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Wirtschaft
08/05/2019

Japanische Autobauer mit herben Absatzeinbrüchen in Südkorea

Die "Südkoreanische Öffentlichkeit ist wegen Handelsstreits wütend auf Japan".

Boykottaufrufe angesichts wachsender diplomatischer Spannungen haben den Absatz japanischer Autokonzerne in Südkorea einbrechen lassen. Toyota verkaufte im Juli 32 Prozent weniger Fahrzeuge, Honda verzeichnete sogar ein Minus von 34 Prozent, wie aus den am Montag veröffentlichten Daten des südkoreanischen Verbandes der Autoimporteure hervorgeht.

"Die Besucherzahlen in den Autohäusern sinken, während die Verbraucher mit der Unterzeichnung von Verträgen warten", klagte ein Vertreter von Honda Korea. "Die südkoreanische Öffentlichkeit ist wütend auf Japan", betonte Professor Kim Pil-soo vom Daelim University College Automotive Engineering. "Es wird bald ein Tabu werden, japanische Autos in Korea zu fahren."

Die Spannungen zwischen den beiden US-Verbündeten schlagen auch auf die Finanzmärkte durch: Die koreanische Börse verlor zum Wochenauftakt 2,6 Prozent und fiel auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren. Der japanische Nikkei-Index schloss 1,7 Prozent niedriger, wodurch das Barometer auf ein Zwei-Monats-Tief abrutschte.

Die Regierung in Tokio entschied am Freitag, Südkorea als erstem Land überhaupt Handelsprivilegien zu entziehen. Südkoreanische Firmen müssen sich damit auf mehr Bürokratie einstellen. Die Regierung in Seoul drohte umgehend Gegenmaßnahmen an und reagierte mit ungewöhnlich scharfen Worten. "Wir werden uns nicht wieder von Japan besiegen lassen", sagte Präsident Moon Jae-In. Damit spielte er auf die schwierige Geschichte beider Länder an, die unterschwellig im jüngsten Handelskonflikt eine zentrale Rolle spielt.

Der Konflikt zwischen Japan und Südkorea löste schon im vergangenen Jahr eine Verschlechterung der Beziehungen aus: Im Oktober entschied das oberste Gericht Südkoreas, dass japanische Firmen Entschädigung an Südkoreaner zahlen müssen, die während der Besetzung der koreanischen Halbinsel von 1910 bis 1945 Zwangsarbeit leisten mussten. Japan reagierte empört und erklärte, dass bereits 1965 eine Einigung diesbezüglich erzielt worden sei. Der Streit hatte sich hochgeschaukelt, als Japan die Belieferung südkoreanischer Technologiekonzerne mit Baumaterialien für Handys und Halbleiter beschränkte. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt.