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Wirtschaft Karriere
10/09/2021

Unternehmen sind die größten CO2-Emittenten: Wie Firmen sauber werden

Über 80 Prozent der CO2-Belastung geht von Unternehmen aus. Wo die Verantwortung der Wirtschaft liegt und was die größten Unternehmen jetzt tun.

von Diana Dauer

„Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut.“ Der Werbekampagnen-Spruch der Wirtschaftskammer aus den 2000er Jahren, der damals die Gemüter weckte, hat in den vergangenen 19 Monaten Covid-Pandemie einen bitteren Beigeschmack der Aktualität bekommen.

Mittlerweile aber erklären Ökonomen in Österreich diese Corona-bedingte Krise wirtschaftlich für beendet. Das bedeutet aber nicht, dass nun genauso weitergemacht werden kann, wie Prä-Corona, sind sich Experten einig. Denn die immer noch andauernde Gesundheitskrise ist nicht das einzige Problem, mit dem sich die Gesellschaft konfrontiert sieht. Da wäre noch die große Sorge um das Klima.

Unternehmen emittieren das Gros

„Wirtschaft, Politik und Gesellschaft müssen dieses Thema angehen und stark und sofort handeln“, sagt Klimaökonom Karl Steininger im KURIER-Gespräch. Es kann zwar jeder Einzelne einen Beitrag durch bewusstes Handeln leisten, wenn die Wirtschaft – global und national – aber nicht bis 2030 klimaneutral arbeitet, kann ein Aufhalten des Klimawandels nicht gelingen.

Alleine in Österreich emittieren Unternehmen das Gros des inländischen CO2- Ausstoßes. Von insgesamt 76,7 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten, die Österreich im Jahr 2019 produziert hat, entfallen satte 61,7 Millionen Tonnen auf den Ausstoß durch Unternehmen und 15 Millionen Tonnen auf Privathaushalte.

Dass der Ausstoß direkten Einfluss auf die Umwelt hat, wurde nicht zuletzt während der ersten Lockdown-Phasen im Jahr 2019 sicht- und spürbar. Wir erinnern uns an kristallklares Wasser und Delphine in Venedig, deutlich bessere Luftqualität und bessere CO2-Werte – auch in Österreich.

Covid-Effekt verpufft

Die vermeintliche Verbesserung der Weltlage aber war von kurzer Dauer. Mit dem Annähern an das wirtschaftliche Vorkrisenniveau ist auch der positive Covid-Effekt auf die Umwelt verpufft.

Der Verein Scientists for Future äußerte sich im Vorfeld der Präsentation der österreichischen ökosozialen Steuerreform besorgt.

Der Klimawissenschafter Gottfried Kirchgast übte harte Kritik: „Der Einmal-Ausreißer, den es im Coronajahr 2020 gab, wird sich nicht wiederholen“, das liege an der immer noch zu starken Nutzung fossiler Ressourcen vor allem in der Mobilität oder der Industrieproduktion.

Es brauche eine große Veränderung, wissen die Scientists for Future. Und diese ginge „nicht nur über Lebensstilveränderung“, sagte auch die Umwelthistorikerin Verena Winiwarter.

Die Wissenschafter von Scientists for Future forderten deshalb eine Mindest-CO2-Bepreisung von 100 Euro pro Tonne ab dem Jahr 2022. Das sei das Mindestes, was man von einem Klimaschutzgesetz erwarten könne, so die streitbaren Wissenschafter.

Die geplante Co2-Bepreisung

Geworden ist es weniger. Die nun paktierte ökosoziale Steuerreform sieht eine gestaffelte CO2- Bepreisung ab dem Jahr 2022 vor. Ab Juli 2030 sieht die Reform einen Preis von 30 Euro pro Tonne CO2 vor, die bis 2025 stetig auf 55 Euro steigen soll.

Die Bepreisung klimaschädlicher Treibhausgase ist ein zweites Werkzeug neben dem Emissionshandelssystem, das auf EU-Ebene bereits seit längerer Zeit besteht. Mit der Bepreisung klimaschädlicher Emissionen würden nun auch Sektoren, Unternehmen und Privatpersonen zur Verantwortung gezogen, die bisher vom Emissionshandelssystem ausgenommen waren.

