Jedem Griechen wurden 33.600 Euro erlassen

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Foto: KURIER/Reinhard Vogel 380 Mrd. Euro an Hilfszahlungen flossen nach Griechenland.

Bislang hat Griechenland Hilfen in Höhe von 380 Milliarden Euro erhalten. Das entspricht 177 Prozent des griechischen BIP.

Wir haben ein sehr ambitioniertes und beispielloses Hilfsprogramm für Griechenland zusammengestellt", sagte Jose Manuel Barroso bei der Präsentation des Wachstumsberichts für Griechenland im EU-Parlament am Mittwoch. "Ihr seid nicht allein", versicherte der EU-Kommissionspräsident mit Blick auf die Hilfsleistungen an die Griechen. In Zahlen: Bislang haben die Hellenen Hilfen in der Größenordnung von 380 Mrd. Euro erhalten. Dies entspricht 33.600 Euro pro Einwohner Griechenlands.

Die finanzielle Unterstützung der EU und der internationalen Partner beträgt demnach 240 Mrd. Euro, der Schuldenerlass durch Privatgläubiger 100 Mrd. Euro. Dazu kommen Hilfen aus dem EU-Budget für Griechenland von 2007 bis 2013 in der Höhe von 40 Mrd. Euro. Bei Griechenland betrage die finanzielle Unterstützung bereits 177 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), so Barroso.

Stärken im Tourismus und in der Schifffahrt

Die EU-Kommission sieht Griechenlands Wachstumschancen in den Bereichen Tourismus, Energie, Transport und Abfallwirtschaft. Um Wachstum zu schaffen, müssten allerdings enorme Hürden in der korrupten Wirtschaft und bürokratischen Verwaltung des Pleitestaates abgebaut werden. "Die Opfer des griechischen Volkes werden in naher Zukunft belohnt", versprach Barroso.

 Griechenland hat nach Einschätzung der EU gute Voraussetzungen für den Ausbau erneuerbarer Energien aus Sonne, Wind und Wasserkraft. Zum anderen könne es sich zu einem Knotenpunkt der Gasversorgung in der Region entwickeln. Dazu müssten allerdings die staatlichen, unproduktiven Energiebetriebe privatisiert und zerschlagen werden. Die Netz-Infrastruktur müsste massiv ausgebaut werden.

Tausende Jobs könnten der EU zufolge außerdem entstehen, wenn das Land seine Abfallwirtschaft auf Vordermann bringen und EU-Standards in diesem Sektor umsetzen würde. Der Tourismus ist mit einem Anteil von 5,6 Prozent am Bruttoinlandsprodukt bereits eine wichtige Branche, könnte aber noch viel stärker ausgebaut werden. Die Saison beschränke sich bisher weitgehend auf die Sommermonate und könnte ausgedehnt werden. Auch fehlt es den Touristen oft an Gelegenheiten, im Urlaub Geld auszugeben.

Aufholbedarf

Erneut prangert die EU die Missstände in Griechenland an: Es mangele an der Fähigkeit, beschlossene Gesetze auch umzusetzen, Steuern einzutreiben, für mehr Wettbewerb zu sorgen oder öffentliche Aufträge ordentlich auszuschreiben. Genehmigungsfristen für neue Unternehmen oder für Ausfuhren seien zu lang.

Die durch das Sparprogramm verschärfte Rezession hinterlässt tiefe Spuren. In der privaten Wirtschaft gingen im vergangenen Jahr bereits 150.000 Jobs verloren. Nach einer Umfrage könnten in diesem Jahr 60.000 Firmen pleitegehen und damit weitere 240.000 Stellen verschwinden. Und wer seine Arbeit behält, muss sich auf weiteren Einkommensrückgang einstellen. Die Nominallöhne müssten in den kommenden drei Jahren um 15 Prozent sinken, damit die griechische Wirtschaft wieder wettbewerbsfähig werde, hieß es in dem Bericht.

Zur Unterstützung der kleinen und mittleren Unternehmen stünden bereits vier Milliarden Euro an EU-Mitteln bereit. Dieses Geld müsse nur seinen Weg zu den Firmen finden. Auch die Milliarden aus den EU-Strukturfonds kommen nur stockend in der Wirtschaft an. Zur Vergabe der damit verbundenen öffentlichen Aufträge brauchen die Behörden fast ein Jahr und damit doppelt so lang wie durchschnittlich in der EU.

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(apa, rts / js) Erstellt am
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