Portrait des Facebook-Gründers Mark Zuckerberg vom chinesischen Künstler Jia Zhu.

© APA/EPA/HOW HWEE YOUNG

Jubiläum
02/04/2014

Facebook wird "noch wichtigere Probleme lösen"

Zum zehnjährigen Jubiläum gibt Facebook-Gründer Zuckerberg einen Ausblick auf die nächsten zehn Jahre.

Am 04. Februar 2004 ging Facebook erstmals online (siehe unten). Zum zehnjährigen Jubiläum wagte Gründer Mark Zuckerberg einen Blick in die Zukunft: "Jetzt haben wir die Ressourcen, um Menschen in der ganzen Welt zu helfen, noch größere und wichtigere Probleme zu lösen", schrieb der 29-Jährige am Dienstag in seinem Facebook-Profil zum 10. Geburtstag seiner Firma.

Bilder: Die ersten 20 Menschen auf Facebook

Facebook Zuckerbergs Birthday

Facebook: Screenshot

Chris Hughes, co-founder of Facebook, speaks at th

Dustin Moskowitz

Screenshot: Facebook

Screenshot: Facebook

Screenshot: Facebook

Haiti's Samyr Laine competes in the men's triple j

Haiti's Samyr Laine competes in the men's triple j

File photo of Facebook logo seen on a screen insid

APTOPIX Facebook

Eduardo Saverin

USA NATIONAL BOARD OF REVIEW

USA ACADEMY AWARDS NOMINATIONS

File photo shows Cameron and Tyler Winklevoss at t

Tyler Winklevoss, Cameron Winklevoss

Facebook

Screenshot: facebook

Online-Netzwerke würden künftig nicht nur genutzt, um mit anderen Menschen in Kontakt zu treten. "Sie werden euch helfen, Fragen zu beantworten und komplexe Probleme zu lösen", versprach Zuckerberg. Neue Technologien könnten weitere Wege eröffnen, eigene Erfahrungen mit anderen zu teilen. Außerdem müssten alle Menschen weltweit Zugang zum Internet bekommen.

Bilder: Zehn Jahre Facebook

Facebook

** FILE ** Facebook CEO and founder Mark Zuckerber…

Facebook Opens Data Center In North Carolina

** FILE ** Facebook CEO and founder Mark Zuckerber…

Facebook

Facebook

Facebook

Switzerland Davos Forum

Mark Zuckerberg

Mark Zuckerberg speaks to reporters at Harvard Uni

Facebook

File photo of Facebook Inc. CEO Mark Zuckerberg on

Facebook-Nasdaq-Refunds

Facebook CEO Married

A view of the interiors of Facebook's new server h

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CIA Social Media

Zuckerberg hatte Facebook 2004 in seinem Studentenwohnheim an der Elite-Universität Harvard gegründet. Rückblickend frage er sich, wie das Projekt so erfolgreich wurde. "Warum waren wir diejenigen, die das hier gebaut haben? Wir waren nur Studenten." Zuckerbergs Antwort: Sie hätten an ihr Ziel geglaubt, die Menschen zu vernetzen, und sich mehr angestrengt als große Unternehmen, die viel Geld in ihre Entwicklungsarbeit stecken können.

Klicken, liken, kommentieren: Facebook wird zehn Jahre alt

Mehr als viereinhalb Milliarden Botschaften werden täglich auf Facebook geteilt – vier Milliarden Fotos, Links, Meinungen. Sie alle könnten dazu beitragen, dass wir unsere Individualität verlieren. Davor warnt die britische Neurowissenschaftlerin Susan Greenfield. Sie untersuchte, wie der Umgang mit dem sozialen Netzwerk das menschliche Gehirn verändert hat. „Das Gehirn hat die einzigartige Fähigkeit, sich seiner Umgebung anzupassen – es ist formbar. Da wir in einer digitaler werdenden Welt leben, sind wir permanent auf Alarmbereitschaft getrimmt, was andere Menschen gerade tun oder welche Meinung sie vertreten. Dadurch ändert sich unsere Denkweise, unsere Einstellung zu vielen Dingen,“ sagte sie dem Telegraph.

Eine Reizüberflutung, die Iris eines Tages zu stressig wurde. Die 29-Jährige verbrachte viel Zeit – beruflich und privat – auf Facebook. „Sobald ein Zeitfenster offen war, habe ich reingeschaut.“ Irgendwann kam der Tag, an dem sie beschloss, sich abzumelden. „Man liefert sein Leben, seine Meinung, seine Ansichten visuell, akustisch oder schriftlich aus. Aber wie wichtig ist es, was die anderen denken und wie viele Likes ich bekomme? Man verstrickt sich in einer Illusion.“ Die Entscheidung, ihr Konto zu löschen, hat Iris nicht bereut: „Obwohl anfangs noch ab und zu der Impuls kam, bei Facebook reinzuschauen, war es sehr befreiend, die Aufmerksamkeit wieder ins Hier und Jetzt zu lenken.“

Narzissmus

Schneller, leichter, zwanglos: Das sind Begriffe, die dem Kommunikationsexperten Klaus Eck zu Facebook einfallen – und: „Auf Facebook lernen viele Menschen, Bilder, Texte und Videos miteinander zu teilen“. Durch das Sharing ebenso wie durch den Facebook Messenger sei die digitale Nähe größer. Die persönliche Kommunikation finde ihren alltäglichen Ausdruck auf Facebook. „Auf Facebook können wir unsere Arbeits- und Privatkontakte einfacher und zwangloser pflegen“, sagt Eck. Von Nachteil sei manchmal der übertriebene Narzissmus Einzelner, die der Welt alles ohne Rücksicht auf Verluste mitteilen.

