Wirtschaft | Karriere
22.06.2018

Neues Arbeiten: mit Vertrauen

Die UniCredit Bank Austria übersiedelt auf den neuen Austria Campus. Mitarbeiter arbeiten dort jetzt ohne Zeit und Ort.

Im zweiten Bezirk, unweit des Wiener Praters, läuft gerade das größte Umzugsprojekt des Landes. 5300 Mitarbeiter der UniCredit Bank Austria, konkret alle Konzernmitarbeiter und ihre Töchtergesellschaften, siedeln seit März und noch bis Juli von mehreren Standorten auf den Austria Campus zusammen. 500 Millionen wurden in den neuen Stadtteil am ehemaligen Nordbahngelände investiert, die Bank Austria ist dort Mieter und hat ihre Büros vom Architekten Boris Podrecca gestalten lassen. Einen fixen Arbeitsplatz am neuen Austria Campus hat kein Bank-Austria-Mitarbeiter mehr: das Raumkonzept heißt jetzt Open Office.

KURIER: Frau Tomanek, 5300 Mitarbeiter übersiedeln gerade an diesen neuen Standort. Eine große logistische Herausforderung.

Doris Tomanek: Und wie. Die Mitarbeiter packen jeweils am Freitag ihre zwei Laufmeter Übersiedlungsgut ein und am Montag stecken sie ihre Laptops hier im neuen Büro wieder an. Bisher funktioniert alles gut, bis Juli sind dann auch wirklich alle Mitarbeiter hierher übersiedelt.

Die Mitarbeiter der Bank Austria sitzen jetzt am neuen Standort im offenen Raumkonzept. Wie sitzen die Vorstände?

Wir haben auch ein sehr luftiges Raumkonzept, jeder hat zwar einen eigenen Raum, aber in der Regel mit offenen Türen. Die Kommunikation ist damit viel intensiver als früher.

Es gab bei der Bank Austria in den vergangenen Jahren sehr viele Veränderungen: Umstrukturierung, Kostensenkung, Mitarbeiterabbau – und jetzt dieser große Umzug. Sehr viel Turbulenzen für ein Unternehmen. Wie hat sich das ausgewirkt?

Der Transformationsprozess ist natürlich riesig. In diesem Prozess konnten sich die Mitarbeiter aber selbst entscheiden, ob sie weiterhin im Unternehmen bleiben wollen oder nicht, ob sie den Weg mit uns weiter gehen wollen, oder nicht. Wir sind jetzt in der Situation, dass nur mehr jene Mitarbeiter da sind, die das auch wirklich wollen. Und deshalb ist die Stimmung auch gut. Der aktuell laufende Umzug bringt nochmals einen neuen, positiven Schwung.

Sie haben Ihre Arbeitsweise umgestellt.

Wir haben in den vergangenen Jahren viel investiert in die Entwicklung, wie wir in Zukunft aufgestellt sein wollen, wie wir arbeiten wollen.

Das Konzept heißt: Smart Working. Ein offenes Raumkonzept, ohne fixe Arbeitsplätze. Man kennt das aus anderen Büros, jeder Mitarbeiter hat seinen Laptop und ein Mobiltelefon und geht täglich zu einem (nicht zu seinem) Arbeitsplatz.

Wir haben schon in den vergangenen Jahren begonnen, auf dieses System umzustellen. Heute haben wir Arbeitszeit mit hoher Flexibilität: wir kontrollieren Anwesenheit nicht. Es ist ein Konzept, basierend auf Vertrauen und Eigenverantwortlichkeit. Ein Großteil der Mitarbeiter kann arbeiten, von wo sie wollen. Natürlich immer unter Rücksichtnahme auf das Team, die Anforderungen des Vorgesetzten und Meetings.

Paradoxerweise kommt zum Mitarbeiterabbau der vergangenen Jahre ja auch die Rekrutierung neuer Mitarbeiter.

Ja, das ist im Plan vorgesehen. Wir nehmen jedes Jahr Lehrlinge, Maturanten und Uni-Absolventen auf, zusammen etwa 150 neue Mitarbeiter. Und auch rund 700 Praktikumsplätze vergeben wir jedes Jahr, in ganz Österreich.

Sie haben als Personalchefin die Umstrukturierungsprozesse begleitet. Was haben Sie gelernt?

Die Finanzindustrie geht durch herausfordernde Zeiten. Vom Personalmanagement her ist es wichtig, dass man Menschen immer offen und fair behandelt. Wir sind zum Glück ein Unternehmen, das Abbauprozesse in einer fairen Art umsetzen konnte.

Warum ist eine Bank, aus Ihrer Sicht, ein interessanter Arbeitsplatz?

Wir sind eine Industrie, die sich in einem großen Veränderungsprozess befindet. Es ist gerade deshalb superspannend, hier mitzuarbeiten. Als große Bank haben wir viele Möglichkeiten. Die neue Arbeitsweise sehe ich auch als Differenzierungsfaktor: um Banken in Zukunft zu einem modernen, attraktiveren Arbeitgeber zu machen.

Zur Person: Doris Tomanek ist seit Mai 2010 Mitglied des Vorstands der UniCredit Bank Austria AG, mit Verantwortung für Human Resources Austria & CEE. Seit Oktober 2016 ist sie zuständig für Human Capital.