Was heißt das für die Wirtschaft?

Das Energieinstitut an der Johannes-Kepler-Universität hat in einer ersten schnellen Analyse berechnet, dass sich die Steuerreform im Zeitraum 2022 bis 2025 positiv auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) auswirken wird – das BIP soll 2025 um ein Prozent höher ausfallen, also um mindestens fünf Milliarden Euro.

Insgesamt seien die Auswirkungen aufgrund der Kompensationsmaßnahmen leicht positiv. Durch die Steuerreform würden im Jahr 2025 rund acht Prozent der CO2-Emissionen eingespart.

Kritik gab es im Nachhall der Präsentation aber von vielen Seiten. Umweltschützer beklagen einen zu niedrigen Preis und eine zu große Entlastung energieintensiver Konzerne, was zu geringen Lenkungseffekten führe. Auf Seite der Wirtschaft wird betont, dass die Entlastung der Konzerne wichtig sei, um die Wettbewerbsfähigkeit der Konzerne zu bewahren und den Wirtschaftsstandort Österreich abzusichern.

Das Tool

Grundsätzlich werden die Reform und die Bepreisung aber großflächig als wichtiges und dringend notwendiges Werkzeug begrüßt.

Klimaökonom Karl Steiniger sagt dazu im KURIER-Gespräch: „Die CO2-Bepreisung ist ein völlig richtiges Rahmenwerk. Es ist ein grundsätzliches Instrument. Jetzt müssen wir nur noch weiter am Rädchen Steuersatz drehen. Und das wird ja dann hoffentlich bald passieren. 2008 wurde der Liter Benzin knapp 20 Cent teurer, da waren deutliche Lenkungseffekte zu sehen. Jetzt sind es acht bis neun Cent, es wird also länger dauern, bis wir etwas bemerken“.

Österreich als Schlusslicht

Österreich ist bei der CO2-Emission im europäischen Vergleich „ziemliches Schlusslicht“, erklärt Klimaökonom Steininger weiter. Die gesamte EU habe ihre Emissionen seit 1990 gesenkt, Österreichs ist gestiegen, so der Wissenschafter.

Diese Entwicklung aber einer flächendeckenden Untätigkeit der Wirtschaft und Unternehmen zuzuschieben, ist nicht ganz gerecht. Es brauche eben eine Kombination aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.

Seit dem Pariser Klimaabkommen 1990 sei ein immenser Bewusstseinsanstieg bei den Unternehmen zu spüren. „In vielen Bereichen halte ich Unternehmen für vorauseilend und die Politik viel zu zögerlich nachkommend“, erklärt der Klimaökonom.

Unternehmen for Future

Die Bereitschaft zur Investition und Umgestaltung in den Unternehmen ist groß, oft würden aber die politischen Rahmenbedingungen fehlen, um den Betrieben die notwendige Investitionssicherheit zu geben.

Das bestätigt auch Christiane Brunner, Vorständin des Vereins CEOs for Future und sagt weiter: „ Es ist vielen Managern bewusst, welche Verantwortung sie als führende Unternehmen dieses Landes bei der Dekarbonisierung haben.“

Weswegen sich der Verein, der aus etwas mehr als 30 Mitgliederunternehmen von ÖBB bis Nespresso, auch mittels Positionspartei klar für eine CO2-Bepreisung ausgesprochen hat. Zusätzlich sieht Brunner für Unternehmen, die in Dekarbonisierung investieren einen Wettbewerbsvorteil: Wer jetzt vorne dabei ist, wird später punkten.“

Dabei muss zwischen dienstleistenden und produzierenden Unternehmen unterschieden werden. Aber vor allem energieintensive Betriebe, etwa aus der Stahl- und Zementproduktion können über Investitionen in Forschung und eigene Dekarbonisierung einen Unterschied machen.

Müssen auf Null

Klar ist, dass Österreich auf null Tonnen Emission reduzieren muss, sagt Klimaökonom Steininger. „Dieses Ziel ist technisch möglich, die Frage ist nur, wie wir dort hinkommen. Wenn die richtigen Rahmenbedingungen kommen, schaffen wir das. Aber es heißt sofort und stark handeln.“

Es gebe von Unternehmerseite starke Schritte, sagt Steininger und nennt als Beispiele die Pilotanlage der Voestalpine.

