Wirtschaft
29.05.2018

Italien bereitet Finanzwelt große Sorgen, Aktien leiden

Ratingagentur droht mit Herabstufung, Krise droht auf Griechenland überzuspringen, Euro auf tiefstem Wert seit zehn Monaten.

Die Regierungskrise in Italien hat nun den Finanzplatz Europa erfasst. Sah es am Montag noch danach aus, als ob die Investoren das Nicht-Zustande-Kommen der europafeindlichen Regierung aus Lega Nord und Fünf-Sterne goutierten, änderte sich das Bild jedoch bald darauf. Denn Neuwahlen im Herbst mit anschließenden langen Regierungsverhandlungen bedeuten eine Fortsetzung des Stillstandes im Land. Dabei wären Reformen, um die Verschuldung und das Defizit in den Griff zu kriegen, dringend angebracht.

Hinzu kamen am Dienstag weitere schlechte Nachrichten. Die Ratingagentur Moody's kündigte an, das aktuelle Rating („Baa2“, spekulative Anlage) auf eine mögliche Abstufung zu überprüfen. Die 10-Jahresrenditen für Staatsanleihen des Landes stiegen auf den höchsten Stand seit März 2014. Je höher, desto riskanter wird ein Investment bewertet.

Italiens Notenbank-Gouverneur Ignazio Visco warnte: „Wir dürfen niemals vergessen, dass wir immer nur ein paar Schritte von dem sehr ernsten Risiko eines Verlusts des unersetzbaren Guts von Vertrauen entfernt sind.“ Italiens Renditen kletterten in Richtung jener Griechenlands, dessen Werte sich ebenfalls verschlechterten. „Wir machen uns Sorgen, wenn Italien instabil ist, dass uns diese Finanzlage vielleicht zusätzliche Probleme schaffen könnte“, sagte Außenminister Nikos Kotzias. Vize-Regierungschef Giannis Dragasakis relativierte jedoch: Athen habe bereits einen Kapitalpuffer parat, um seine Finanzierungsbedürfnisse zu sichern.

Euro im Sinkflug

Europas Aktienbörsen reagierten auf all das mit Verlusten. Der Mailänder MIB verlor 1,9, der Frankfurter DAX 1,04 und der Wiener ATX 2,16 Prozent. Der Euro fiel zum Dollar mit 1,1586 auf ein Zehn-Monats-Tief.

Für Empörung sorgte EU-Haushaltskommissar Günther Oettinger. „Die Märkte werden für die Wähler ein mögliches Signal sein, nicht Populisten von links und rechts zu wählen“, sprach er eine indirekte Warnung aus. EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach von „unweisen Bemerkungen“. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani entgegnete, „nicht die Finanzmärkte entscheiden das Schicksal Italiens, sondern die Bürger“.