Wirtschaft | Karriere
05.02.2019

Konzern Ade, Hallo Start-up!

Hohes Einkommen, sicherer Arbeitsplatz – das tauschte Ex-Microsoft-Manager Lukas Keller gegen den Reiz des Neuen. Jetzt ist er CEO des Linzer Start-ups Presono und will die Art, zu präsentieren, revolutionieren.

KURIER: Sie waren 15 Jahre lang bei Microsoft, die letzten drei in der österreichischen Geschäftsführung. Jetzt sind Sie in das Start-up Presono als CEO eingestiegen. Objektiv gesehen muss man fragen: Warum tun Sie sich das an?

Lukas Keller: Ich habe mich in den vergangenen Jahren sehr viel mit Simon Sinek und dem Thema „why“, also der Sinnfrage, beschäftigt. Es ist durchaus legitim, sich als Individuum im Berufsleben diese Frage alle paar Jahre zu stellen. Ich habe in den 20 Jahren Konzernkarriere – sie waren voller Erfahrung und Verantwortung – viel lernen dürfen. Als ich 50 wurde, hab ich mich gefragt, ob ich in den Bereichen Gehalt, Anerkennung und Spaß zufrieden bin. Diese Themen haben ja in jeder Lebensphase eine unterschiedliche Bedeutung.

Und Sie haben festgestellt, Sie brauchen mehr Risiko?

Wie gesagt, es ist sicher eine Sache der Lebensphase. Wenn ich 30 bin und eine Familie gründen möchte, werde ich nicht so risikoreich unterwegs sein, wie einer, der das alles schon hinter sich hat. Ich verdiene jetzt signifikant weniger, als ich vorher verdient habe. Aber ich habe Spaß, der ist vorher auf der Strecke geblieben. Das Risiko bei Presono ist vergleichbar mit anderen Star-ups in einer ähnlichen Phase. Dank der Investoren haben wir Unterstützung in mehrfacher Hinsicht, das hilft, um an der Entwicklung und der Kundengewinnung zu arbeiten. Die Erwartungshaltung ist, in einem Jahr den Break-even zu schaffen.

Wie fühlt sich das an, erstmals unternehmerisch tätig zu sein – und in der Verantwortung von Investoren zu stehen?

Extrem gut. Ich habe so viel Energie und Enthusiasmus für die Sache. Meine Frau sagt, sie hat mich noch nie so gesehen. Man muss aber wieder viel lernen, das ist wohl das Wesen unserer Zeit. Natürlich bieten einem Firmen wie Microsoft eine enorme Freiheit, unternehmerisch zu denken – trotzdem ist das im Rahmen einer Konzernstruktur, am Ende des Tages gibt es klare Vorgaben. Das Selbstgestaltende, Freie macht irre viel Spaß.

Mit der Technik, also dem Erstellen von Präsentationen, dringt Presono in einen saturierten Markt ein. Microsoft ist hier mit Powerpoint wohl der größte Player.

Powerpoint hat schon seine Berechtigung. Bei Presono ist der Präsentationszugang ein anderer. Da geht’s um Storytelling, wie vermittelt man Inhalte, wie begeistert man und macht guten Eindruck. Microsoft ist stark entwicklergetrieben, bietet neue Features an. Der Ansatz von Presono ist: Firmen und Individuen in den Mittelpunkt stellen – vom Präsentieren, über Verwaltung von Informationen, Teilen von Inhalten bis zum Service.

Sie steigen mit der Geschäftsidee aber in den gleichen Markt wie Ihr Ex-Arbeitgeber mit Powerpoint ein. Strategie?

Es war nicht gewollt, nein (lacht). Die Geschichte dahinter ist: Ich kenne Günther Helm, Ex-Vorstand von Hofer. Er erzählte mir von einem Software-Start-up in Linz, das er unterstützt – am gleichen Tag noch habe ich mich mit den Gründern Martin Behrens und Hannes Freudenthaler getroffen und sie ab dann über einige Monate business-technisch unterstützt. Irgendwann kam der Wunsch, ich solle als CEO einsteigen und professionalisieren.

Wieso holen Gründer einen externen Manager?

Weil sie sich Managementkompetenz holen wollten, die sie in manchen Bereichen noch nicht haben.

Zurück zu Ihnen und Microsoft: Ist ein Exit an Microsoft eines Tages realistisch?

Zurück zu Microsoft? Das wäre lustig. Es ist nicht das Ziel, aber natürlich ist ein Exit etwas, an das viele Start-ups denken. Da sind wir aber noch ein Stück weit weg. Wenn es so weit ist, haben die Investoren natürlich Mitspracherecht. Aber wir sind nicht auf Exit und viel Geld machen gepolt. Das wäre der falsche Antrieb.

Sind Sie und Ihre Gründer an Presono beteiligt?

Es gibt ein Modell, bei dem ich, sollte ein Exit zustande kommen, auch etwas davon habe.

Was werden nun Ihre ersten Schritte sein?

Meine Rolle ist ja Sales- und Marketing orientiert. Wir denken gerade stark über Internationalisierung nach.

Zur Person

Lukas Keller startete seine Karriere bei Apple und hatte Stationen bei Prisma Express und Adobe. 2003 wechselte er zu Microsoft, ab 2015 war er Teil der österreichischen Geschäftsführung. Seit Jänner ist er nun CEO von Presono, einem Start-up, das das Präsentieren revolutionieren will. Gemeinsam mit den Gründern Hannes Freudenthaler und Martin Behrens arbeitet er mit 20 Mitarbeitern an Lösungen für Firmenkunden. Eine Version für private User ist in Arbeit. Den Investoren gefällt’s: Beteiligt sind heute etwa Ex-Hofer-CEO Günther Helm oder Unternehmer Markus Friesacher.