50.000 Euro für gute Ideen: WU Wien unterstützt junge Start-ups
Am Anfang steht eine Idee – und wenn sie gut genug ist, kann daraus ein erfolgreiches Business entstehen. Genau das will die Wirtschaftsuniversität Wien bei ihren Studierenden fördern. Den Moment, an dem Gründerinnen und Gründer sagen: „Ich baue das jetzt.“ Damit die Idee in die Gänge kommen kann, werden die Studierenden finanziell unterstützt.
Startkapital für Start-ups
Im Juni 2025 wurde deswegen WU Ignite Ventures ins Leben gerufen, eine Beteiligungsgesellschaft für universitäre Spin-offs in der Pre-Seed-Phase, also der Vorgründungsphase. Jedes Jahr werden bis zu acht Teams mit jeweils maximal 50.000 Euro unterstützt. Voraussetzung ist ein klarer WU-Bezug im Gründungsteam – etwa durch Studierende, Alumni oder durch die Fakultät. Damit steht universitätsnahen Gründern erstmals frühphasiges Kapital direkt aus der WU zur Verfügung. Die Investments erfolgen über SAFE-Verträge (Vereinbarung über künftige Unternehmensanteile) und werden durch Coaching, Netzwerkzugang, eine Alumni-Investorinnen-Community sowie Programme des WU Entrepreneurship Centers ergänzt.
Zudem hilft ein Investment-Team: Vor Kurzem richtete die WU ein „Investment Committee“ (IC) ein – mit prominenten Experten: Moody’s-Managing-Director Johanna Konrad, Radar-Cyber-Security-Co-Gründer Christian Polster, hokify-Co-Gründer Simon Tretter und Austrian-Startups-Managing-Director Hannah Wundsam (als Vorsitzende des Committees).
Serie Startklar: WU Ignite Ventures & KURIER
starten ab sofort eine Kooperation: Das gemeinsame Ziel ist es, die Ideen junger Gründer zu präsentieren und die Arbeit der heimischen Start-ups in den Medien sichtbarer zu machen. WU Ignite Ventures und der KURIER wollen Start-ups schon im frühen Gründungsstadium begleiten, wollen ihnen eine Bühne bieten und Möglichkeiten zur Vernetzung geben. Darüber hinaus wird der KURIER wöchentlich Schwerpunkte in der Start-up-Berichterstattung setzen. www.kurier.at/startups
Zwei WU-Teams konnten mit ihrer Idee bereits durchstarten: AINOVO und constrct. Der KURIER begleitet sie bei ihren ersten Gründerschritten.
- Wer? Johanna Reinedahl (WU Wien) und Ewan Rothenwänder (HTL) haben 2025 gemeinsam die MedTech-Firma AINOVO gegründet.
- Was? Das Team hat eine Technologie entwickelt, die durch Exoskelette die Arbeit von Physiotherapeuten skalierbar macht.
- Nächstes Ziel: Investorensuche, um die präklinischen Studien abzuschließen.
Erste Meilensteine
- Firmengründung
- Patentanmeldung
- Bau des ersten funktionsfähigen Prototyps
Das Exoskelett
Die Entstehungsgeschichte von AINOVO beweist, dass Netzwerken sich auszahlt. Johanna Reinedahl lernte ihren Co-Gründer Ewan Rothenwänder auf einem Event kennen und war sofort von seiner Idee begeistert. Rothenwänder entwickelt ein Exoskelett, ein unterstützendes Medizintechnik-Produkt für die Rehabilitation. Das entlastet Physiotherapeuten, Krankenhäuser würden besser mit Ressourcen umgehen und Patienten bekämen „durch die kürzere Wartezeit genau dann einen Termin, wenn sie ihn brauchen“, erklärt Reinedahl. „Medizintechnik motiviert mich: Wenn man etwas erreicht, profitieren auch andere. Man macht das nicht nur für sich selbst.“ Für sie ist das MedTech-Start-up somit ein Volltreffer: Rothenwänder arbeitet in Salzburg an der Technologie, sie übernimmt in Wien das „Unternehmen um das Produkt“.
