. Bei Mey ist der Anteil ähnlich gering.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.