Beständigkeit oder Bremse? Die Rolle der österreichischen Mittelschicht
In Österreich ist die Mittelschicht eine außergewöhnlich solide Bevölkerungsgruppe. Sie ist fester und beständiger als in anderen Ländern. Es sind die mittleren 60 bis 80 Prozent aller, die große Gruppe der mittig Situierten – wiewohl diese Gruppe an den Rändern nach unten und oben hin sehr divers sein kann.
Wo man sich selbst in der Gesellschaft wiederfindet, ist von mehreren Faktoren abhängig. Nicht immer hat man diese Faktoren in der Hand, nicht immer sind sie (einfach) veränderbar. Erbe, Können und Fleiß sind die Hauptingredienzien von Wohlstand – wer sich selbst verbessern will, einen Aufstieg anstrebt, muss meist was tun. Den anstrengenden Weg gehen.
In der Mitte der Gesellschaft ist es gerade in Österreich sehr fein. Die Verharrungskräfte sind groß, es wird geschätzt und gerne verteidigt, was man hat, ohne größere Ambition, mehr zu wollen und mehr zu schaffen. Oft begleitet von der Frage, ob sich mehr Leistung und Einsatz überhaupt lohnen. Es ist das typisch österreichische „passt schon“ anstatt des Strebens nach etwas Besserem.
Diese heimische Gemütlichkeit verschafft eine Beständigkeit, ja, aber in Zeiten harter internationaler Konkurrenz und deren Erfolgshunger ist sie eine immer stärker wirkende Bremse. Es darf jetzt auch durchaus ein bisserl mehr sein. Das ist bestimmt gut für alle.
Kommentare