Jeder fünfte Grieche ohne Job

Die Arbeitslosenquote stieg Ende 2011 auf 20,7 Prozent. Experten befürchten einen weiteren Anstieg.

"Der Tourismus ist lebenswichtig, damit die griechische Wirtschaft wieder auf die Beine kommt", betonte der griechische Tourismusminister Pavlos Geroulanos auf der Internationalen Reisemesse ITB in Berlin Anfang März. Schließlich gehen laut Angaben des größten griechischen Touristikverbandes SETE mehr als 15 Prozent der griechischen Wirtschaftskraft auf den Tourismus zurück.
(Bild: Fonisa-Wasserfälle auf der Insel Kythira.) Rund 770.000 Menschen arbeiten in der Branche
(Bild: Yianiskari-Beach bei Patras.) Im Rekordjahr 2011 stieg die Zahl der Touristen um knapp zehn Prozent auf insgesamt 16,4 Millionen. 10,5 Mrd. Euro wurden so eingenommen. Gründe für mehr Urlauber waren einerseits günstige Preise, andererseits Unruhen in anderen Urlaubsländern. Für die heurige Urlaubssaison jedoch gibt man sich in Griechenland wenig optimistisch, wenn nicht besorgt. Das Athener Kultur- und Tourismusministerium befürchtet, dass dieses Jahr etwa eine Million Touristen weniger Griechenland besuchen könnten als im Vorjahr. Ursache seien die Fernsehberichte über gewalttätige Ausschreitungen aus dem Zentrum Athens. "Die Zeitungen sind voller Bilder vom brennenden Athen", so Geroulanos. Diese negativen Schlagzeilen würden bei den Menschen den Eindruck hinterlassen, dass es im ganzen Land so aussehe, was eindeutig nicht stimme. Die Angst vor Unruhen sei bei Urlaubern dieses Jahr noch stärker geworden. Vor allem Touristen aus Deutschland seien verschreckt worden, hieß es aus dem griechischen Ministerium. Athens Kulturminister Pavlos Geroulanos berichtete Staatspräsident Karolos Papoulias nach seinem Besuch auf der ITB, die Deutschen fürchteten, sie würden nicht willkommen geheißen. "Dieses Klima müssen wir ändern", sagte Geroulanos. Denn Deutschland ist eine der wichtigsten Quellen für den griechischen Tourismus. Im vergangenen Jahr reisten rund zwei Millionen Deutsche nach Griechenland. Aktuell zeichne sich ein Rückgang der Buchungen um etwa 30 Prozent ab. Um die Urlaubslust auf Griechenland neu zu wecken, wollen die Hellenen in den kommenden Wochen eine Kampagne zur Verbesserung des Bildes des Landes starten. Die Armut nimmt zu.

Im Sog der tiefen Wirtschaftskrise in Griechenland hat die Arbeitslosigkeit einen Rekordwert erreicht. Von Oktober bis Dezember 2011 war mehr als ein Fünftel aller Griechen ohne Job, wie das Statistikamt Elstat am Donnerstag mitteilte. Mit 20,7 Prozent wurde die höchste Arbeitslosenquote verzeichnet, die es je in einem Quartal gegeben hat. Im Jahr zuvor lag die Quote noch bei 14,2 Prozent. Experten befürchten jedoch, dass mit dem Rekordwert das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist.

"Da es sich um einen nachlaufenden Wirtschaftsindikator handelt, ist ein weiterer Anstieg in den kommenden Monaten nicht ausgeschlossen", meint EFG-Eurobank-Ökonom Platon Monokroussos. Besonders hart trifft die Krise die Jugend: Fast 40 Prozent der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen sind ohne Job. Im Jahr zuvor waren es 28 Prozent. Das mit 130 Mrd. Euro von EU-Staaten und dem IWF vor der Pleite gerettete Ägäis-Land steckt seit Jahren tief in der Rezession fest: Nach dem Konjunktur-Einbruch um sieben Prozent im Jahr 2011 wird auch für dieses Jahr ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung erwartet.

(apa / dk) Erstellt am
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