Die WU Wien machte das Team auf WU Ignite Ventures aufmerksam – den Vertrag um 50.000 Euro unterschrieben sie im Oktober 2025. „Das wird in zwei Tranchen ausbezahlt.“ Das erste Geld floss in die Firmengründung, die Patentanmeldung und größtenteils (rund 20.000 Euro) in den ersten funktionsfähigen Prototypen. „Den zweiten Teil gibt es erst nach erreichten Meilensteinen.“ Konkret: Wenn ein weiterer Investor die Finanzierung für die kommenden zwölf Monate absichert. „Wir sind zurzeit in Gesprächen mit weiteren Angel-Investoren.“ So sollen alle präklinischen Studien abgeschlossen werden, um nachzuweisen, dass der Prototyp sicher ist. Danach folgen größere Investmentrunden für die kommenden drei Jahre. Ziel sind rund drei bis fünf Millionen Euro. Damit soll das fünfköpfige Team bezahlt werden.
Was noch ansteht? Mittwoch geht es nach Salzburg zum Pitchen, nächste Woche in die Schweiz. „Es nimmt langsam immer größere Dimensionen an, und ich freue mich sehr“, sagt Reinedahl.
- Wer? Michael Ramel (WU Wien) und Christoph Oswald (FH Technikum) sind die Co-Gründer von constrct. Die ConstructionTech-Firma gibt es seit 2024.
- Was? Mit einer B2B-Plattform für Baumaterialbeschaffung und Baustellenlogistik will das Duo Bestellungen automatisieren, Lieferanten bündeln und ESG-Transparenz schaffen.
- Nächstes Ziel: Ihr Fokus liegt aktuell auf der Händlerplattform. Die will man fertigentwickeln und launchen.
Die ersten Meilensteine
- Der erste zahlende Kunde
- Die erste live Bestellung
- Förderung von AWS
Die Baumaterial-App
Dass es Michael Ramel einmal in die Baubranche verschlägt, war früh klar. Seit seinem siebenten Lebensjahr ist er auf Baustellen unterwegs und hat gesehen, was gut läuft – und was nicht. „Ich bin auf dem Beifahrersitz meines Vaters aufgewachsen“, erzählt er. Effizienzpotenzial sieht er im Baustoffeinkauf und in der Baulogistik. Bauunternehmen bestellen immer noch per E-Mail oder Telefon. „Da kann einiges schiefgehen.“ Bestellungen bleiben im Postfach hängen, Ansprechpartner sind nicht erreichbar.
Genau hier setzt sein Start–up constrct an. Mit einer Software können Bauunternehmen Baumaterialien direkt von der Baustelle per App bestellen - bei allen Lieferanten. „Der Prozess wird wesentlich effizienter gestaltet. Bestellungen gehen bei uns doppelt so schnell. Es ist ähnlich wie Onlineshopping“, erklärt er. Das spare administrative Arbeit und bringt Vorteile bei der Nachhaltigkeitsberichterstattung: „Man kann Datensammlungen automatisieren und hat somit einen Ort, wo alle möglichen ESG–Informationen gesammelt werden.“ Kurz: Die Nachhaltigkeitsdokumentation wird hürdenlos.
„Er hat sich erwartet, dass es so ein Produkt bereits gibt - aber nein“, ergänzt sein Co-Gründer Christoph Oswald. Also entschied sich Ramel, es selbst zu entwickeln. Neben dem Studium arbeitete er das Konzept alleine aus. Der Haken: Er ist kein Softwareentwickler. Über LinkedIn schrieb er die Stelle aus und lernte so Oswald kennen, der sich gerade beruflich neu orientierte und selbstständig machen wollte. „Als diese gute Idee dahergekommen ist, fiel die Entscheidung leicht“, sagt Oswald.
Was als Nächstes ansteht? Die kommenden Finanzierungsrunden. Angepeilt ist ein mittlerer sechsstelliger Betrag.
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