Wirtschaft | Karriere
04.04.2018

Gewagt gefragt: Aus dem Leben einer Schauspielerin

Küssen mit Zunge? Schauspielerin Sonja Kreibich beantwortet Fragen zum Schauspielerleben.

KURIER: Wie wichtig ist Ihnen der Applaus?

Sonja Kreibich: Sehr wichtig. Fetter Applaus ist wie ein High-Gefühl. Es ist eine große Bestätigung. Dadurch wird meine Arbeit bewertet und wenn er groß ist, ist es das Schönste für mich.

Sind Sie schon immer gern im Mittelpunkt gestanden?

Ich denke schon, ja. In der Pubertät hat es zwar ein bisschen abgenommen, aber ich kann mich noch erinnern, dass ich mit vier Jahren auf der Bühne gestanden bin und ein Lied gesungen habe. Der Bürgermeister hat mir damals zehn Euro gegeben, ich war so stolz.

Kompensieren Sie die Suche nach Aufmerksamkeit durch den Applaus?

Nein, das nicht. Ich bin dem Applaus gegenüber sehr demütig. Er ist mir auch unangenehm. Es geht in beide Richtungen.

Wie viel Geld verdienen Sie im Monat?

Es kommt darauf an. Derzeit 900 Euro im Monat. Im Sommer ist es oft mehr, danach wieder weniger.

Was sagen Ihre Eltern zu Ihrem Beruf?

Mittlerweile sind sie sehr stolz, das war aber nicht immer so. Es hat einige Jahre gedauert, aber jetzt erzählen sie gern, dass ihre Tochter Schauspielerin ist.

Werden Sie in der probefreien Zeit schnell depressiv?

Die Tendenz zur Depression ist da, ja. Aber ich kann sie verdrängen, indem ich mich mit Freunden treffe und in den Urlaub fahre. Man muss lernen sich die Zeit schön zu machen. Es macht natürlich auch einen Unterschied, wenn man weiß, wann das nächste Engagement beginnt.

Was war oder ist Ihr Plan B?

Es gibt keinen.

Reich und berühmt sein - ist das Ihr Ziel?

Ja, natürlich ( lacht ).

Waren Sie schon einmal nackt auf der Bühne?

Ich war einmal oben ohne.

Was war das für ein Gefühl?

Es war sehr reizvoll für mich. Ich war im Schutz des dunklen Lichts und es war für die Zuschauer nicht klar zu erkennen, dass ich es bin.

Wird auf der Bühne mit Zunge geküsst?

Eigentlich nicht, aber wenn eine gewisse Anziehung da ist, küsst man sich richtig.

Was sagt Ihr Freund dazu?

Er ist selbst Schauspieler, deshalb macht es ihm nichts aus.

Stichtwort #MeToo: Wurden Sie schon einmal angemacht bei einem Vorsprechen?

Nein, noch nie.

Talent, Glück und Vitamin B – was können Sie streichen und trotzdem erfolgreich sein?

Ich bin so romantisch und sage Vitamin B.

Bekommen Sie von den vielen Rollenwechseln auch Identitätskrisen?

In den Anfängen ist mir das schon passiert. Wenn ich mich viel mit einer Rolle beschäftige, bemerke ich, dass ich manchmal wie die Person denke. Mittlerweile weiß ich aber genau, wer ich bin.

Kann man ein Liebespaar spielen, wenn man sich nicht leiden kann?

Sehr schwer. Man kann, aber es kostet sehr viel Überwindung.

Wie lange merken Sie sich den Text?

Nicht lange ( lacht ). Ich vergesse ihn leider sehr schnell.