Die Voestalpine hat 2020 die Liste der größten Emittenten in Österreich mit 11,4 Millionen Tonnen CO2- Äquivalenten angeführt.

Die Stahlproduktion ist ein besonders energieintensiver Sektor. Das Unternehmen aber scheint sich seiner Verantwortung und Macht das Ruder umzureißen bewusster zu werden.

So will die Voestalpine durch einen teilweisen Umstieg von kohlebasierten Hochöfen auf Elektroöfen die CO2-Emissionen um etwa ein Drittel bis 2030 senken.

Auch die OMV findet sich in der 2020-er-Liste der größten Emittenten in Österreich weit vorne und belegt mit 2,9 Millionen Tonnen CO2- Äquivalenten den zweiten Platz.

Die direkten Treibhausgase der OMV Group weltweit beliefen sich auf 10,7 Millionen Tonnen CO2- Äquivalente, die indirekten (aus dem Stromzukauf, Einkaufsvolumen und der Verwendung der Produkte durch Kunden) lag vergangenes Jahr bei 118,3 Millionen Tonnen, sagt das Unternehmen auf KURIER-Anfrage.

Konkret listet die OMV Group folgende „aktuell gültigen Ziele“ auf: Bis 2025 will man die CO2-Intensität ihrer Geschäftstätigkeit um mindestens 30 Prozent reduzieren. Durch die Umsetzung von konkreten Treibhausgas-Emissionsreduktionsprojekten will man bis 2025 weiters mindestens eine Million Tonnen CO2-Äquivalente einsparen. Und sie nennen diese Ambition: Klimaneutralität in der Betriebstätigkeit bis 2050 oder früher. Außerdem soll das Portfolio bis 2025 aus mindestens 60 Prozent CO2-arme beziehungsweise CO2-freie Produkte bestehen.

Als großer Dienstleister hat die österreichische Post AG im Jahr 2020 eigenen Angaben zufolge 87.000 Tonnen emittiert. Seit 2011 werden ressourcenschonende Maßnahmen eingeleitet, etwa 100 Prozent Grünstrom. Bis 2030 will man 40 Prozent des CO2-Ausstoßes reduziert haben und in der Zustellung CO2-frei werden. „Daher stellen wir die gesamte Zustellflotte in Österreich auf E-Fahrzeuge oder Fahrzeuge mit anderen alternativen Antrieben um. Bereits ab 2024 werden wir keine konventionellen Fahrzeuge mehr anschaffen“, lässt der Leiter der Corporate Social Responsibility und Umweltmanagement der Post AG, Daniel-Sebastian Mühlbach den KURIER wissen.

In einem ganz anderen Sektor und daher mit anderen Reduktionsmöglichkeiten ist Michaela Reitterer tätig.

Sie ist Eigentümerin des Boutiquehotels Stadthalle und Präsidentin der Österreichischen Hotellerievereinigung.

Auch sie engagiert sich bei CEOs for Future. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Hotellerie, vor allem Ferienhotellerie, nur in einer intakten Umwelt erfolgreich ist“, sagt Reitterer. Sie sieht hier großes Einsparungspotenzial.

Ob eine Sauna mit grünem Strom oder fossiler Energie beheizt wird, würde der Gast nicht sehen, es mache aber einen Unterschied. In ihrem Hotel selbst werden bereits seit Jahren Nachhaltigkeitsmaßnahmen umgesetzt.

In einem Passivhaus wird der Strom erzeugt, der über das Jahr verbraucht wird. Speisen, Produkte und Interieur sind biologisch, regional und fair bezogen. 17 Zimmer des Hotels sind den 17 Sustainable Development Goals gewidmet. Durch das Weglassen einer Minibar in den Hotelzimmern werden 21.000 Kilo CO2 pro Jahr eingespart.

Die Unternehmerin sieht in diesen Maßnahmen wirtschaftliche Vorteile. „Das ist zwar nicht der Grund, aber es gibt einen deutlichen Wettbewerbsvorteil, durch Investitionen und Handeln“. Nachhaltigkeit sei sowohl der Wunsch der Gäste und stärke das Employer Branding. „Wir haben keinen Personalmangel, weil die jungen Leute bei uns arbeiten möchten.“

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