"Investoren sehen Gewinnabschöpfung als staatlichen Raub"
IVA-Vorstand Florian Beckermann
Als "ambitionierten Wunschzettel" sieht Florian Beckermann, Vorstand des Interessensverbandes für Anleger (IVA), die Industriestrategie der Regierung. Leider fehle der Kapitalmarkt als Treibstoff für deren Finanzierbarkeit. Österreich müsse mehr Risikokapital bekommen, "wir haben es de facto nicht".
Die Pläne im Energiebereich (Verbund etc.) dürften nicht mit Aktionärsgeld bezahlt werden, "Aktionärsgeld für politische Wünsche zu verschenken das ist keine nachhaltige Strategie".
Im Gegenteil. Die Ex-Post-Abschöpfung von Gewinnen sei für den internationalen Kapitalmarkt "toxisch, eine Katastrophe". Investoren würden dies als "staatlichen Raub"empfinden, das sei nur in Ausnahmesituation wie in der Energiekrise zu rechtfertigen, sagte Beckermann im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Der Anlegerschützer lobte die staatliche Beteiligungsholding Öbag, sie agiere frei von politischem Einfluss und unaufgeregt. Die Beteiligungsunternehmen würden "super Performancezahlen" lieferen.
Vorstandsvergütungen
Kritisch könnte es bei den bevorstehenden Hauptversammlungen der börsenotierten heimischen Unternehmen beim Thema variable Vorstandsbezüge werden. Die internationalen Stimmrechtsberater, die bisher "ein Auge zugedrückt haben", würden Druck machen und die Vergütungsberichte niederstimmen, erwartet Beckermann. "Sie wollen genau wissen, wofür jemand konkret bezahlt wird. Was sind die Ziele, zu wieviel Prozent wurdne sie erfüllt, wie groß ist der Topf und wieviel wird ausbezahlt?" Die Berichte seien oft intransparent, die Stimmrechtsberater würden klare Begründungen einfordern.
Aufsichtsratsvergütungen seien in Österreich immer noch sehr niedrig. 20 Millionen für alle börsenotierten Unternehmen im Gesamtjahr, "das bekommt ein einziger CEO in den USA".
Frauenquoten
Demnächst soll die Women-on-Boards-Richtlinie der EU umgsetzt werden. Der Frauenanteil in den Aufsichtsräten muss künftig mindestens 40 Prozent betragen, derzeit seien es nur 30 Prozent. Bei manchen Unternehmen sei die Quote noch niedriger, "es gibt peinlicherweise noch immer Unternehmen ohne Frauen im Aufsichtsrat".
Pensionskassen
„Wir dürfen nicht mehr Geld in ein nicht gut funktionierendes System bringen“, warnt Florian Beckermann, Vorstand des Interessensverbandes für Anleger (IVA). Zwischen den betrieblichen Pensionskassen müsse es einen „vernünftigen Wettbewerb“ und auch mehr Transparenz für die Veranlagten geben.
Wer einzahle, müsse sehen, was mit dem Geld passiert und ob sich ein Wechsel der Kasse lohne, meinte Beckermann im Klub der Wirtschaftspublizisten.
Die Performance der sieben heimischen Pensionskassen sei im internationalen Vergleich äußerst bescheiden. Laut einem Vergleich der europäischen Anlegerschutz-Dachorganisation Betterfinance lag die annualisierte Durchschnittsrendite der heimischen Pensionskassen real und nach Abzug der Verwaltungskosten bei 0,9 Prozent vor Steuern. Ursache sei die vorgeschriebene Kapitalgarantie. Die Lebensversicherung performe nach Berücksichtigung der Vertriebskosten mit einer realen Nettorendite von nur 0,6 Prozent.
Kapitalgarantie kostet
In Schweden beispielsweise erwirtschafte die von einer staatlichen Agentur gemanagte betriebliche Vorsorge sieben Prozent. In allen Ländern ohne Kapitalgarantie sei die Performance der Kassen wesentlich besser als in Österreich. Beckermann findet den von der Regierung geplanten Generalpensionskassenvertrag grundsätzlich positiv, stellt aber die vorgeschriebene Kapitalgarantie infrage. Diese bringe zwar Sicherheit, sei aber teuer und mindere die Renditen. A. Hodoschek
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