Wirtschaft | Karriere
09.08.2018

Gewagt gefragt: „Schnecken entschleunigen“

Andreas Gugumuck macht Karriere mit Schnecken und beantwortet dazu unsere gewagten Fragen.

KURIER: Sie züchten in Ihrer urbanen Farm Schnecken. Färben die Tierchen bereits auf Ihr Arbeitstempo ab?

Andreas Gugumuck: Das würde ich mir wünschen. Meine Wochenstunden gehen an die 100 – aber nicht, weil ich so langsam arbeite.

Sie arbeiten also nie im Schneckentempo?

Nein. Aber ich war früher Amateur-Boxer und wenn ich am Beginn im Ring nicht wusste, wie es ausgehen wird, war mein Markending der Tempowechsel.

Kann man von Schnecken etwas für die Karriere lernen?

Ja. Und zwar im Jetzt zu leben. Schnecken kriechen nur fünf Meter pro Stunde, da könnte man sich Entschleunigung abschauen.

Gugumuck ist urgermanisch und heißt „der mächtig Lachende“ – lacht man manchmal über ihren Job?

Nein, viele meinen, mit dem Namen konnte ich gar nichts anderes werden. Die meisten sehen meinen Beruf sehr positiv, fragen nach und sind sehr interessiert.

Eignen sich Ihre Weinbergschnecken eigentlich auch als Bürojause?

Warum nicht? Wir machen zum Beispiel einen Leberkäse mit 20 Prozent Schneckenanteil. Das könnte man im Biosauerteigbrot mit einem Senfkaviar gut kombinieren. Schnecken sind ein echtes Future-Food, weil sie einen Bruchteil an Wasser, Land- und Futter-Ressourcen benötigen, um hochwertiges Eiweiß zu erzeugen.

Wie schmecken Schnecken?

Von der Konsistenz sind sie zwischen Muscheln und Tintenfisch. Schmecken tun sie nach Kalb mit einer leicht erdig nussigen Note.

Ist es ethisch vertretbar, sie zu essen?

Es gibt nichts Ethischeres, sie werden im schlafenden Zustanden gekocht.

Sie vermarkten sich auch über die Meisterstraße Österreich – worin sind Sie denn ein Meister?

Im Improvisieren. In unserem Betrieb tun wir Sachen, die noch nie davor wer gewagt hat und kommen so auf Ideen, die sonst noch niemand hatte. Wir bauen etwa gerade einen Food-Truck in Schneckenform.

Was braucht es, um mit Schnecken Karriere zu machen? Laut Homepage sucht Ihr Team Verstärkung.

Wir sind alle sehr kreativ. Der Küchenchef hilft etwa beim Foodtruck mit, die Büroassistentin beim Schneckenausnehmen.

Sie waren zehn Jahre lang Test- und Projektmanager in der IT-Branche. Was ist glitschiger: Eine Schnecke oder ein karrierebesessener Kollege?

Definitiv der Kollege. Schneckenschleim ist durchaus nützlich, wir planen daraus Schneckenkosmetik zu machen.

Sehr kreativ, so, wie Ihre Karriere: Sie waren auch Techno-Produzent und Boxer. Was planen Sie noch?

Wir wollen gerne zeigen, wie Stadt-Landwirtschaft im dicht bebauten Gebiet funktionieren kann. Mit nachhaltigen Konzepten aber ohne Romantik. Hierzu wäre ein Kompetenzzentrum mit Universitäten in Wien toll. In zehn Jahren würde ich das gerne verwirklicht sehen.