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Wirtschaft Karriere
02/06/2021

Homeoffice: Warum man mit Bürogeräuschen besser arbeiten kann

Warum man mit Bürogeräuschen produktiver arbeiten kann und wie man sich im Homeoffice akustisch richtig einrichtet.

von Teresa Richter-Trummer

Noch vor einem Jahr galt Stille als der neue Luxus: Stille erfrischt, steigert die kognitive Leistung, reduziert Stress, hält gesund, macht kreativ – es gab viele Gründe, die Stille zu suchen und Meditations- und Achtsamkeitskurse waren gut gebucht.

Ein Jahr und drei Lockdowns später weiß man: Zu viel Stille kann auch schaden. Plötzlich vermisst man sie, die Stimmen der Kollegen, das Klappern der Tastaturen, das Piepen des Kaffeeautomaten. Was im Homeoffice anfangs als erleichternd und konzentrationsfördernd erlebt wurde, wird – vor allem für Alleinstehende – auf die Dauer bedrückend.

Euphorie verflogen

„Die anfängliche Homeoffice-Euphorie, die man zu Beginn des ersten Lockdowns vielerorts beobachten konnte, ist teilweise verflogen. Vielmehr wird das ausschließliche Arbeiten von zu Hause zunehmend als Belastung empfunden“, weiß Barbara Kellner, Managerin bei Deloitte Österreich.

„Während manche die Ruhe genießen, können sich andere bei Stille nicht konzentrieren und brauchen das Treiben im Büro um sich.“
 

Barbara Kellner | Managerin bei Deloitte Österreich

Freilich regieren Menschen unterschiedlich auf die neue Arbeitssituation. Dennoch kann es helfen, sich das Homeoffice aber nicht nur mit gutem Stuhl, Tisch und Internetanschluss auszustatten, sondern es auch akustisch den eigenen Bedürfnissen entsprechend einzurichten.

Künstliche Geräusche

Kellner:„All jene, denen die Bürogeräusche in ihren eigenen vier Wänden abgehen, haben mittlerweile verschiedenste Möglichkeiten, sich diese Geräuschkulisse nach Hause zu holen. Es gibt zahlreiche Anbieter mit einer großen Auswahl an Sounds zum konzentrierten Arbeiten.“

Auf soundofcolleagues.com etwa kann man sich einen Büro-Soundmix zusammenstellen, der dann gemächlich im Hintergrund läuft: Druckergeräusche, Kollegengemurmel, Kaffeemaschine – sogar ein Bürohund lässt sich akustisch dazuschalten.

Kellner dazu: „Manche arbeiten konzentrierter, wenn sie einen gewissen Geräuschpegel um sich herum wahrnehmen, andere wiederum brauchen Stille zur besseren Konzentration. Das hängt auch von den konkreten Aufgaben und von der Tagesverfassung ab.“

Musikhören entspannt

Manchmal, so weiß sie, hilft es aber auch schon, das Radio oder die Lieblingsplaylist leise im Hintergrund laufen zu lassen. Gerade Musik hilft vielen beim Entspannen. Dass Musik großen Einfluss auf uns hat, ist nichts Neues: Sie kann etwa die Ausschüttung von Endorphinen bewirken, und zu einer Verringerung des Stresshormons Cortisol führen.

 Wie Musik auf Menschen wirkt, wird seit einigen Jahren intensiv erforscht. Hier ein paar Anwendungsmöglichkeiten, um das Homeoffice soundmäßig richtig auszustatten.

Konzentration:  Analysen von psycho-physikalischen Daten zeigen, dass sich Naturgeräusche positiv auf das Denkvermögen und  die Konzentration  auswirken. Warum also nicht mit Naturgeräusche-Playlists  – ob  Vogelstimmen oder Meeresrauschen – experimentieren?

Produktivität: Ob klassische Musik  unsere  Produktivität steigert, wird unter dem Hashtag „Mozart-Effekt“ auch in Forscherkreisen heiß diskutiert. Doch egal, ob die Musik von Mozart das abstrakte Denken fördert oder nicht: Hörenswert ist sie allemal.

Motivation: Viele Sportler motivieren sich vor dem Match mit Musik: Vor der  nächsten wichtigen Besprechung also ruhig einmal Stimmungssteigerer wie „We Will Rock You“  oder „Get Ready For This“ anhören.

