Wirtschaft | Karriere
25.07.2018

Temperaturschwankung im Büro: Zwischen 15 und 35 Grad

Rollt die Hitzewelle durchs Land, wird das Büro für die einen zur Sauna. Andere wiederum nehmen den Pulli mit.

Eigentlich hat Schelato-Gründer Luciano Raimondi einen der coolsten Jobs überhaupt: Eis herstellen. „Aber wenn’s richtig heiß ist, kommt unsere Klimaanlage gegen die Abwärme der Eismaschinen nicht an“, erzählt der Bio-Eis-Entrepreneur mit Salons in Wien. Bei weit über 30 Grad heißt arbeiten daher selbst für Raimondi: schwitzen. Rollt die Hitzewelle durchs Land, teilen viele sein Schicksal. Denn hitzefrei gibt es nur für Bauarbeiter. „Da gilt Hitze seit 2013 als Schlechtwetter“, erklärt Hildegard Weinke von der AK Wien. Für alle anderen heißt es auch bei 35 Grad im Schatten: weitermachen. Laut Gesetz ist der Arbeitgeber zwar verpflichtet für eine akzeptable Arbeitstemperatur zu sorgen – 18 bis 24 Grad bei normaler körperlicher Belastung, etwa im Handel, oder 19 bis 25 Grad bei geringer körperlicher Belastung, also in Bürojobs. In der Realität steigen die Temperaturen oft aber höher: „Wir bekommen viele Anrufe zu dem Thema“, erklärt Weinke. „Die Menschen leiden stark unter Hitze.“ Auch die Arbeitsleistung sinkt – um 30 bis 70 Prozent.

Klimaanlage erwünscht?

Die Liste der Arbeiten-im-Sommer-Tipps ist daher lang: Viel trinken, aber bitte nicht mit Trink-Apps, sondern nur dann, wenn man wirklich durstig ist. Wer kann, der sollte Frühschichten einlegen, möglichst viele Elektrogeräte ausschalten und Jalousien und Fenster schließen, sobald die Sonne brennt. Eine trendige aber realitätsferne Idee haben Forscher der Uni Wageningen: Den Arbeitsplatz bei Hitze unter den nächsten Baum verlegen. Gemäß ihrer Studie fühlt es sich dort zehn bis 15 Grad kühler an.Glücklich also,wer eine Klimaanlage im Büro hat? Mitnichten. Denn paradoxerweise führen die Kühlanlagen dazu, dass viele selbst an Tagen, da sich die Bauarbeiter selbstbewusst ohne Leiberl präsentieren, einen Wollpulli in die Büro-Tasche packen. An der Universität Maastricht haben zwei Biologen festgestellt, warum: Die meisten Büro-Klimasysteme sind auf Männer eingestellt – und die arbeiten gerne bei 22 Grad , während Frauen bei diesen Temperaturen zu frieren beginnen. Ändern lässt sich daran wenig. Weinke: „Auf welche Temperatur die Klimaanlage eingestellt wird, bestimmt der Arbeitgeber.“ So lange es im erlaubten Bereich liegt, haben Arbeitnehmer dagegen – außer mit Wollpullis – wenig Handhabe.

Ungleiche Wahrnehmung

Marketingleiter Marcellus Trummer kann die Klimaanlage einstellen, wie er möchte: „Aber ich teile mir ein Büro mit der Chefsekretärin. Und sobald jemandem kalt wird – meist der Kollegin – schalten wir sie aus“, erklärt er. Dass Frauen und Männer Hitze nicht gleich wahrnehmen, hat seiner Meinung nach auch etwas mit Kleiderregeln zu tun: „Lange Hose und Hemd sind für Männer oft Mindeststandard, kulturell niveauvolle Sommerkleidung gibt es für uns nicht“, konstatiert er. Nachsatz: „Ich wünsche mir manchmal auch ein bürotaugliches Spaghettikleid .“ Doch was wäre die ideale Bürotemperatur überhaupt? Darüber sind sich selbst Studien uneins. Die Universität Cornell hat errechnet, dass die maximale Produktivität bei 25 Grad liegt. Das britische Chartered Institute empfiehlt 20 Grad. Die Helsinki University of Technology 22 Grad. Einig ist man sich nur darin: Frost-Aktionen wie die von Mark Zuckerberg – laut Berichten bevorzugt der Facebook-Chef 15 Grad in Besprechungsräumen – sollten kein Vorbild sein.