Wirtschaft | Karriere
28.03.2018

Gewagt gefragt: „Beruf als Berufung“

Ehrliche Antworten einer Lehrerin für Deutsch und Geschichte auf ungewöhnliche Fragen.

KURIER: Warum wurden Sie überhaupt Lehrerin?

Margot Landl: Meine beiden Eltern sind Lehrer und da gibt es ja schon eine hohe Selbstrekrutierungsrate ( lacht ). Ich habe immer mitbekommen, dass es ein sehr schöner und erfüllender Beruf ist.

Waren die vielen Ferien ein positives Entscheidungskriterium?

Nein, eigentlich nicht. Für die wenigsten Lehrer sind Ferien ein Grund für die Berufswahl. Wenn du nicht gern Lehrer bist, dann wiegen das die Ferien nicht auf. Für den Beruf muss man gemacht sein. Man braucht Geduld, ein dickes Fell und man darf kein Problem damit haben, dass einen 30 Leute anschauen, während man redet, sonst ist man fehl am Platz. Außerdem ist in den kürzeren Ferien meistens irgendwas, zum Beispiel irgendeine Prüfung, die man vorbereiten oder korrigieren muss. Unter dem Schuljahr ist es oft ziemlich dicht, da muss man dann auch öfter mal ein Wochenende lang korrigieren. Dafür hat man dann länger Ferien.

Haben Sie einen Lieblingsschüler?

Mehrere ( lacht ). Ja natürlich, das ist so. Das kann man nicht verhindern. Alles andere wäre gelogen. Wichtig ist nur, sich das im Unterricht nicht anmerken zu lassen.

Was wird im Konferenzzimmer getratscht?

Über die Schüler und Studenten, Fachliches, aber auch Privates. Ich denke, es ist nicht anders, als mit anderen Arbeitskollegen. Aber es werden auch witzige Geschichten geteilt. Gerade im Kurs Deutsch als Fremdsprache passieren lustige Dinge. Ein Student hat letztens die Wörter Schwager und schwanger verwechselt, das war dann im Kontext ziemlich witzig ( lacht ).

Was machen Sie am Nachmittag?

Den verbringe ich meistens mit Schulsachen. Korrigieren, vorbereiten, Mails schreiben und so weiter. Ich habe den Luxus, dass ich am Vormittag auch einmal eine Runde laufen gehen kann, dafür korrigiere ich am Wochenende Schularbeiten. Die freie Zeiteinteilung genieße ich, aber die Arbeit muss trotzdem gemacht werden.

Wie lange dauert die Stundenvorbereitung wirklich?

Für einen Fünf-Stunden-Block im Deutsch als Fremdsprache-Lehrgang bereite ich ungefähr zwei Stunden vor. Ich bereite aber gern mehr auf einmal vor. Wenn wir im Deutschunterricht eine bestimmte Epoche der Literaturgeschichte durchmachen, plane ich die Stunden in einem Schwung.

Was ist das nervigste Schüleralter?

Das ist eine schwierige Frage, ich habe erst eine Unterstufenklasse, zwei Oberstufenklassen und Lehrgänge für Deutsch als Fremdsprache unterrichtet. Ich arbeite aber prinzipiell gern mit älteren Schülern und Studenten. Unterstufenklassen sind zwar oft begeisterungsfähiger, dafür auch oft lauter und weniger eigenständig.

Wie reagieren Sie sich ab, wenn die Schüler anstrengend waren?

Ich gehe laufen.

Sitzen Lehrer am längeren Ast?

Das ist sicher heute weniger so als früher.Aber ich glaube, darum geht es auch gar nicht. Die Eltern sind oft stärker in das Schulgeschehen involviert, aber beide Seiten wollen das Beste für die Kinder.

Gehen Sie auf Punktesuche, wenn der Vierer knapp verfehlt worden ist?

Es ist sicher so, dass im Zweifelsfall mehr positive Punkte als Fehler gesucht werden.