 

 

Zudem wird vermehrt der Neurotransmitter Dopamin ausgeschüttet, der motivierend wirkt. Ein interdisziplinäres Team aus Stressforschern, Neurowissenschaftlern, Künstlern, Designern und Instrumentenbauern hat nun ein Instrument entwickelt, das direkt hier ansetzt und gerade im Homeoffice zur Anti-Stress-Oase werden könnte: Das OMIT.

Zehn Minuten Beschallung zum Runterkommen

„Der Grund für die Entwicklung des Instruments ist das derzeit steigende und ungesunde Stressniveau, das wir erleben. Wir glauben fest an die Kraft der Strukturierung der Art und Weise, wie wir mit Stress umgehen.

Unser Instrument ist ein Weg, um einen effizienten – und angenehmen – Moment zu schaffen, wie einen feierlichen Moment der Ruhe“, erklärt Erfinder und CEO Allan Montan sein innovatives Projekt, das im Finale der Georgia Tech Guthman Musical Instrument Competition steht.

Töne gaukeln Schlafzustand vor

Während einer Sitzung – man sitzt quasi im Instrument – hört der Benutzer zehn Minuten lang zwei vom Gerät erzeugte Töne, während er tief durchatmet. Zusammen erzeugen die beiden Töne einen binauralen Beat, eine auditive Illusion, die nur vom Gehirn wahrgenommen werden kann.

Montan: „Der Beat simuliert äußerlich eine Delta-Gehirnwelle, die im Gehirn während tiefer Meditation oder traumlosem Schlaf vorhanden ist. Dies hat eine tief entspannende Wirkung.“ Billig ist diese Art der akustischen Homeoffice-Einrichtung freilich nicht: Das OMIT kostet 10.000 Euro.

Reset für das Gehirn

Ein hoher Betrag – doch kann das Instrument wirklich helfen, die für viele herausfordernde Corona-Homeoffice-Zeit besser zu bewältigen? „Es kann auf jeden Fall in dem Sinne helfen, dass es eine Alternative zum gefühlten Status quo des Alltags bietet.

Die Rituale im Homeoffice unterscheiden sich ja sehr von denen im Büro – man wechselt seltener die Umgebung, sitzt mehr. Ein Instrument zu Hause zu haben, kann ein Weg sein, Gewohnheiten zu unterbrechen und einen Reset für das Gehirn in Gang zu setzen.“

Geräusche beeinflussen Stimmung

Im Allgemeinen, so der Erfinder, spielen Geräusche eine wichtige Rolle für unser Wohlbefinden und es wäre sinnvoll, die Geräuschkulisse auch in der Homeoffice-Einrichtung mitzudenken: „Wir brauchen Sounds um uns herum. Ich denke, viele vermissen derzeit ihre Routinen und besonders Geräusche sind oft Teil unserer versteckten Routinen. Sie sind etwas, das wir vielleicht nicht so bewusst wahrnehmen, das uns aber beeinflusst.“

Ein zu viel an Stille, könne sehr belastend sein. „Wir sind absolute Stille nicht gewohnt. Was die Konzentration meiner Meinung nach am meisten fördert, ist Vorhersehbarkeit und nachhaltige Gewohnheiten. Vorhersagbare Geräusche sind nicht so stressig und nachhaltige Gewohnheiten sind gerade jetzt wichtiger denn je“, so der schwedische Erfinder und Instrumentenbauer.

Welche Geräusche fehlen

Wer seinen Heimarbeitsplatz optimieren möchte, sollte sich daher in einem ersten Schritt überlegen, welche Geräusche ihm guttun und welche Geräusche Stress erzeugen. Montan: „ Das Nachdenken über Geräusche ist an sich schon ein guter Anfang. Denn wir reflektieren zu wenig über die Geräusche, die uns umgeben. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass unser Gehör oft der erster Sinn ist, mit dem wir Gefahren erkennen: Wir hören dann auf das Unregelmäßige und Abweichende. Und Stille an sich ist schon sehr abweichend.“

Laut Deloitte-Expertin Barbara Kellner stellt sich beim Thema Homeoffice-Soundeinrichtung auch die Frage, ob es wirklich die Bürogeräusche sind, die vielen fehlen – oder ob man sich nicht vielmehr nach der Kommunikation, die daraus entstehen kann, sehnt. Kellner: „Denn den lautstark telefonierenden Kollegen neben sich vermissen jedenfalls die wenigsten. “

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