Obwohl Facebook derzeit mehr als eine Milliarde Nutzer hat, prognostizieren Experten ein frühes Ende. Wissenschaftler der Universität Princeton behaupten, dass Facebook in den nächsten drei Jahren bis zu 80 Prozent seiner Nutzer verlieren wird. Sie analysierten das Suchinteresse für Facebook und verglichen es mit dem einst populären Netzwerk MySpace.

Junge wandern ab

Vor allem Jugendliche kehren dem größten sozialen Netzwerk den Rücken. Wie etwa der 17-jährige Fabian Haider. „Meine Fotos poste ich meistens auf Instagram. Das ist wegen der verschiedenen Bildeffekte einfach cooler. Wenn ich Nachrichten schreiben will, benütze ich WhatsApp. Damit bin ich mobiler als mit Facebook.“ Viele seiner Freunde hätten das Interesse am größten aller sozialen Netzwerke verloren. „Wir nutzen es hauptsächlich für die Schule. Meine Klasse hat eine eigene Gruppe, in der wir Unterlagen austauschen.“ Die ältere Generation ist nicht unschuldig am wachsenden Desinteresse der Jugend: „Seit so viele Eltern auf Facebook sind, wollen wir dort nicht mehr so viel posten. In anderen Netzwerken haben wir mehr Privatsphäre.“
Apropos „ältere Generation“: Die 66-jährige Hermine Scherzer meldete sich vor fünf Jahren an und postet seither fleißig. Ihr gefällt’s, sie fühlt sich davon angesprochen. Und nutzt es, um etwa Bekanntschaften mit möglichst Gleichgesinnten zu schließen, sich auszutauschen und zu informieren. Dabei hätten sich schon „nette, echte Freundschaften ergeben.“

Freundschaft per Mausklick

Rund 342 Freunde hat der durchschnittliche Facebook-Nutzer. 342 Freunde, denen er Fotos, Gedanken und seinen veränderten Beziehungsstatus mitteilt. Heute vor zehn Jahren ging Facebook, das größte soziale Netzwerk im Internet, online. Dadurch hat sich der Begriff „Freundschaft“ verändert – im positiven wie im negativen Sinn.

Der Berliner Bildungs- und Jugendforscher Klaus Hurrelmann erklärt die Vorteile von Facebook für zwischenmenschliche Beziehungen: „Durch die technischen Möglichkeiten kann man seinen Freundeskreis stabil halten, erweitern, jederzeit ansprechen. Eigentlich müsste das den sozialen Kontakten einen enormen Aufschwung geben.“ Er relativiert jedoch: „Es kann sein, dass Kontakte durch die Möglichkeit sie zu vervielfachen immer oberflächlicher werden.“

Das beobachtet auch die US-Soziologin Sherry Turkle. In ihrem Buch „Verloren unter 100 Freunden“ schreibt sie, dass vielen Menschen das Pflegen von Beziehungen zu kompliziert geworden ist. Durch das ständige Kommunizieren im Netz würden sie verlernen, echte Gespräche zu führen. Hurrelmann sieht das anders: „Kontaktarmut hat es auch früher schon gegeben. Durch neue mediale Kanäle fällt sie heute stärker auf. Wer gut kommunizieren kann, tut das ohnehin. Wer schlecht kommuniziert, kann schneller diskriminiert werden.“

Trotz vieler Facebook-Freunde seien viele Menschen einsam, sagt Turkle. „Technologien wie Facebook geben uns die Illusion von Gesellschaft – ohne die Anforderungen von Freundschaften.“ Verlässlichkeit, Vertrauen, Verbindlichkeit. Es ist egal, ob man 300 oder 1000 Facebook-Freunde hat – laut Forschern der Universität Chemnitz ändert das nichts daran, dass ein Mensch meist nur ein bis zwei beste Freunde hat.

Offenbarung

Wie Freundschaften entstehen, beschreibt die kanadische Sozialpsychologin Beverly Fehr: „Wenn sich zwei Menschen das erste Mal treffen, geben sie zunächst nur wenig Persönliches von sich preis. Verläuft der erste Austausch positiv, offenbart man allmählich mehr.“ Auf Facebook hingegen offenbart man sich sofort – und jedem. Die beste Freundin sieht die Urlaubsfotos genauso wie der flüchtige Bekannte. Diese Öffentlichkeit ist für junge Menschen schwer einzuschätzen, findet der Soziologe Hurrelmann: „Sie gehen damit so selbstverständlich um, dass sie heikle Aspekte, die wir in der öffentlichen Diskussion im Vordergrund haben, nicht kritisch sehen.“ Dennoch profitieren speziell junge Männer von Facebook. „Sie können aus ihrer spröden und störrischen Freundschaftspflege herauskommen, weil sie sich schriftlich einfacher mitteilen können. Sie müssen niemandem gegenübersitzen und Angst haben, kein Wort herauszubekommen.“

Die amerikanische Fotografin Tanja Hollander (41) hatte es satt, die meisten ihrer Facebook-Freunde nur oberflächlich zu kennen. Vor drei Jahren beschloss sie, jeden Einzelnen ihrer damals 626 Freunde zu besuchen und zu fotografieren. Zu sehen sind sie auf ihrem Blog www.facebookportraitproject.com

Zu virtuellen Freundschaften hat Hollander eine entspannte Haltung. „Ich glaube, Facebook verändert gar nichts. Facebook macht es nur einfacher, mit Menschen in Kontakt zu bleiben, mit denen es face-to-face schwieriger wäre“, sagte sie dem Magazin NEON. Aber etwas ist doch anders geworden: „Heute habe ich Freunde, die mir sehr nahestehen, die aber noch nie bei mir zu Hause waren.“

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